Mercedes-Benz GLA vs. Infiniti QX30

Billige Kopie oder günstige Alternative?

Während man in Stuttgart das Abenteuer „Pick-up“ auf Basis des Nissan Navara bestritt, lieh man sich in Fernost einst die A-Klasse aus, um diese zum Infiniti Q30 zu transformieren. Doch damit nicht genug: Weil schon jedes Gefährt ein hohes Geschwisterlein benötigt, wurde der Mercedes-Benz GLA prompt zum QX30. Wir baten sowohl das deutsche -, als auch japanische Fabrikat zum Testtanz und stellten uns der Frage, ob der Infiniti QX30 nur eine billige Kopie, oder aber eine günstige Alternative ist.

Text: Maximilian Barcelli

Wobei, so viel günstiger fährt man mit der Nobelmarke von Nissan auch wieder nicht. Denn während der QX30 mit dem 2,2 Liter-Diesel-Aggregat bei 42.261 Euro beginnt, kostet der Einstieg in die Welt des Mercedes GLA bei gleicher Motorisierung 45.700. „Gleiche Motorisierung“ ist übrigens wortwörtlich zu nehmen, im Infiniti werkelt nämlich der Daimler-Motor, der auch den GLA 220d (in unserem Fuhrpark verirrte sich allerdings ein 200d 4MATIC) antreibt. 170 Pferdchen schöpft Infiniti aus dem Turbodiesel, bei Benz sind es sieben mehr. Zwar haben wir dem QX30 gerade die „günstige Alternative“ abgesprochen haben, doch ein Blick in den Innenraum verrät, dass der Infiniti alles andere als eine „billige Kopie“ ist.

Interieur

Denn so viel Leder sucht man im Benz vergeblich. Quer über die Mittelkonsole, dann noch über den Armaturen und selbstverständlich auch an den Sitzen und am Lenkrad: Ja, für diesen Innenraum mussten – bitte zum nächsten Absatz springen, liebe vegane Petrolheads – einige Viecher herhalten. Auch technisch kann der GLA dem Infiniti QX30 nichts vormachen: Während das Infotainmentsystem im Stuttgarter via Drehregler gesteuert wird, kann sich der Infiniti-Kunde über die Möglichkeit der Touch-Bedienung erfreuen. Drehregler gibt’s trotzdem – und der ist relativ ident mit dem aus dem GLA. Womit wir doch wieder bei „Kopie“ sind. Denn obwohl das grundsätzliche Design des Interieurs nur kaum etwas von der Herkunft des Infiniti QX30 verrät, so lassen sich überall im Innenraum diverse Stücke aus dem Mercedes-Benz GLA finden. Zum Beispiel werden die Sitze exakt so elektrisch verschoben, wie man es von einem Stuttgarter gewohnt ist. Ebenso ident ist die elektrische Handbremse, die sich neben dem linken Knie des Fahrers befindet. Auch die Ablagefläche, die sich im Mitteltunnel versteckt, lässt deutsche Gefühle aufkommen. Doch nichts desto trotz fühlen wir uns im QX30 irgendwie wohler. Im Innenraum des GLA mangelt es angesichts des Preises an hochwertigen Materialien, die Mittelkonsole wirkt ein wenig veraltet und die Leiste, auf der die Benz-typischen massiven Luftdüsen (die uns an und für sich gefallen) angeordnet sind, ist doch ein wenig karg.

Mercedes-Benz GLA 200d 4MATIC: 3 von 5 Sternen

Infiniti QX30 AWD: 4 von 5 Sternen

Exterieur

Der GLA ist ein Kompakt-SUV. Das sieht man dem bulligen Benz einfach an, da braucht es gar keinen Unterfahrschutz oder sonstiges. Ein wenig schwerer tun wir uns da schon mit dem Infiniti QX30, den wir von seinem kleinen Bruder Q30 kaum unterscheiden können. Zwar weiß die zarte Linienführung zu imponieren, doch fordert diese nun mal auch ein gewisses Maß an SUV-Charakter ein. Nichts desto trotz ist es beachtlich, was Infiniti aus dem GLA gemacht hat: Bis auf ein paar Details und die Form, die die Verwandtschaft mit dem Stuttgarter erahnen lassen, ähneln sich diese beiden Fahrzeuge kaum. Da haben die Designer sehr eigenständig gearbeitet. Markentypische Merkmale lassen sich quer über den QX30 finden. Besonders angetan haben es uns die Leuchten, wobei auch hier wieder erwähnt sei, dass die Feinheit dieser dem Auto seine SUV-Persönlichkeit streitig macht. Deshalb sehen wir den Benz auch eine Nase weit vorne.

Mercedes-Benz GLA 200d 4MATIC: 4 von 5 Sterne

Infiniti QX30 AWD: 3 von 5 Sternen

Fahrgefühl

Gut, der riesen Unterschied lässt sich während der Fahrt nicht feststellen. Wie denn auch, entstammen beide Fahrzeuge der selben Basis. Und trotzdem hat uns der Mercedes-Benz GLA mehr überzeugen können. Denn obwohl der Motor im Benz weniger leistet und der im Infiniti sowieso von Daimler kommt, wirkt das Aggregat im GLA einfach freudiger. Auch an der Lenkung fanden wir im Stuttgarter mehr gefallen, wirklich ausschlaggebend war allerdings die Geräuschkulisse im Infiniti. Gut, wir wissen nicht, wie laut der Motor im Innenraum des eigentlich zu Vergleichenden Mercedes (220d) ist, im QX30 war er uns jedenfalls zu laut. Und auch sonst geht’s im Infiniti nicht ganz so smooth her wie im Benz.

Mercedes-Benz GLA 200d 4MATIC: 4 von 5 Sternen

Infiniti QX30 AWD: 3 von 5 Sternen

Fazit

Zwar liegt der Mercedes-Benz GLA 200d 4MATIC nach Adam Riese nun vorne, dennoch lassen wir in unserem Fazit den Infiniti QX30 den Vortritt. Nicht, weil er das bessere Auto ist (das schlechtere aber auch nicht), sondern weil so ein Infiniti etwas Seltenes im Stadtbild ist, während wir uns am GLA dank Car2go schon übersättigt haben. Mit dem Infiniti QX30 ist man exklusiver unterwegs. Mit dem Mercedes-Benz GLA weiß man dafür, was man hat.