Lord Vollgas

Der Aston Martin DB11 AMR

Er ist so etwas wie der Snob unter an Supersportwagen. Denn kein anderer PS-Protz hat so feine Manieren wie der Aston Martin DB11. Doch nach zwei Jahren und 4.209 Exemplaren schlägt der Gran Turismo jetzt ein wenig über die Stränge. Denn die Briten haben das Top-Modell ihrer Rennsportabteilung überlassen, die den konventionellen Gran Turismo aufs Altenteil geschickt und stattdessen den DB11 AMR aufgelegt hat: Runde 10.000 Euro teurer und gute 30 PS stärker steht er nun an der Spitze der Modellpalette und soll beweisen, dass auch der automobile Hochadel sich bei aller Etikette nicht vollends dem Spaß versagt.

Von Thomas Geiger

Vollgas ist dem DB11 AMR deshalb die liebste Gangart. Zwar kann man den Zwei-plus-eigentlich-nix-Sitzer selbst nach dem Update durch die Rennsportabteilung noch gelassen über die Autobahn treiben oder sanft mit ihm zwischen den Hügeln der Toskana surfen. Schließlich will ein Gran Turismo auf allen Straßen zu Hause sein. Doch wenn die beiden Turbos dem aufgeweckten 5,2 Liter-Triebwerk aus der Lohnfertigung bei Ford in Köln mit einem Kickdown seine nun 639 PS und weiterhin 700 Nm abpressen, dann lässt man sich nicht zweimal bitten. Also schaltet man mit zwei Tasten am Lenkrad alle Systeme scharf, schnalzt in 3,7 Sekunden von 0 auf 100 und stürmt mit bis zu 334 km/h schneller dem Horizont entgegen als je zuvor in einem Gran Turismo aus Gaydon.

Dabei wirkt der DB11 so nonchalant und unaufgeregt wie Aston Martins oberster Firmenfahrer James Bond, wenn er gerade ein Dutzend Gegner niedergerungen hat und sich danach nur mal eben den Staub vom Revers klopft. Soviel Stil muss schließlich sein – egal wie scharf die Kurven sind. Von einer kleinen Schikane lässt sich ein Auto wie dieses nicht aus der Ruhe bringen. Selbst wenn es jetzt in manchen Varianten eine ziemlich auffällige Kriegsbemalung trägt und sich mit Anbauteilen in Karbon schmückt.

Genau wie James Bond bewegt sich deshalb auch der Aston Martin stilsicher auf jedem Parkett: Egal ob beim Schaulaufen auf dem Boulevard der Eitelkeiten oder bei einer rasenden Landpartie – immer wahrt der DB11 einen Hauch mehr Zurückhaltung als alle anderen Supersportwagen und stapelt lieber etwas tiefer. Er ist keine Provokation wie ein Lamborghini, giert nicht nach Aufmerksamkeit wie ein Ferrari und blendet nicht alle Welt mit Protz und Prunk wie ein Bentley. Nicht umsonst haben die Briten so lange getüftelt, bis sie mit versteckten Luftkanälen über den Hüften auch ohne protzige Spoiler genügend Downforce aufs Heck bekommen.

Ja, er ist lauter und schärfer als der bisherige DB11, er ist stärker und schneller und zumindest in der richtigen Lackierung fällt er auch ein bisschen mehr auf. Doch genau wie Männer vom Schlage eines David Beckham ihre Tätowierungen bisweilen unter einem maßgeschneiderten Smoking verstecken, weiß der DB11 sich auch in der AMR-Version zu benehmen und bleibt deshalb der Modellathlet mit den besten Manieren. Und wer das partout nicht akzeptieren will, für den hat AMR auch ein paar echte Rennwagen im Angebot, die mit der Straßenzulassung auch ihren Smoking sausen lassen.