Alfa 4c Spider: Alfa lebt. Und wie! Die wichtigen Neuheiten fürs große Geschäft lassen zwar weiter auf sich warten. Doch dafür gibt es um so größere Premieren fürs Gefühl. Denn ein gutes Jahr nach dem Coupé bringen die Italiener jetzt ihren 4C auch als Spider an den Start und beweisen damit einmal mehr, wie leidenschaftlich der Automobilbau in Italien sein kann.

von Thomas Geiger

Und zwar nicht nur, wenn man Krösus ist und locker die paar hunderttausend Euro für einen Lamborghini oder einen Ferrari springen lässt. Denn mit einem Grundpreis von 79.900 Euro ist der 4C Spider gemessen an seinen Leistungsdaten noch immer ein echtes Schnäppchen, selbst wenn der Open-Air-Aufschlag bei knapp über 10.000 Euro liegt.

Alfa 4c Spider: eigentlich ein Targa

Während viele andere Coupés als Open-Air-Modelle ein bisschen verweichlichen, macht Alfa beim 4C auch weiterhin keine Kompromisse. Aus Karbon gebacken und mit viel Aluminium konstruiert, bleibt auch der offene Zweisitzer ein Leichtathlet, der nicht einmal einen Zentner zulegt und so noch immer unter der magischen Grenze von einer Tonne bleibt. Abgesehen von Exoten wie einem Lotus Elise oder einem Caterham Seven schafft das kein anderer offener Sportwagen.

Entsprechend leichtes Spiel hat der Turbo-Motor im Heck, der mit künftig drei verschiedenen Auspuff-Anlagen angeboten wird. Die braucht man auch. Denn so intensiv und authentisch das Erlebnis mit dem kleinen Italiener ist, so laut tost einem der Wind um die Ohren. Damit man das heißere Brüllen des Vierzylinders hört, ist ein bisschen Verstärkung deshalb kein Fehler.

Kraftvoller Krawallbruder

Aber der Motor schlägt nicht nur Krawall, sondern er hat auch Kraft. Viel Kraft! Zwar nur 1,8 Liter groß und für einen Sportwagen fast schon mickrige 240 PS stark, ermöglicht er Fahrleistungen auf Ferrari-Niveau: Den Sprint von 0 auf 100 schafft der Spider in weniger als 4,5 Sekunden schaffen, und bei 260 km/h ist trotz der kleinen Luke auch bei kurzen Haaren eine Sturmfrisur garantiert.

Diese Werte sind schon auf dem Papier beeindruckend. Aber sie drücken nicht im geringsten das aberwitzige Gefühl aus, das sich beim Ampelspurt einstellt, beim Überholen auf der Landstraße oder wenn man am Ende einer Kurve wieder aufs Gas steigt und auf die nächste Gerade schießt. Mamma mia, dieses Auto macht süchtig.

Erst recht auf einer Landstraße. Denn der 4C giert nach Kurven und wer auch nur ein bisschen Benzin im Blut hat, der sollte sie ihm geben. Je gewundener die Strecke, desto größer ist der Spaß. Festgeschnallt in dünnen Sitzschalen und gefangen hinter einem kleinen digitalen Motorrad-Cockpit wird man eins mit seinem Auto und steuert den Wagen mit derart traumwandlerischer Sicherheit über den Kurs, dass ESP & Co selbst in den schärfsten Kehren nicht eingreifen.

Ernsthafte Fahrfreude mit viel Liebe zum Detail …

Alfa 4c Spider: Pures Fahren

Was dieses Fahren so echt und authentisch macht, das ist der Verzicht auf alle Extras. Nicht nur das Fahrwerk ist strammer als bei jedem anderen Alfa und die Ausstattung schlichter. Sondern vor allem gibt es nichts, was den Fahreindruck verfälschen könnte: Die Bremsen arbeiten beinahe digital, die Doppelkupplung wächselt die Gänge mit der Bestimmtheit eines Hackebeils und auf Firlefanz wie eine Servolenkung haben die Italiener gleich ganz verzichtet.

Dafür muss der Fahrer auch sonst ein bisschen mehr Hand anlegen. Denn wo man bei allen anderen Cabrios einfach einen Knopf drückt und das Dach verschwinden lässt, löst man hier noch Spriegel, wickelt Stoffbahnen, steigt aus und verstaut die schmale Mütze eigenhändig im kleinen Kofferraum.

Ein rassiges Design, ein röhrender Motor, rasante Fahrleistungen und wo man ihn abstellt, sofort umringt von Neugierigen und Neidern – selbst wenn er nur ein Bruchteil so viel kostet, hat der 4C Spider alles, was einen echten Supersportwagen ausmacht. Das hat aber auch seine Schattenseiten. Denn was hilft ein Spottpreis, wenn die Produktion auf 1000 Spider im Jahr limitiert ist und man deshalb mindestens ein Jahr auf sein Auto warten muss?

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