Italienisches Feuer

Alfa Romeo Stelvio, die Zweite: Endlich loderts

210 Diesel-PS und eine elefantengraue Außenhaut – die ganz großen Emotionen kommen da selbst bei einem grundsätzlich sehr emotionalen Automobil, das der Alfa Romeo Stelvio ja ist, nicht auf. Es war also höchste Zeit für Rosso Competizione und Top-Motorisierung.

Text: Maximilian Barcelli

Wobei, der stärkste Motor im Stelvio ist der 280 PS starke Vierzylinder-Benziner ja nicht. Zumindest aber ist dies das stärkste Aggregat, bevor es mit der Quadrifoglio-Version so richtig schön gestört wird. Die ist mit ihren sechs Zylindern und funfhundertundwasweißderteufel PS nämlich nicht mehr im Rahmen des Vernünftigen, doch in diesem wollen wir uns jetzt einmal bewegen.

Denn so oder so – der Stelvio-Kunde wird wohl einen gewissen Hang zum Extraordinären haben. Zumindest im Vergleich zu Herr und Frau X-,Q- oder G-Besitzer. Das Alfatier (ha – ha) hebt sich nun mal durch sein avantgardistisches Design ab. Und das tut der Stelvio zwar auch schon als vernünftiger Diesel und in Mäuschengrau, die richtige Party startet dann aber mit der Vorzeige-Lackierung von Alfa sowie den 280 PS, die die Kutsche in wahrlich jeder Lebenslage souverän nach vorne peitschen. Und wer die Fete zum Eskalieren bringen möchte, für den haben die Italiener wie schon erwähnt eben das schnellste SUV auf der Nordschleife parat parat.

Doch auch der normale Stelvio mit seinem ansehnlichen 2-Liter-Aggregat hat ein sehr sportives Gemüt. In der Kurve liegt das Ding satt, anschieben tut das heißblütige Italo-SUV wie ein Einser (5,7 Sekunden von Null auf Landstraßentempo). Die Gänge dabei durch die sehr hochwertigen und vor allem sehr langen Schaltpaddles zu sortieren ist eine wahre Freud. Einziger Wehrmutstropfen: Die Ohrwascheln hinterm Lenkrad sind tatsächlich hinterm Lenkrad und nicht an diesem montiert. Heißt: Sehr eng darf die Kurve nicht sein, sonst wird man zum Umgreifen genötigt. Und dafür hat man bei forcierter Fahrt nur wenig Zeit. Die Federung ist für ein SUV relativ hart – die paar Abzüge in punkto Komfort holt sich der Italiener aber auf der Landstraße zurück, auf die er dank des härteren Wesens zum wahren Leistungsportler – zumindest unter seiner Sippe – wird.

Man fährt generell immer gerne mit dem Alfa Romeo Stelvio. Schon beim Annähern zaubert der Italiener einem ein breites Lächeln ins Gesicht: Da sinniert man dann über die hübsche Optik, den markanten Kühlergrill, die zwei auffallenden Endrohre oder die grundsätzlich sehr harmonische Form. Beim Einsteigen ergötzt man sich dann an den (meist) hochwertigen Materialien und selbstverständlich am brillante Lenkrad mit den noch brillanteren Schaltwippen. Und während der Fahrt denkst du dann an gar nichts mehr, genauso wie es sein muss.

Es ist nicht so, als wäre der der Diesel-Alfa Stelvio ein schlechtes Automobil gewesen. Überhaupt nicht. Allerdings konnte der Italiener nicht dort punkten, wo er eigentlich punkten sollte: Bei der Emotionalität. Das holt der Alfa Romeo Stelvio Super 2.0 2080 PS ATX AWD nun sowas von nach. In Rosso Competizione wehrt sich der Italiener gegen die deutsche „Perfektion“. Und das tut er mit den richtigen Mitteln.