50 Jahre und kein bisschen müde

P.S. Hunter und die 1967 Corvette Stingray in neuem Glanz

Vor einiger Zeit war unsere US-Korrespondentin bereits ganz hin und weg von der Lady in Red, einer C7 Corvette Stingray, die sie sich am Navy Marinehafen in San Diego geangelt hatte. Doch zum 50 Jahre-Jubiläum ließ sie es sich nicht nehmen, in einer C2 von 1967 Platz zu nehmen und dabei auch ordentlich Gas zu geben.

Was für eine Schönheit

Es gibt so manches Auto, bei dem einen beim reinen Anblick die Kinnlade auf die Brust fällt, doch ein Meisterstück wie diese voll restaurierte Corvette Stingray aus dem Jahre 1967 erweckt bei den meisten Autoenthusiasten Gefühle, von denen man nicht wusste, dass man sie hat. All die Zeit, Hingabe und natürlich auch die riesige Summe Geld, die in dieses Prachtexemplar eines amerikanischen Sportwagens mit europäischen Qualitäten gesteckt wurden, beeindrucken auf den ersten Blick.

„Rollen Sie nachts mit einer Stingray über die Via Veneto. Und Sie bekommen einen ungefähren Eindruck davon, wie viele Mädchen es gibt, die Zeit für Sie haben.”

– die automobile Legende, Fritz B. Busch (verstorben 2010)

Als Don Kingery seine Corvette das erste Mal zu sehen bekam, sah die Welt allerdings noch ganz anders aus. Als Kampfjetpilotenausbilder (Top Gun lässt grüßen!) und Weltrekord-Halter als ältester aktiver Bomber-Pilot braucht man auch im Ruhestand ein Gefährt, das einem regelrecht Flügel verleiht. Rund acht Jahre akribische Kleinarbeit und 80.000 US-Dollar, wobei der reine Anschaffungspreis lediglich bei 12.000 US-Dollar lag, stecken in dieser Stingray.

Vom Country Club-Flitzer zum Sportwagen

1963 war der Beginn der Auferstehung einer Ikone, denn die erste Stingray schlug mit ihrer atemberaubenden Form ein wie eine Bombe. Die sogenannte Midyear-Corvette löste damals die erste Generation der offenen Zweisitzer ab. Der Name “Stingray” war übrigens inspiriert von der schwebenden Eleganz eines Rochens und noch dazu war Design-Chef Bill Mitchell passionierter Hochseefischer. Die Corvette verabschiedete sich damals von ihrer schwülstigen 50er-Jahre Linie und zeigte sich erstmals in einem aggressiven Sportwagen-Look, doch die typisch amerikanischen Akzente durften trotzdem nicht fehlen. 1967 sollte eigentlich der Startschuss für die nächste Karosserieform sein, jedoch wurde diese nicht rechtzeitig produktionsreif und so wurde lediglich die “Stinger”-Motorhaube eingeführt. Insgesamt wurden davon 22.940 Fahrzeuge unter die Leute gebracht.
Die zweite Generation der Corvette wurde von Jahr zu Jahr besser und aus dem 5,4 Liter V8 wurde dank kontinuierlicher Weiterentwicklung in nur wenigen Jahren ein “Big Block” mit 7 Litern.

Fotoshooting-Location
auf Cardiff by the Sea, Kalifornien

Wir sprechen von 1967.

50 Jahre alt ist diese ganz besondere Corvette heute. Vor 50 Jahren schaffte es selbst Porsche lediglich auf um die 130 Pferde und der 275 GTB war das Sportlichste, was Ferrari zu bieten hatte. Dafür hatten die europäischen Sportler bereits in den 60ern einen stolzen Preis. Das Basis Modell des Stingray bekam man damals jedoch um ledigilch 4.240 US-Dollar. Dazu kam noch ein kleiner Aufpreis für das Schaltgetriebe und schon konnte man sich diese Schönheit in die Garage stellen. Ganz gleich, ob man damit lediglich die Küstenstraßen rauf und runter cruisen oder auf der Rennstrecke seine Gegner alt aussehen lassen wollte, mit dieser Corvette war das alles möglich.

…nicht kleckern, sondern klotzen…

Diese Vette schaffte schon in den 60ern eindrucksvolle Fahrleistungen, denn in weniger als 6 Sekunden erreichte sie Marke 100 und die Viertelmeile war in 14,1 Sekunden erledigt. Mit den 400 originalen PS des Big-Block Tri-Power V8 gab sich der Jetpilot in Ruhestand aber nicht zufrieden. Er investierte unendlich viel Arbeit in seine Corvette und weil er schon dabei war, wurde gleich ein ZZ502 Motor mit genau diesen 502 Pferden verbaut. So wurde seine Stingray nicht nur ein Unikat, sondern auch richtig böse. Mit so viel Power kann man sogar zwischen 2. und 3. Gang noch rasante Streifen auf den Asphalt malen. Trotz des neuen Motors bettelt der amerikanische Sportler immer noch nach hohen Umdrehungen, doch dank des großen Drehmomentes und des wunderbaren V8-Sounds sträuben sich die Nackenhaare bereits beim ersten Tippen aufs Gaspedal. Allerdings sollte man bei hohen Dauerdrehzahlen ein wenig vorsichtig sein, denn nur so ist ein langes Motorleben gewährleistet. Wie sonst auch, auf die richtige Mischung kommt es an. Die Härchen stellen sich übrigens auch beim Stop an der Tankstelle auf, denn trotz der leichten 1.350 kg braucht das Biest rund 20 Liter auf 100 km.

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Europäisch amerikanisch

So eine Corvette ist nicht nur geradeaus schnell. Wer ein wenig Gefühl für Lenken, Bremsen und Gasgeben mitbringt, der wird auch auf den kalifornischen Küstenstraßen einen unvergesslichen Ritt erleben. Die Lady in Red lenkt sich nicht nur exakt und schaltet ohne riesigen Kraftaufwand, sondern bleibt auch bei schneller Kurvenfahrt wunderbar kontrollierbar. Mit offenem Verdeck könnten das Vergnügen und die Aussicht besser nicht sein. Wichtig ist nur, in langgezogenen Biegungen immer auf Zug zu bleiben, denn auf unkontrolliertes “Gerühre“ im 6-Gang Getriebe und abrupte Gaswechsel spricht die Dame gar nicht gut an. Noch dazu ist das riesige und viel zu glatte Holzlenkrad wirklich nicht für Stunt-Einlagen gemacht. Ein wenig Köpfchen gehört hier schon hinter das Lenkrad, denn trotz all dem europäischen Flair steckt noch immer ein hecklastiger Amerikaner unter dem roten Kleid.
Apropos europäischer Flair, den bemerkt man vor allem bei den eng geschnittenen Sitznischen. In der Vette ist alles auf knackige Sportlichkeit getrimmt. Von Donuts, Burger und Co. sollte man als Fahrer allerdings seine Finger lassen, denn ein all zu großer Bauch passt beim besten Willen nicht bequem zwischen Sitz und Lenkrad.

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Greetings from Sunny Southern California,
Pacey

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