Muss Musk ins Museum?

Der Byton K-Byte

Byton macht ernst. Nach dem viel beachteten Einstand auf der CES in Las Vegas zieht der chinesische Newcomer mit der europäischen Führungsmannschaft jetzt das Tempo an: In Nanjing hat die Firma des ehemaligen BMW-Managers Carsten Breitfeld gerade ihr neues Headquarter eröffnet, die Fabrik für bis zu 300.000 Autos im Jahr nimmt langsam Formen an, die Kassen sind mit 500 Millionen Dollar unter anderem vom automobilen Urgestein FAW gerade frisch gefüllt und auf der CES in Shanghai haben die Chinesen bereits ihr zweites Modell präsentiert.

Von Thomas Geiger

Auch das ist noch eine Studie. Doch genau wie das SUV soll die nun enthüllte Limousine einen sehr konkreten Ausblick auf ein Serienmodell geben, verspricht Breitfeld und gibt den Kindern deshalb schon mal einen Namen: Als digitale Marke aus einer digitalen Ära nimmt er Abschied von analogen Begriffen wie Serie, Klasse oder Reihe und nutzt den Computerbegriff Byte als Kernelement. Aus dem SUV wird deshalb der M-Byte und die Limousine soll als K-Byte an den Start gehen. Viel Zeit, sich an diese Begriffe zu gewöhnen, werden die Interessenten nicht mehr haben. Noch in diesem Jahr will Breitfeld in Shanghai den ersten von zunächst gut zwei Dutzend Brand-Stores in China eröffnen und 2019 soll es losgehen: Erst mit dem M-Byte und im Jahr darauf mit dem K-Byte. Den Anfang macht dabei zwar China, doch ab 2020 soll es die ausschließlich elektrisch angetriebenen Byton-Modelle auch in den USA und kurz darauf in Europa geben.

Während der Geländewagen zumindest außen noch halbwegs konventionell aussieht, wirkt die Limousine wie ein Bote aus einer anderen Zeit und lässt selbst das Tesla Model S wie ein Oldtimer aussehen. Das liegt zum einen am futuristischen Design der Studie mit einem hübschen Lichtspiel im Grill, einer langen Motorhaube und einem steilen Stummelheck, das man seit dem Renault Vel Satis nicht mehr gesehen hat. Und auch gegen das vom M-Byte bereits bekannte Cockpit mit dem über die ganze Fahrzeugbreite durchgehenden Display anstelle eines Armaturenbretts kann das Tesla-Tablet nicht anstinken.

Doch was wirklich den Unterschied macht, sind die beiden Sensoren rechts und links an der Flanke und das Doppel auf dem Dach, mit denen Byton eine Kernkompetenz des K-Byte inszeniert: Das autonome Fahren. Nicht umsonst haben die Chinesen Aurora als Partner ins Boot geholt, mit dem sie bis 2020 zumindest in einer Flotte von Prototypen den Level 4 erreichen und den Fahrer kurz darauf dauerhaft in die Pause schicken wollen.

Der Antrieb dagegen wird bis zur Markteinführung von M- und K-Byte nicht mehr sonderlich spektakulär sein. Denn Motoren mit 250 oder 350 kW sowie Batterien von 71 oder 95 kWh für 400 oder 520 Kilometer haben auch Tesla und Jaguar und bis dahin Audi, Mercedes oder Porsche ebenfalls. Allerdings nicht zu dem Preis. Denn wenn Breitfeld es wirklich schafft, seine Modelle ab etwa 40.000 Euro anzubieten, wären K- und M-Byte doch eine kleine Sensation.

Noch muss man Breitfeld und seiner Mannschaft einfach glauben, wenn Byton seine großen Pläne skizziert. Doch so langsam rückt der elektrische Ernstfall für das Start-Up näher und die Neueinsteiger müssen die bald Beweise bringen. Denn vor ein paar Tagen hat der erste Prototyp die Fabrik in Nanjing verlassen.