Racing für Wahnsinnige

Achterschleifen-Rennen

Amerikanische Rennen sind irgendwie eine Sache ganz für sich. Denn entweder die Action ist, solange alles gut geht, enden wollend – ich denke hier an Dragracing und NASCAR, auch wenn da jetzt Einige aufschreien – oder es geht zu wie im Irrenhaus. Mein neuester Liebling sind Achterschleifen-Rennen, die genauso krank sind, wie es sich anhört.

Text: Jakob Stantejsky / Foto: Adam Radiske/Jukin Media

Stundenlang im Kreis zu fahren, stelle ich mir trotz der Zentimeterabstände und der haarsträubenden Geschwindigkeiten auf gewisse Weise eintönig vor. Doch was, wenn man die Kringelei ein wenig aufpeppt und ihr einen Twist gibt. Sogar wortwörtlich, denn was ist ein Achter anderes als ein verdrehter Kreis? Klingt schon mal nicht schlecht, immerhin fährt man dann nicht nur eine einzige ewige Linkskurve, sondern darf auch mal nach rechts abbiegen. Bei der zwangsläufig entstehenden Kreuzung baut man halt eine Brücke und gut ist es. Sinnvoller Gedanke – aber danke, nein danke. Denn was peppt ein Rennen mehr auf als eine Kreuzung, auf der sich die Boliden im Sekundentakt in die Quere kommen? Ich muss zugeben, mir fällt diesseits von Mario Kart nichts ein.

Wer bremst, verliert. So heißt es im Rennsport oft salopp. Doch beim Achterschleifen-Rennen muss weiter gedacht werden. Schließlich steuere ich eventuell gerade im herrlichen 90 Grad-Winkel mit einer Affengeschwindigkeit auf einen anderen Raser zu. Irgendwer muss jetzt zumindest vom Gas, bloß nicht beide. Kann ich mich auf meinen Gegner verlassen oder lege ich selbt eine Notbremsung ein? Ziehe ich einfach durch, ohne Rücksicht auf Verluste? In dem Video sieht es eher so aus, als würde eine Mischung aus Intellekt und Brutalität den Erfolg bringen. Aber traue ich mich das tatsächlich? Fragen über Fragen, die jeder Fahren pro Rennen hunderte Male in Sekundenschnelle beantworten muss. Denn der Spaß dauert auch noch drei volle Stunden. Na danke – ich bleib bei der Formel 1.