Kein x-beliebiges SUV

Der BMW X2 im Test

Wer einen BMW kauft, stellt sich ein hochwertiges Fahrzeug, das eine tiefe Verbundenheit zum Spaß an der aktiven Fahrerei besitzt, in die Garage. Doch mit dem jahrzehntelangen Erfolg der Marke hat sich auch eine gewisse Gediegenheit eingestellt. Die will der BMW X2 aufbrechen – denn obwohl er durch und durch Münchner ist, ist er auch ganz anders.

Text: Jakob Stantejsky

In einigen Punkten merkt man dem X2 seine Markenzugehörigkeit natürlich deutlich an – innen wie außen ist alles sauberst verarbeitet, die Materialien versprühen Premiumfeeling und technisch ist das Fahrzeug natürlich auf dem allerneuesten Stand. So weit, so BMW. Doch Vieles macht dieses Crossover-SUV auch ziemlich anders. Die Optik an und für sich ist schon ein Alleinstellungsmerkmal, denn der X2 steht gleichzeitig bullig und kraftvoll, aber auch kompakt und fröhlich da. Irgendwie nimmt man ihn nicht so ernst wie etwa einen X3 und selbst der X1 wirkt deutlich erwachsener. Doch das ist keinesfalls negativ gemeint! Gerade dieser jugendliche Charme macht den neuesten BMW-Sprössling besonders attraktiv und zieht die Blicke auf sich. Auch ich werfe jedes Mal wohlwollend und irgendwie vergnügt einen letzten Blick auf diesen Wagen, bevor ich ihm den Rücken zudrehe. In diesem Auto sitzt man einfach gern, weil man sich ein Bisschen anders fühlt als die anderen Verkehrsteilnehmer, die alle in ihrem weißgrauschwarzen, gestreamlineden Einheitsbrei herumkurven. Dabei geht es gar nicht um Arroganz, sondern man hat einfach Freude am Dasein.

Am Fahren hat man natürlich, dem Herstellerslogan entsprechend, ebenso Freude, denn der kürzeste X in der Familie (ja, er ist kürzer, dafür aber breiter und niedriger als der X1) wuselt ebenso agil und kraftvoll durch die Gegend, wie sein Aussehen es verspricht. In unserem Testwagen steckt der 20d-Selbstzünder, der aus vier Zylindertöpfen und zwei Litern Hubraum ganze 190 PS quetscht. Das Aggregat strahlt sowohl Gelassenheit als auch Spritzigkeit aus, je nachdem, wie man das Gaspedal behandelt. Wer mehr Power will, gönnt sich den 25d mit satten 231 PS. Für Benzinisten bietet BMW bisher nur einen 192-pferdigen Motor, die Palette soll jedoch noch erweitert werden. Mir taugt unsere Motorisierung jedenfalls sehr gut, die relativ sparsam bleibt und doch auf der Landstraße für jeden Spaß zu haben ist.

Bei aller Freude sei aber das Interieur nicht vergessen, dass zwar vom Aufbau her typisch BMW ist, jedoch mit netten Farbakzenten und ähnlichen Spielereien für die besondere Atmosphäre sorgt. So bleibt dem Fahrer sowohl das markeneigene Gefühl der Souveränität, doch es geht gleichzeitig auch deutlich munterer zur Sache. Dass die Sicht nach hinten mit einer etwas vernünftigeren Heckscheibe viel besser wäre, ist mir ehrlich gesagt ziemlich wurscht – denn bei diesem Auto geht es eben darum, einfach zu sein, was und wie man will.

Originell, fesch und kräftig ist der BMW X2 also summa summarum. Für all jene, die drauf stehen, bietet der Wagen deshalb eine willkommene Abwechslung, die gut durchdacht und dementsprechend hochwertig ist. BMW zeigt mit dem X2, dass man in München alles andere als festgefahren ist und mit der Zeit gehen kann und will. Die Riege der Traditionalisten fährt sicher weiterhin lieber Fünfer, doch gerade junge Menschen könnten mit dem X2 eine perfekte Einstiegsdroge in die BMW-Welt gefunden haben.