• Pistengaudi mal ganz anders

    BMW Winter Test Drive 2016

Zum bereits 20. Mal lädt BMW zum alljährlichen Winter Test Drive, auch diesmal geht es wieder nach Sölden in Tirol. Denn oben am Rettenbachferner herrschen die perfekten Bedingungen zum Spielen. Anders gesagt: Es gibt Schnee, Eis und röhrende Motoren.

Text: Jakob Stantejsky

Der BMW Winter Test Drive hat sich im Laufe der Jahre schon zu einer richtigen Traditionsveranstaltung gemausert. Heuer bin ich zum ersten Mal mit von der Partie. Zugegeben: Ich war vorher noch nie unter solchen Bedingungen unterwegs. Als Untersatz dienen der MINI Cooper S Clubman ALL4 und die BMW-SUVs der X-Reihe. Deren Winter- und Geländetauglichkeit zu testen macht Spaß, gar keine Frage. Aber das eigentliche Highlight des Events ist ohne Zweifel BMWs Allrad-Hybrid-Sportmonster, der i8. Die Vorzüge des Elektro- und des Verbrennungsmotors vereinigend, bietet er ein atemberaubendes Erlebnis, erst recht auf dieser Spielwiese.
Aber alles der Reihe nach. Am ersten Tag geht es mit dem MINI auf den Berg, die Leute bei BMW haben sich ein paar launige Aktivitäten für uns überlegt. Vom Driftparcours über eine Slalomstrecke bis hin zum Zeitrennen bergaufwärts ist alles dabei.

Im Vordergrund steht vor allem der Spaß, der besonders dann aufkommt, wenn ich versuche, die Übungen ohne Assistenzsysteme zu bewältigen. Während es mit voller Elektronikunterstützung noch kaum möglich ist, die Kontrolle zu verlieren, muss ich ohne elektronische Hilfe doch schon ganz ordentlich kämpfen, um keinen Walzer aufs eisige Parkett zu zaubern. Schnee spritzt überallhin, ich schlittere um die Pylonen und versuche, die höchstmögliche Geschwindigkeit beizubehalten. Beim Zeitrennen geht es einen zugeschneiten und vereisten Ziehweg hinauf, rechts blicke ich nur in gähnende Leere. Der Ehrgeiz gebietet mir trotzdem, die bestmögliche Zeit herauszuholen.

Das funktioniert auch gut, bis ich in einer der Kurven eine Eisplatte erwische. Das Heck bricht aus und die Hinterreifen rutschen unaufhaltbar auf den Abgrund zu. Mein Puls nähert sich schlagartig den 192 PS des MINI an und ich steuere mit allem, was ich habe, gegen. Der Allradantrieb findet im letzten Moment doch noch Grip auf dem Schnee und katapultiert mich wieder mitten auf die Strecke. Das ist gerade nochmal gut gegangen, der Adrenalinspiegel bleibt aber noch ein Weilchen in luftigen Höhen. Nach diesem Highlight (Ja, ich gebe zu, irgendwie war es schon wieder geil) geht es für diesen Tag wieder ins Tal. Aber ich weiß, was mich morgen erwartet, denn die böse dreinschauenden BMW i8 stehen schon in Reih und Glied auf dem Hotelparkplatz, als wir zurückkommen.

Nach einer schönen Portion Schlaf ist es am nächsten Tag soweit: Ich stehe vor einem der Designmeisterstücke und soll damit den Berg hinauffahren, damit ich mich im Schnee austoben kann. Die Flügeltüre hebt sich und ich hieve mich durch die enge Einstiegsluke in den Innenraum, der äußerst bequem ist. Allein die Serpentinen zum Gletscher hinauf zu befahren, macht im BMW i8 schon mehr Spaß, als auf der Straße erlaubt ist. Die Beschleunigung des Elektro-Benzin-Gespannes drückt mich in den Sitz, wenn ich mit Vollgas zum Vordermann aufschließe, in der Kurve zerrt die Fliehkraft an mir, aber ich klebe auf der Straße.

Auch soundtechnisch ist der i8 ein wahres Wunderwerk, so kann ich mich gar nicht entscheiden, ob mir das raumschiffmäßige Pfeifen des Elektromotors oder das satte Gebrüll des rassigen Dreizylinders mehr Vergnügen bereitet. Am Berg oben hat BMW einen Slalomparcours den Hang aufwärts mit abschließender Driftgelegenheit auf einem kleinen Plateau vorbereitet. Wieder geht es mit und ohne Assistenzsysteme an den Start, wieder ist der Unterschied himmelweit. Allerdings wohl noch ein Stück weiter als bei MINI Clubman gestern, denn der i8 wird von seinem Antrieb doch deutlich aggressiver nach vorne gepeitscht.

Der Ehrgeiz, meinem Untersatz gerecht zu werden und die Strecke schnellstmöglich zu befahren, führt dazu, dass ich ein, zwei Mal die Kontrolle verliere und der i8 unbeabsichtigt einen Kreis in den Schnee zeichnet. Doch selbst das macht mit diesem Ungetüm höllischen Spaß. Die Geschwindigkeit und Beschleunigung kann ich hier oben zwar aufgrund des eisigen Untergrundes nicht so exzessiv auskosten wie am Weg herauf, doch die unglaubliche Kraft wird bei jeder Gaspedalberührung eindrucksvoll bewusst. Und ganz ehrlich: Allein in dem Ding zu sitzen, macht einem schon mehr Freude, als in manch anderem Auto zu fahren. Nach einer Zeit, die viel zu kurz erscheint, heißt es mit wehem Herzen Abschied nehmen, denn jetzt sind die Kollegen an der Reihe.

Für mich heißt es jetzt, die BMW X-Fahrzeuge ein wenig kennenzulernen. Diesmal bleibt die Geschwindigkeit eher niedrig, denn wir lernen die verschiedenen Extras der Reihe kennen, die deren Geländetauglichkeit steigern sollen. So geht es steile, schneebedeckte Hügel bergauf und bergab, vorwärts und rückwärts. Der intelligente Allradantrieb leistet dabei ebenso gute Arbeit wie die Abstiegshilfe Hill Descent Control. Kurzum, auch hier kommt der Spaß nicht zu kurz. Aber sind wir uns ehrlich; zu dem Vollblüter namens BMW i8 ist das hier doch kein Vergleich. Der Abstieg ins Tal erfolgt diesmal höchst entspannt im wohnzimmerartigen X5, in dem man sich ein wenig über der Außenwelt stehend wähnt, und das nicht nur buchstäblich.

Alles in Allem war der BMW Winter Test Drive ein Erlebnis der besonderen Art. Als leidenschaftlicher Skifahrer habe ich zum ersten Mal festgestellt, dass es auch Spaß machen kann, die Piste aufwärts in Angriff zu nehmen. Ich fürchte nur, die Pistenaufsicht wird nicht damit einverstanden sein, wenn ich im nächsten Urlaub den Schlepplift gegen einen Sportwagen tausche. In diesem Sinne: Ciao und bis zum nächsten Jahr!

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