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    Motorblock im Allrad-Drift!

Der neue Audi RS6 performance nimmt seinen Platz unter den Leistungsträgern unserer Gesellschaft ein. Ein gewisser Krenkl aus Altbayern hätte seine helle Freude mit der speedigen Kutsche gehabt.

Drift: Markus Felbauer

Text: Bernhard Katzinger

Fotos: Maximilian „Maquez“ Lottmann, Eryk Kepski

Im Bayern des 18./19. Jahrhunderts betrieb der Unternehmer Franz Xaver Krenkl eine Lohnkutscherei (heute würde man sagen: Autovermietung und Limousinenservice) sowie einen Pferde-Rennstall. Krenkl war gelernter Bäcker, Tempo-Freak und Querkopf. Als der für seine deftigen Ausdrücke berühmte Geschäftsmann eines Tages im Englischen Garten in seiner Kutsche herumfuhr und des Gespanns Seiner Majestät, des Kronprinzen Ludwig, ansichtig wurde, überfiel ihn der Geschwindigkeitsrausch.

Den bayerischen Thronfolger zu überholen war bei Strafe verboten. Aber ein Überflieger wie Krenkl kümmert sich nicht um Verbote oder Majestäten. Im Racing-Fieber schnupfte der erfolgsverwöhnte Rennmeister den Kronprinzen in seiner Equipage wie einen Schmaizla. Und als Ihro Hoheit sich lautstark beschwerte, entrang sich dem Profikutscher selbstbewusst: „Wer ko, der ko!“

Auftritt RS6.

Wer kann, der kann. Und der will auch, damals wie heute. Nicht mit 130 im gefühlten Leerlauf auf der Autobahn hinter Kleinwägen und Wohnmobilen dahingondeln. Sondern den 605 Pferden, die in den acht Zylindern des neu aufgelegten Audi RS6 performance zu Hause sind, ordentlich die Zügel schießen lassen. Am liebsten so lange – und am Steuer des RS6 würde es einen nicht einmal wundern –, bis man abhebt, sich aufschwingt wie Ikarus, die Herren- und Sonntagsfahrer nicht nur hinter, sondern auch unter sich zurücklassend.

In einer echten Meritokratie ist das Oben der angestammte Platz des Erfolgsmenschen. Und wer sich einen Audi RS6 performance zulegt, kann als solcher gelten, hat im Leben schon viel verkauft, meist auch ein Stückchen seiner selbst. Wer sich aber derart viel abverlangt, will vom Leben auch viel wieder zurückbekommen. Etwa einen Audi wie den RS6 performance: luxuriös, geräumig, aber sauschnell. In „Ascariblau-Metallic“, auf riesigen 21-Zöllern.

Die letzte Leistungskur des schnellen Kombis, der nicht im bayerischen Ingolstadt, sondern in Neckarsulm gebaut wird (wir erinnern uns, NSU!), resultiert in 605 PS aus dem modifizierten 4,0-Liter-V8-TFSI. Und obwohl das Aggregat Wagen und Zuladung in unter 4 Sekunden auf hundert und ein paar Augenblicke später in die führerscheinlose Zone propellert, ruht der lenkende Leistungsträger entspannt in wabengesteppten Leder- und/oder Alcantarasportsitzen.

Wer ko, ko a zoin.

Angesichts dieses Überschwangs verwundert es nicht, dass das düpierte Mittelmaß auf Rache sinnt. Verbissen wird versucht, den Mehrleister und seine bis zu 750 Newtonmeter Drehmoment im leistungsfeindlichen Umfeld einzuspinnen, mittels Radar und Laser seinen Ikarusflug zu stoppen. Da geht dem Kraftmenschen am Volant schon einmal das Geimpfte auf und er fragt sich, wofür er sich zwei Durchschnitts-Bruttojahresgehälter aus dem Bankomaten gezogen hat, um Steuern und Abgaben zu entrichten. Insgesamt kostet das Vergnügen, einen RS6 zu pilotieren, ab 153.000 Euro aufwärts. Wer ko, der ko a zoin, oder was?

Es ist nicht überliefert, ob Franz Xaver Krenkl Unbill seitens des bayerischen Königshauses erlitt für seinen insubordinativen Speed. Hingerichtet wurde er jedenfalls nicht, er verstarb 1860 während eines Theaterbesuchs in Stuttgart. Der hergebrannte Ludwig – nicht zu verwechseln mit dem Traumprinzen von Neuschwanstein – wurde König von Bayern, ging als Gründer des Oktoberfests und Kunstmäzen, aber nicht als Performance-Geier in die Geschichte ein. Und auch wenn die Anekdote in diesem Fall ein gutes Ende für den Schnelleren nahm, ist es eher nicht empfehlenswert, Herrn Krenkl zu zitieren, wenn Herr oder Frau Inspektor streng beim Seitenfenster hereinspernzt und zur Belehrung ansetzt.

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