Ausflug in die Audi smart factory

Die Autobauer von morgen

Die Frage, wie in Zukunft Autos gebaut werden, ist mindestens ebenso spannend wie die, welche Antriebe diese Autos verwenden. Ein Blick in die Zukunft der Auto-Industrie.

Wenn man von der Zukunft des Autos spricht – was man ja recht oft tut in letzter Zeit -, dann ist so gut wie ausschließlich von Elektroautos die Rede, und davon, wie wir uns alle in vollständig autonom fahrenden E-Autos von A nach B chauffieren lassen, wenn das überhaupt noch notwendig ist.

So weit, so science fiction. Wir durften unlängst einen etwas anderen Blick in die (nahe) automobile Zukunft werfen, nämlich bei Audi in Ingolstadt. Dort bekamen wir zu sehen, was die Auto-Industrie 4.0 (oder sind wir schon bei 5? 4.5? …) bringt. Und diese Visionen sind nicht minder interessant wie die vom selbstfahrenden Ökomobil.

Fließband 2.0

Ist das Fließband am Ende? Nein, aber es entwickelt sich weiter – zum modularen System, das eine noch reibungslosere und ausgeklügeltere Abwicklung der einzelnen Arbeitsschritte ermöglicht – auch wenn einmal eine Station kurzzeitig ausfällt oder aufgrund von Beeinträchtigungen ausfällt.

Die Transportaufgaben in der (Auto-)Fabrik von morgen wird von – erraten! – fahrerlosen „Förderzeugen“ übernommen: Autonom fahrende Gabelstapler, E-Lastzüge, sogar Drohnen erledigen dort die Transportaufgaben. Hochauflösende Kameras, Laser-Entfernungsmesser, Vernetzung und schlaue Algorithmen ersetzen den Fahrer – der, so wird beteuert, natürlich nicht einfach eingespart, sondern für höhere Aufgaben eingesetzt werden kann.

Echte Autos virtuell gebaut

Dass in der Produktion Elemente aus der Virtual Reality immer stärker eine Rolle spielen, verwundert keinen mehr, der die Drohnenversuche in der Werkshalle gesehen hat. Datenbrillen werden heute schon eingesetzt, um komplizierte Montageschritte zu unterstützen. Mit VR-Brillen können schon in der Planungsphase eines neuen Modells optimale Fertigungsabläufe in einer virtuellen Werkstatt geplant werden, ohne dass teure Modelle angefertigt werden müssen. Ingenieure können an Meetings in virtuellen Räumen teilnehmen, ohne dass sie am selben Standort anwesend sein müssen wie ihre Gesprächspartner.

Ein Prinzip, das in der Wartung der Industrieanlagen des weltweit präsenten Konzerns bereits verwendet wird. So kann ein Experte aus Ingolstadt eine Störung im neuen Werk in Mexiko beheben helfen, ohne ein Flugzeug besteigen zu müssen. So spart die Fernwartung nicht nur Zeit und Kosten, sondern auch CO2.

Metall drucken in 3D

Auch in der Fertigung stehen neue Technologien vor der Tür oder werden bereits verwendet. So werden bei Audi bereits Verfahren zum 3D-Druck von Stahl- oder Aluminiumteilen eingesetzt. „Mit Hilfe von 3D-Druck können wir Druckgussformen aus Stahl herstellen, in die Kühlkanäle eingearbeitet sind“, erzählt Lars Reichelt, verantwortlicher Projektleiter im Audi-Werkzeugbau für den Aufbau des Metall-3D-Druckzentrums in Ingolstadt. Aber nicht nur Druckformen, sondern auch Fahrzeugteile aus Aluminium werden dreidimensional gedruckt – was sich allerdings nur in der Kleinserie rentiert.

Hochspannend, wie in Zukunft Autos gebaut werden – ganz unabhängig davon, ob diese Autos dann mit Verbrennungs- oder Elektromotoren betrieben werden, oder ob der Fahrer nur noch in Ausnahmesituationen ins Lenkrad greifen muss. Ob die Zukunft uns in den Kram passt oder nicht, hat die Zukunft ohnehin noch nie interessiert.

Sie lässt sich zwar mitgestalten, aber aufhalten ganz sicher nicht.