Mit dem BMW 218d Gran Tourer betritt BMW völliges Neuland. Wie sich sich dabei geschlagen haben, durften wir herausfinden.

Text: Philipp Stalzer

Nüchtern betrachtet war es ja nur noch eine Frage der Zeit, bis auch BMW den Braten riecht und die Marklücke im Segment der „Großraumlimousinen“, oder auch Vans, schließt. Vermutlich sind dem Projekt – obwohl bei Konkurrent Mercedes schon lang im Produktportfolio – intern längere Querelen vorangegangen, irgendwer hat dann aber doch alle tradierten Vorbehalte über Bord geworfen, um beim immer mehr zum Thema werdenden Kaufkriterium „Platz und Komfort“ auch ein Ass in die Ärmel des Vertriebs zu legen. Für Fans der Marke ist der Einzug von Frontantrieb und einem 3-Zylinder Motor unter die weiß-blauen Fahnen starker Tobak – aber wer sich nicht weiterentwickelt, bleibt eben stehen. So ist der Puls der Zeit und jeder eingefleischte BMW-Fan muss nach einer Probefahrt zugeben: wenn schon Van, dann den!

Wohnlichkeit für Alle

Die Stärke des 2er Gran Tourer (im Gegensatz zum etwas kürzeren und niedrigeren „Active Tourer“ optional mit 7 Sitzen ausgeführt) ist auf jeden Fall sein Innenraum. Während über das Außendesign kontroversiell diskutiert wird, gibt es für das Interieur die meist einhellige Meinung: das ist Premium. Vor allem in der von uns gefahrenen „Luxury-Line“ wirkt es geräumig und edel. BMW bietet nun auch bei diesem Modell sogenannte „Lines“ an, die das Fahrzeug mit Materialen, Farben und Rädern in die sportliche oder auch in die besonders edle Ecke rücken.

Die Luxury-Line besticht unter anderem durch eine Lederausstattung, spezifische Chromumfänge, 17-Zoll Räder und Ambientelicht in den Türdekoren. Optional sorgt noch eine zugleich modern und auch wohnlich wirkende Holz-Interieurleiste dafür, dass man sich im luftig-komfortablen Innenraum wirklich wohlfühlt. Einige Bedienelemente, wie der Gangwahlhebel der Automatik oder die Lenkstockhebel, sind eigens für die Modellreihe konzipiert worden, tragen aber deutlich die Handschrift von BMW. So ist alles etwas anders, aber immer noch unverkennbar aus München.

In seinem Rahmen ist der 218d Gran Tourer aber auch zackig unterwegs. Den hohen Schwerpunkt kann er bei Richtungswechsel ganz gut verstecken, auch in kurvigem Geläuf und auf der Landstraße fühlt er sich spurtreu und sicher an.

Fahrdynamik des BMW 218d Gran Tourer geht in Ordnung

Dass bei einem Multifunktions-Vehikel die dynamische Höchstleistung nicht das oberste Entwicklungsziel ist, versteht sich von selbst. Solange die Kundschaft die das schätzt mit entsprechenden Modellen versorgt wird, gilt es einen Vorstoß in eine andere Richtung nicht von vornherein zu verurteilen. In seinem Rahmen ist der 218d Gran Tourer aber auch zackig unterwegs. Den hohen Schwerpunkt kann er bei Richtungswechsel ganz gut verstecken, auch in kurvigem Geläuf und auf der Landstraße fühlt er sich spurtreu und sicher an.

Aber auch BMW kann bei einem Vorderradantrieb die Antriebseinflüsse nicht wegzaubern – manchmal zerrt es am Lenkrad, wenn der kultiviert und leise laufende, quer eingebaute 4-Zylinder 2-Liter Dieselmotor mit 150 PS sein Drehmoment von 330 Newtonmeter an das optionale 8-Gang Automatikgetriebe schwungvoll weiterreicht. Bei voller Beladung ist der 218d sicher die bessere Wahl, der 3-Zylinder Diesel im 216d hätte wohl seine liebe Not mit dem nicht gerade kompakten Raumwunder.

Preispolitik: Premium

Auch wenn der Einstiegspreis für einen 218i Gran Tourer Basis-Benziner mit 29.550 Euro recht versöhnlich klingt – sobald eine „Line“ und ein paar Sonderausstattungen angekreuzelt werden, liegt auch der Van von BMW in Premium-typischen Preissphären. Unser Testwagen 218d mit Automatik beginnt bei 36.163 Euro – in Luxury-Line, mit Navi, 7-Sitzen und ein paar Extras ist die 50.000-er Schallmauer schnell durchbrochen. In Anbetracht auf die Menschen, auf die das Angebot abzielt – und das sind eher Firmenfuhrparks, Golden-Ager oder Vielfahrer mit Platzbedarf als junge Familien – aber im Rahmen. Die neue, wirkliche Premium-Alternative in dem Segment muss man auch zu zahlen gewillt sein.

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