• weniger rauch, mehr feuer

    35. GTI-Treffen in Reifnitz am Wörther See

Beim 35. GTI-Treffen am Wörther See ging man Back to the Roots: Volkswagen lieferte diesmal einen Solo-Auftritt und stellte den vierzigsten Geburtstag des VW GTI ins Zentrum. Samt limitierter Sonder-Edition des Clubsport mit 310 PS.

Was aufällt, bei der seeseitigen Annäherung an Reifnitz am Wörther See, ist eine relative Beschaulichkeit. Das bei den bisherigen GTI-Treffen übliche Gedränge ist lichter (was zu Christi Himmelfahrt nicht nur an den anfangs – für einen Mai-Tag – unterkühlten Temperaturen lag). Die sonst gegenwärtige allseitige Beschallung ist gedämpfter. Der Rauch der Grillfeuer ist dünner. Die Dichte an Ausstellern auch.

Absent sind die VW-Konzernmarkenbrüder von Audi, Seat und Skoda. Ihre bisherigen Stammplätze sind entweder leer oder von einer dünn gesäten Handvoll an Detail-Dealern mit einem Warenangebot verschiedenster, teils recht abenteuerlicher Art besetzt.

Was ist wie immer – und das seit 1987 ums ganze Jahr – ist das in Stein gemeißelte Wahrzeichen einer berühmt-berüchtigen Veranstaltung, die 1982 als kleines Stelldichein begonnen hatte und sich als das automobile Enthusiasten-Treffen schlechthin in dem kleinen Ort an einem von Kärntens berühmtesten See eingenistet hat: das granitene Abbild des Einser-VW GTI von 1976, mit damals 110 PS bei 870 Kilo Startgewicht. Dieses unverrückbare Symbol für die Zugkraft des sportlichen Golfs ist unverändert Motiv für unverzichtbare Erinnerungs-Schnappschüsse, es erträgt stoisch Kletterversuche und gläubige Anbetung sowie Schläge mit ungeschickt hantierten Selfie-Sticks. Doch auch hier wirkt der Andrang gebremst.

Dabei steht das GTI- oder auch Wörther See-Treffen 2016 im Zeichen gleich mehrerer Jubiläen: Das Event geht zum 35. Mal über die Bühne. Und der Anlass dafür – der GTI – feiert heuer seinen Vierziger. Er hält mit bis zu 290 PS – als verschärfter Clubsport – derzeit in seiner siebenten Generation. Als Geburtstagsgeschenk legte VW noch mehr Feuer drauf, in Form von zwanzig Mehr-PS für die auf 400 Stück limitierte Sonder-Edition, die im Vorfeld des GTI-Treffens über den Nürburgring gejagt wurde und mit einer Rundenzeit von 7:49:21 Minuten die derzeitige Rekordmarke für Serien-Fronttriebler markiert.

Viele sind zum 35. Mal da. Einer ist es zum ersten Mal: Herbert Diess. Er ist seit 1. Juli 2015 VW-Markenchef und begründet den ersten Soloauftritt von Volkswagen seit langem so: „Wir wollen den Fans ihr GTI-Treffen wieder zurückgeben.“ Tatsächlich war der Anlassgeber imm Zuge der sich in den vergangenen Jahren verstärkenden Konzern-Präsenz ein wenig aus dem Zentrum gerückt worden. Diess erklärt ihn zum Herz der Marke – „wir sind froh, dass wir dieses Mal alleine da sind“ -, und das soll jetzt wieder auf dem rechten Fleck platziert werden. Auch in Zukunft. Derzeit ist ja der Golf Nummer acht in Arbeit. Mit noch nicht näher bezeichnetem Zeithorizont steht damit auch der Achter-GTI in Aussicht. Der soll – wieder – puristischer und kerniger werden. Jürgen Stackmann, der schon oft in Reifnitz war und der seit 1. 11. bei Volkswagen für Vertrieb, Marketing und After Sales zuständig ist, ergänzt: „Wir müssen uns wieder voll den GTI-Fans widmen, und das wird sich weiterentwickeln.“ Das soll der GTI selbst sich auch. Stackmann stellt eine „stärkere elektrische Unterstützung“ in den Raum, und er kann sich auch einen Elektriker vorstellen.

Dieser Vorstellung kann das Gros des Publikums zwar sichtlich noch nicht folgen. Dennoch wird begeistert applaudiert. Einerseits dem Clubsport S. In weiterer Folge den auf der Showbühne zur Schau gestellten GTI- und anderen VW-Variationen, die in recht forsch-teutonischer Manier begleit-moderiert werden.

Derweilen kreist wie gewohnt der Dauer-Korso mehr oder weniger origineller automobiler Gustostückerl durch Reifnitz. Von einer Mono-Markenpräsenz ist schon lange nicht mehr die Rede. Zwischen die Wolfsburger mischen sich unter anderem Stuttgarter, darunter gar ein AMG GT.

Über das, was sich ab- und umseits von Reifnitz tut brodelt die Gerüchteküche. Dass das GTI-Treffen von Fans, die sich als die einzig wahren bezeichnen, schon über rund vierzehn Tage vorher sowie nachher zieht ist nicht neu. Nun ist auch von einer Gegenveranstaltung am Faaker See die Rede. Die Gefahr, dass sich dabei VW- und Harley-Enthusiasten in die Quere kommen besteht kaum, denn die schwereisernen Einspurigen sind erst im September dran.

So gut wie kein Thema war die Abgas-Affäre, mit der VW langsam aus den Schlagzeilen gerät. Auch deshalb, weil diesbezüglich von der Konzerleitung keinerlei Statements abgegeben wurden. Von diesen Turbulenzen war das Treffen des Jahres 2015 für die Öffentlichkeit noch völlig unbehelligt. Fast symbolträchtig wirkt in diesem Zusammenhang das Wetter. Während sich im Vorjahr über dem Großauftritt des VW-Konzerns der Himmel verdunkelt hatte war’s heuer umgekehrt: Nach einem naß-kalt-windigen Start am Mittwoch, 4. Mai, klarte es am Himmelfahrtstag zunehmend auf, und über Kärnten lachte herzerwärmend die Sonne.

Text: Beatrix Keckeis-Hiller
Fotos: VW

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