• Alors, on danse!

    Motorblock fährt Audi A5 und S5 Coupé

Audi schiebt im Fahrwasser der Erneuerung der A4-Baureihe den A5 nach, zum Start in der Coupé-Variante. Zum Auftakt kommt auch gleich die Sport-Version S5 dazu, um dem Faktor Emotionalität kräftig Nachdruck zu verleihen.

Das Äußern von Emotionen ist eine Sache der Mentalität. Sagt man. Während südlich angesiedelte Völker gewöhnlich laut und deutlich jubeln, geht’s gegen Norden hin zunehmend verhaltener zu. So wie bei den Audi-Leuten – die im deutschen Raum ja ohnehin als lebhaftere Südländer gelten -, wenn es gilt, ein mit Emotionen aufzuladendes Modell vorzustellen. Eines wie den A5, der in der aktuellen Erneuerungsphase der Mittelklasse jetzt dem A4 und dem A4 Avant sowie dem A4 Allroad folgt.

Designerstück & Ikone

Bei der Presse-Präsentation in der Nähe der sehr südlichen Stadt Porto in Norden Portugals steht er im Rampenlicht und wird mit wohl gesetzten Worten als Designerstück, als „Ikone in unserem Line Up für die nächsten paar Jahre“ gepriesen. Rhythmisch wirkt das etwa so wie Stromaes Elektronik-Hit „Alors, on danse“ – frei übersetzt: „also dann tanzt man halt“ -, der mit seinem verschlepptem, fast träge wirkenden Beat einem dennoch unterschwellig zwingend ins Tanzbein fährt, ob man will oder nicht.

Gar nicht nebenbei bemerkt: Auch für den, der den Vorgänger gut kannte, schaut der A5 als Neuer nicht so viel anders aus als vorher. Das war schon beim A4 so und setzt sich fort. Es wird erklärt, fast ungeduldig, mit den Worten „Qualität steht auch für nicht Sichtbares“. Trotzdem ist die Karosserie des neuen A5 plastischer geformt, wie auch der Kühlergrill, der ein wenig breiter und prominenter die Front prägt. Schlanker gezeichnet sind die LED-Heckleuchten. Der inneren Schlankheit entgegen kommt eine Gewichtsreduktion um bis zu sechzig Kilo. Das wirkt sich aber optisch nicht aus.

Emotional & zügig

Deutlich emotionaler und zügiger wird der Vortrag, wenn es um die Motorisierungen geht. Entgegen dem aktuell sich durchsetzenden Usus, intensiv auf die Sparfreudigkeit der Neuordnung des Aggregate-Offerts einzugehen – in der Bandbreite zwischen 190 und 354 PS gibt’s 17 Prozent mehr Leistung und 22 Prozent niedrigeren Verbrauch -, geht man flottest vom A5 zum S5 Quattro über.

Es wirkt schon fast wie eine eruptive Gemütswallung – „alors, on danse“ nimmt Tempo auf -, wenn der für die Motorenentwicklung Verantwortliche, Jürgen Jablonski, vom derzeitigen Spitzenaggregat schwärmt. Es dreht sich um den neu konfigurierten Dreiliter-V6-Benziner (TFSI), der 354 PS (21 mehr) abfeuert und ein Maximal-Drehmoment von 500 Newtonmetern (60 mehr) abschickt. Hub und Bohrung sind gleich geblieben, aber „mehr als 800 Einzelteile sind neu entwickelt.“ Und vierzehn Kilo hat der mit Twinscroll-Turbo aufgeladene Sechsender weniger. Mit neuem Einspritzverfahren, neuem Thermomanagement und Reibungsreduktion soll das Ansprechverhalten signifikant optimiert sein. In Zahlen heißt das, im Verein mit der optimierten Achtgang-Wandlerautomatik: 0 auf 100 in 4,7 Sekunden bei 1.615 Kilo Startgewicht.

Optik & Technik

Gut! Das wollen wir auf der Stelle ausprobieren. Doch vorerst gibt’s noch weitere Worte mit auf den Weg. Im Kapitel Design steht ein Nachtrag zum – erraten! – S5 an: spezielle Lufteinlässe, serienmäßig LED-Licht, Außenspiegel in Alu-Optik, Heck-Diffusor und zweimal doppelflutige Auspuff-Endrohre. Ja, man sieht ihm den Sportler an. Aber nicht, dass er ein wenig gewachsen ist, nicht ganz zwei Zentimeter, und die zehn Liter mehr Kofferraum-Volumen tragen nicht allzu stark auf (465 Liter). Für alle Versionen neu konzipiert ist die elektromechanische Servolenkung (optional zu haben ist eine Aktivlenkung) im Hinblick auf noch direktere Wirkung und präzisere Rückmeldung. Neu konstruiert ist das Fahrwerk, sowohl in der Normal- als auch in der Sport-Konfiguration (der S5 hat serienmäßig eine eigens adaptierte Variante) samt – optionaler – Dämpferregelung.

Das Interieur mit den horizontal durchgezogenen Lüftungsdüsen kennt man bereits aus dem A4. Ebenso Elektronik-Details wie die Optionen des konfigurierbaren Virtuellen Cockpits und des MMI-Infotainment-Systems mit Touchpad plus Head Up-Display. Mit der Erneuerung kann man nun auch den A5 mit einer Reihe von Fahrassistenten bestücken, die ihn nahe ans autonome Fahren rücken. Zu Abstandsregeltempomat und Stauassistent kommen Schau-Helfer fürs Parken, für den Querverkehr, fürs Aussteigen, fürs Abbiegen, fürs Ausweichen. Klingt halt alles recht unsportlich. Außerdem brodelt’s schon im Auditorium.

Wir wollen tanzen!

Denn vor der Tür lauern die S5, ausgestattet mit allen Feinheiten, die man uns gerade aufgezählt hat. Den Fahr-Appetit sollte man sich durchs Aufzählen der elektronischen Wächter ja doch nicht verderben lassen… Wir wollen endlich tanzen!

Der Einstieg in die Tanznummer beginnt verhalten, erst einmal muss man sich vom Airport weg über Portos Tangente bis zum Douro durchwursteln. Dann, am Fluss, an dessen Ufern der nächste Portwein-Jahrgang heranreift, kann’s endlich losgehen. Im Dynamik-Modus. In dem ist das eine und andere vor sich hin schleichende Pace Car schnell erledigt. Und nach der Überquerung des Gewässers geht’s ins Hinterland.

Zackig kurvig

Das Straßen-Sortiment ist hier gemischt: Von engen Sträßchen bis zu breit ausgebauten Schnell-Verbindungen reicht die Bandbreite. Kurvig, kurvig, kurvig sind sie alle, einmal zackig, einmal weit geschwungen. Was der S5 alles tänzerisch inhaliert, im zwingenden Rhythmus Angasen-Ankern-Einlenken-Angasen und so weiter und so fort. Ob man dabei via Schalt-Paddles mitskandiert oder die so gut wie unmerklich schaltende Automatik walten lässt, das ist Geschmackssache. So oder geht’s präzise, prompt, spontan, behende, agil und leichtfüßig zur Sache. Man kann sogar kurz beiseite stellen, dass man eigentlich ein passionierter Heckantriebs-Fan ist. Ungern erfolgt das Wechseln von Pilot auf Co-Pilot. Selbst auf dem Beifahrer-Sitz lebt man noch lebhaft mit.

In heller und lauter Aufregung stürzen die Audi-Leute auf einen zu, wenn man den S nach herzhafter Kurven-Prügelei abstellt (nachdem man dem Aggregat eine ordentliche Abkühl-Phase gegönnt hat): „Und? Hat’s Spaß gemacht?“ An sich sprechen die immer noch dampfenden Reifen und das Abkühl-Knistern ja ohnehin Bände. Man kann aber für Sprachlosigkeit und Verblüffung sorgen, wenn man trotz der noch vor Fahrlust rot glühenden Wangen erst einmal unterkühlt im Sinne von „alors, on danse!“ anwortet: „Ja, geht eh gut!“. Schließlich sind auch wir emotional auf die Folter gespannt worden.

Dynamische Fortsetzung

Wer noch dynamischer tanzen mag als mit dem S5, der muss auf den RS5 warten. Der steht ab Mitte des kommenden Jahres ebenso auf dem Plan wie der Sportback und das Cabriolet in diversen Leistungs-Konfigurationen. Darunter könnte auch ein Diesel sein, mit Doppelturbo und zusätzlicher Elektro-Aufladung, wie im Konzept-Stadium vor knapp eineinhalb Jahren bereits kurz einmal ausprobiert.

Stets gut motorisiert

Es sei nicht zu vergessen festzuhalten, dass der (Allrad-getriebene) V6-Diesel mit 286 PS (und 620 Nm) ob seiner Leistungsentfaltung und Laufruhe den Wunsch nach einer besonders weiten Reise erweckt. Ebenso muss betont sein, dass man auch mit dem frontgetriebenen Zweiliter-Selbstzünder (190 PS, 400 Nm, 7-Gang-DSG) keinesfalls untermotorisiert ist. Ebenso wenig wie mit dem 2.0 TFSI Quattro (252 PS, 370 Nm, 7-Gang-DSG).

Der Vorverkauf des A5 und des S5 beginnt im Laufe des Sommers. Der Ab-Preis ist noch nicht fixiert. Er wird rund 40.000 Euro ausmachen. Die ersten Auslieferungen sind für den Spätherbst geplant.

Sportlich & sparsam

Finale Anmerkung, warum gerade der S5 im Mittelpunkt des A4-Launches stend: Jedes vierte bisher – seit 2007 – verkaufte A5-Coupé war ein Sportler, entweder ein S oder gleich ein RS. Es werden aber noch besonders sparsame Ultra Quattro-Versionen der Zweiliter nachgereicht, mit dem weiterentwickelten Allrad-System, das automatisch eine Antriebsachse wegschaltet, wenn Frontantrieb gerade ausreicht.

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