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    Aston Martin Vanquish Volante

Luxusprobleme. Oder auch ein Adrenalinschock. Man will die ganze Nacht fahren. Und den Morgen dazu. Schlafen? Geh bitte …

von Reinwald Brunner

Es ist drei Uhr morgens und ich schalte einen Gang rauf. Mal zur Ruhe kommen, durchschnaufen, das Feuer aus den Lungen pressen. Die Straßen, die ich die letzten weissgottviewiel Stunden hergerammelt habe, ziehen sich durch die Landschaft wie Adern durch saftig-grüne Blätter. Für mich fühlen sie sich eher wie Lavaströme an, das orangefarbene Kleid des Aston passt dazu.

Leere Straßen

Auf leeren Straßen mit einem V12-Monster wie dem Aston Martin Vanquish Volante dahin zu gleiten, ist nervenaufreibend, ermüdend, lähmend… und hochgradig reinigend. Nix Turbo, nix Abgasnorm – der sechs Liter Sauger saugt nicht nur das göttliche Gemisch, sondern auch all den Stress auf, der über den Alltag verteilt den Kopf einlullt.

Lange Schnauze, der Fahrer sitzt auf der Hinterachse. Und man lebt auf dünnem Fuß.

Zurück in die Steinzeit

Der Schlüssel ist teilweise aus Glas und so ungewöhnlich, dass er als Anhänger um den Hals getragen werden könnte. Der Vanquish an sich ist ebenfalls ein Schmuckstück – manche meinen, die Technik sei veraltet und überhaupt sei denen in England schon vor langem der Esprit abhanden gekommen. Ich sage: Setzt euch mal rein in so ein Teil, startet es an und dreht eine Runde damit: Technik, Esprit, Marketing-Blabla, Konzernpolitik – alles wird scheißegal, wenn der V12 dein Hirn bis zum Kern durchbohrt und ihn anzapft, dort wo alles Triebgesteuerte und Zielgerichtete liegt und wir dem Reptil näher sind als dem netten, genormten Kerl, der alte Damen bei der Supermarktkassa vorlässt.

Home sweet home

Und da reden wir noch gar nicht vom Innenraum, der gelinde gesagt vom Feinsten ist. Detailreich verarbeitetes, leicht schimmerndes Leder, dezent platzierte Karbonelemente, edle Oberflächen und eine Sound-Anlage, die einem sogar beim schlechten Möbelhaus-Werbespot die Tränen der Freude in die Augen drückt. Im Gegensatz zu den meisten Supersportlern ist der Vanquish noch dazu hoch sozial. „Hey wow, was für ein Wagen! Können wir mitfahren? „Geht nicht, hab nur zwei Sitze.“ Solche awkward moments gehören mit dem Vanquish Volante – seidenweiches Wort für Cabrio – der Vergangenheit an. Vier Sitze, die zwei hinten für sagen wir normalgroße Menschen passabel, garantieren sozialen Fahrspaß ohne Ende. Wer noch dazu mehr als eine Kreditkarte mit dabei hat, der findet sogar einen halbwegs großen Kofferraum (279 Liter).

In Zahlen

6 Liter V12-Motor
573 PS
620 Nm
4,3 auf 100
Ende bei 295
Dach weg in 14 Sekunden
irre 1,8 Tonnen Gewicht

So leicht haben es sich die Entwickler nicht gemacht, einfach einen fetten Motor reinpacken kann ja jeder. Der 12-Ender sitzt in Front/Mittelmotorbauweise vorne, angetrieben werden die hinteren Räder – die Transaxlebauweise garantiert eine Gewichtsverteilung von 51 Prozent vorne zu 49 Prozent hinten. Soll heißen: Trotz der abartigen Leistung fährt sich der Vanquish bei moderater Fahrweise wie ein Polo. Bei der Sanftmütigkeit und der Ausgeglichenheit gepaart mit der zeitlosen Eleganz legt man den Grundpreis von über 350.000 Euro schnell im Akt mit der Aufschrift „gerechtfertigt“ ab.

Lang, klassisch, viel Leder, viel Edel. Dazu griffigste Haptik.

Trotz der abartigen Leistung fährt sich der Vanquish bei moderater Fahrweise wie ein Polo.

Coupé oder Cabrio?

Schwierig, dieses Luxusproblem. Das Coupé ist durch und durch sexy, das Cabrio dazu eine Spur flexibler und steht der Blechmütze in Sachen Geräuschdämmung um absolut nichts nach. Egal mit welcher Kopfbedeckung, der Aston Martin Vanquish ist und bleibt ein Gentleman-Racer der alten Schule: selbstbewusst, charakterstark, sauschnell und richtig, richtig laut.

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