Hightech statt Heavy Metall

CES 2018: Messerundgang

Teleportation und den Ritt mit der Zeitmaschine kann man sich sparen. Wer heute schon wissen will, wie die Welt morgen tickt, der muss in diesen Tagen nur nach Las Vegas reisen. Denn auf der Consumer Electronics Show zeigt die mittlerweile vielleicht wichtigste Industrie der Welt, wohin die Reise gehen wird.

Von Thomas Geiger

Dabei dreht es sich im riesigen Convention Center längst nicht mehr nur um Flatscreens und Smartphones. Daher sich das Auto beim weg über die Datenautobahn längst zum ultimativen „Mobile Device“ auf Rädern entwickelt, hat auch die PS-Branche den Elektronikgipfel für sich entdeckt. Statt mit Heavy Metall und Hubraum wollen sich Daimler & Co. dort mit Hightech einen modernen Anstrich geben und einmal mehr beweisen, dass sie sich die Deutungshoheit über die Zukunft des Automobils nicht aus dem Silicon Valley abnehmen lassen.

Ihre Themen sind dabei die gleichen, wie bei allen anderen Ausstellern. Es geht vor allem um Vernetzung und um eine möglichst einfache Bedienung. Das beste Beispiel dafür liefert die neue User Experience von Mercedes, die in der nächsten Generation der A-Klasse an den Start geht und dem Smartphone näherkommt, als je zuvor. Denn künftig gibt es bei den Schwaben nicht nur den überfälligen Touchscreen mit den schnellsten und besten Grafikprozessoren der Autowelt und die Online-Karten von Here, sie führen mit dem Startkommando „Hey Mercedes“ auch eine Sprachsteuerung ein, gegen die Siri, Alexa & Co seltsam schüchtern und schweigsam wirken.

Der zweite große Themenkomplex ist das autonome Fahren, das in Vegas längst keine ferne Vision mehr ist. Während draußen Dutzende führerlose Prototypen ihre Runden drehen, überbieten sich drinnen die Hersteller mit der Sehschärfer ihrer Sensoren und der Rechenleistung ihrer Prozessoren und schwärmen davon, wie sie auch schwierigste Aufgaben autonom meistern – vom autonomen Pizza-Bringer bei Ford bis zur S-Klasse bei Mercedes, die im Rahmen des intelligent World Drive einmal mit dem Autopiloten um die Welt gefahren ist.

Dass derart moderne Autos noch mit Verbrennern fahren, passt so gar nicht ins Bild. Deshalb sind die Autos auf der CES natürlich alle elektrisch – selbst der Supersportwagen Project One, den Mercedes mit auf den Stand gerückt hat, kann schließlich ein paar seiner über 1000 PS auch aus dem Akku ansteuern. Daneben gibt es aber sehr viel greifbarere Modelle wie einen voll elektrischen Niro bei Kia oder die zweite Generation der Brennstoffzelle bei Hyundai, die als Nexo zu einem gefälligen SUV mit knapp 800 Kilometern Reichweite wird.

Doch auch dieses Spiel spielen die bekannten Größen längst nicht mehr alleine und auf der CES stoßen ein paar weitere Wettbewerber hinzu. Ob aus dem G3 des chinesischen Noname-Hersteller XPeng je etwas werden wird, darf bezweifelt werden. Schließlich gibt es für das SUV weder technische Daten, noch sonst irgendwelche Informationen. Doch zumindest Byton sollte man auf dem Zettel haben. Nicht nur, weil das elektrische SUV der China-Marke schon 2019 in China und 2020 in wichtigen Märkten auf dem Rest der Welt in den Handel kommen soll. Sondern weil dahinter keine Phantasten stehen wie bei Faraday Future, sondern ein paar erfahrene BMW-Manager, die i3 und i8 durchgeboxt haben und deshalb wissen, wie es gehen sollte.

Autonom, vernetzt, immer online, so einfach zu bedienen wie nie und natürlich mindestens mit Akkus, wenn nicht gar mit Brennstoffzelle – mit der Idee, wie wir sie heute noch vom Auto haben, haben die Exponate auf der CES nicht viel zu tun. Und auch wenn uns die Aussteller weiß machen wollen, dass diese Zukunftsvision aus der Glitzermetropole näher ist als man denkt, macht die PS-Branche jetzt erst einmal den Reality Check – und der Zirkus zieht ein paar tausend Meilen weiter nach Detroit. Das liegt nicht nur ein paar tausend Meilen weiter im Nordosten, sondern vor allem ganz im hier und heute – mit weniger Hightech und mehr Heavy Metall.