von Bosko Andjelic

Ich bin: eine ziemlich coole Socke. Fact. Das wird unter anderem dadurch belegt, dass mich in ihrer Maskulinität ruhende, hochgeschossene Mobilfunk-Werbeleiter „echt knorke“ finden und sich ernsthaft nach meinem Preis erkundigen – oder aber auch dadurch unterstrichen, dass ein Redaktionskollege (Name der Redaktion – no, na – bekannt) ein AMGtisiertes Kompaktmesser für mich stehen lässt. Stolzgeschwellte Brust. Äh, Brüstchen.

Ich bin nicht: aggressiv oder pubertär, vordergründig cool oder grundlos laut. Das verbietet mir meine gute Erziehung, das habe ich auch nicht notwendig. Mein Charakter erschliesst sich aus dem Charme und der Ausgewogenheit des Gebotenen. Bin so kurz wie möglich, aber mit 5 Türen und Sitzplätzen ein offline social networker. Beiß´ an der Ampel an wie ein Bullterrier, finde aber meine Contenance spätestens in der Dritten wieder. Hab diesseits der aktuellen Benzen die coolsten Luftausströmer, besitze aber eine Rückfahrkamera, die den meisten Sternen fehlt. Über Wolfsburg schweigen wir milde – personality goes a long way.

Ich fühle: mich nicht annähernd so mainstreamig wie meine badge-engineering brothers aus dem PSA-Konzern an – da sei meine Tiger-Nase a.k.a. das x-clusiv Goscherl in Klavierlack (!) vor. Und die Rallye-Streifen bzw. Styling-Paket Komponenten, wie z.B. die Dekor-Ringe der Alu-Bock, gibts in dem detaillierten Umfang ansonsten nur für japanische R/C Modellauto-Fabrikate im Maßstab 1:10. Da haben die Großen (Toyota) bei den Kleinen (Tamiya, Kyosho, Yokomo) abg´schaut. Domo arigatou gozaimasu!

Ich klinge: wie ein wohlig ausbalanciertes Minimal Electro Stück – im Sass kurz vor Sonnenaufgang aus dem performanten Sound System schallend, das parallel wie meine eigene Multimedia-Anlage selbst in größeren Räumen für Vergnügen sorgen würde. Von der Geschwindigkeit, mit der ein Smartphone anzubinden ist oder vermiedenen RTFM-Dramen mal ganz zu schweigen. Be afraid, Kompaktklasse, be very afraid.

 

 

Ich rieche: nicht. In Japan darf nichts riechen. Ich dufte maximal. Und das reduziert. Baumwolle mit Kirschblüte im Angang, Maschinenöl im Abgang. Kiichiro und Eiji Toyoda (sic!), meinen Urgroßvätern, hätte das so gefallen. Vif waren sie, die Urlis – keine Frage, denn automatisierte Webstühle baust´ net von allein. Und 1894 scho´ gar net. Dieser smarte aber dennoch bescheidene Geist schwingt selbst 120 Jahre später mit. Schön.

Ich schmecke: wie ein Erdbeer-Fruchtzwerg – frisch, joghurtig leicht und dabei so wertvoll wie ein kleines Steak. Preislich bin ich schließlich auch eher beim Dots-Sushi als beim Preßschinken angesiedelt. Sei´s drum, Nippon findet sich mittlerweile bei preiswert ein – billig sollen die Rumänen oder Russen.

Ich wohne: in der Fillgradergasse, im 6. Wiener Hieb – dort fühle ich mich gleichermaßen passend bobohaft-zeitgeistig wie auch stadtdschungelwetzig daheim. Meine outrierten Tigerstreifen rundum heben mich von all den langweilig silbern und schwarz gefärbten Smarties in meinem hood hervor. Mein Besitzer findet mich immer. Auch wenn er´s grad nicht vorhat.

Ich fürchte: mich spezifisch vor zwei Dingen – dem nächsten Erguss der Werbegfrasta, die mir doch tatsächlich Go fun yourself als claim mitgegeben haben (Gehts eh noch?) und dass jemand auf die Idee käme, sie würden doch tatsächlich ein größeres Auto als mich brauchen. Tun sie nämlich nicht.

Als Tier: wäre ich ein Tiger. Ein kleiner Tiger. Na gut, ein Tigerbaby. Grrr. Schnurr.

Als Gegenstand: ein hochwertiges Cosplay-Kostüm! Bei Außenstehenden unbekannt, von Kennern geschätzt. Nicht übertrieben komplex, öffnet aber den Weg in eine andere, neue Dimension. Nur bitte kein Pokémon, denn Statuswerte sind mir fremd. Obwohl, so ein Pikachu-Print an der Flanke könnte mir eigentlich stehen. Banzai!

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