Goofy Motor Mania ist echt [Video]

Wenn das Auto zur zweiten Haut wird


Goofy Motor Mania ist echt



Das Auto als abgetrennter, individueller Bereich ist ein psychologisch hoch spannender Ort.

Betritt man den fahrenden Tempel wird er zum Avatar, zur Verlängerung des Körpers. Ein Beispiel: Wenn Sie auf der Straße gehen und ihnen jemand entgegen kommt, dann weichen sie aus, meistens halt. Keine große Sache. Kreuzen sich die Wege, dann blickt man (ebenfalls meistens) kurz auf, vergewissert sich, wo der andere hinwill und trifft eine Entscheidung, die für beide Parteien passt. Weil man dem/der ja gegenüber steht, keine Glasscheibe dazwischen hat und somit viel, viel näher am realen Geschehen ist. Zwei Menschen, die im Grunde nichts Böses im Schilde führen. Das liegt an den Zonen, die wir um unseren Körper tragen. In die persönliche Zone lassen wir Freunde und Verwandte, je nach Wohnort (in dünn besiedelten Gegenden stehen die Menschen weiter auseinander) misst die Zone zwischen 30 und 90 Zentimeter vom Körper weg. Betritt jemand diesen unsichtbaren Wall oder dringt sogar in die intime Zone ein, die ganz nah am Körper liegt, dann gibt es verschiedene Möglichkeiten. Entweder man steht im Lift oder in der U-Bahn, dann verhält man sich ruhig und stoisch oder man hat einen Gegenüber, der einen ständig anfasst beim Reden oder viel engere Zonen hat, weil er aus einem dichter besiedelten Gebiet kommt, dann tritt man den Rückzug an. Die gesellschaftliche Zone knüpft da an, wo die persönliche Zone aufhört und findet sich im Büro, bei Meetings, beruflichen Festen, etc. Die kann schon mal 1,5 Meter vom Körper entfernt sein. Apropos entfernen, zurück zum Thema.

Im Auto ändert sich die Situation schlagartig. Forscher haben herausgefunden, dass der Raum, der beansprucht wird, auf das bis zu Zehnfache der Autolänge anwachsen kann. Wenn also jemand aus einer Kreuzung rausbiegt, dann regt uns das auf. Egal, ob man leicht bremsen kann oder nicht. Das Auto wird plötzlich zur Cyborg-Außenhaut mit riesigem Kraftfeld, in die man/frau schlüpft und automatisch zum Hulk wird. Einer, der die Spur wechselt? Immer her mit dem Taugenichts! Jemand rauscht noch über Gelb? Den knöpft ich mir vor! Der schlängelt sich herein, obwohl er mich vorher überholt hat? Nicht mit mir, du Schwammerl!

Zu Fuß sind wir Herdentiere, die (grundsätzlich) auf Wohl des anderen bedacht sind, so werden wir im fahrenden Kokon zum Kammerjäger, der andere Verkehrsteilnehmer als Ungeziefer sieht, die ihm gerade die Ideallinie ruinieren. Weil es ja so leicht geht. Fensterscheiben halten die unaussprechlichen Worte da, wo die Genfer Konvention keinen Einfluss hat. Oder Motorensound. Kommen Sie auf die Idee, beim Spazierengehen plötzlich laut „WRROOAARRRR“ zu brüllen? Das Auto entfesselt den Urmensch, der noch immer tief in uns schlummert.

Folgendes Video ist sage und schreibe 65 Jahre alt. 65 Jahre. Bitte im Hinterkopf behalten.



Kommentar: der nervige Hype um brennende Sportwagen

Kommentar: Warum mich brennende Autos stören


Der Hype um brennende Sportwagen – und warum mich das stört.





Ein Kommentar zu Rainer Behouneks Artikel

von Philipp Stalzer

Zwangsläufig mag da wohl mit der Zeit das falsche Gefühl entstehen, was brennende oder nicht brennende Autos betrifft – und wer ist Schuld? Das Internet. Sensationsgeil wie es der Mensch von Natur aus nun mal ist, zieht man sich einfach gerne das rein, worüber man heilfroh ist, dass es einem nicht selbst passiert ist. Den Gesetzen von Nachfrage und Angebot folgend, ist natürlich jede Sensationsmeldung dahingehend ganz weit vorn im Clickranking auf allen Websiten der Welt, die solche Filmchen oder Bilder hosten. Dazu muss es dann aber schon ein brennendes Hypercar sein – ein fackelnder VW Jetta oder ein mit Tomaten und Gurken beladener LKW lockt niemanden „hinter dem Ofen hervor“ (jaja, ich schmeiß das Geld in die Schlechte-Wortwitze-Box). Es ist also ganz einfach nicht so, dass nur Sportwägen gerne mal abfackeln. Auch die sich normalerweise bloß Rückspiegel abfahrenden Alltagsautos brennen mit einer Portion Pech auch mal aus – es interessiert aber halt einfach niemanden. Für Schadenfreude reichts bei einem Schaden von vielleicht 15.000 Euro nicht, der Voyeurismus wird davon auch nicht befriedigt – das Ergebnis: kein Video davon im Internet. Und was man auf Google nicht findet, ist nie passiert oder existiert nicht. Stimmts?





Technisch fragil oder Besitzer debil?

Sicher, die aufwändigen technischen Strukturen eines Sportwagens sind fehleranfälliger als das durchschnittliche Wald-und-Wiesen Auto, aber wirklich sehr oft ist auch Fahrlässigkeit schuld an einem Brand. Vor allem Mittelmotorautos sind in Verruf, sich gern mal spontan zu entzünden. Was Recherchen ergeben haben: vor allem dann, wenn der Fahrer Raucher ist. So ein glimmender Tschick, der lässig beim Fenster rausgeschnippt wurde, macht sich in der seitlichen Luftansaugung hinter der Türe von einem Porsche Boxster oder Renault Clio V6 nämlich garnicht so gut. Auch wäre es ratsam, beim Tanken seines Porsche 918 Spyder Vorsicht walten zu lassen, und den Zapfhahn so zu bedienen, dass der Sprudel beim Tankstutzen in Motornähe nicht im großen Stil vorbeipritschelt. Frischer Sprit auf heißen Oberflächen brennt nämlich sogar an einem VW Käfer spontan und sehr gut. Das ganze ist also nichts mehr als ein Glanzbeispiel von selektiver Wahrnehmung und es ist definitiv nicht so, dass jeder Sportwagen das latente Bedürfnis hat, je nach Laune spontan zur brennenden Todesfalle zu werden und seine Insassen vorsätzlich zu grillen. Bedauerlich ist es, wenn ein exklusiver Wagen in Flammen aufgeht – und die Runde macht so eine Sensationsmeldung halt auch schnell – aber sonst nix.