Dreifaltigkeit

Citroen Berlingo: Meister der Möglichkeiten

Familie statt Firma: Der Berlingo wird im Zuge der neuen Generation vollends vom Kleintransporter zur perfekten Kutsche für Kind und Kegel! 

Von Thomas Geiger

Es muss nicht immer SUV sein, selbst wenn man Familie hat. Das jedenfalls behauptet Linda Jackson – und sie muss es wissen. Schließlich ist sie die Chefin von Citroen und verkauft ein Auto, das schon bislang als Pampersbomber hoch im Kurs stand. Nicht umsonst zählt der Berlingo zu den meistverkauften Hochdach-Kombis in Europa. Und wenn die Franzosen im September zu deutschen Preisen ab 19.090 Euro die dritte Generation an den Start bringen, wird er gar vollends zum besten Freund der Familie. Und auch wenn es natürlich auch wieder einen Transporter für Handel, Handwerk und Gewerbe geben wird, so stand Kind und Kegel im Focus bei der Entwicklung.

Die Eltern locken sie dabei mit einer Optik, die rustikaler und bulliger ist als zuvor und den Berlingo, der markanten Airbumps sei Dank, beinahe als softes SUV durchgehen lässt. Und um dem Auftritt eine gewisse Glaubwürdigkeit zu geben, haben sie die Ausstattung sogar um eine Bergabfahrhilfe und ihr Traktionssystem Grip Control erweitert, mit dem man die Elektronik für verschiedene Untergründe programmieren kann.

Aber viel besser als fürs Abenteuer ist der Meister der Möglichkeiten für den Alltag gerüstet. Mehr Platz, mehr Stauraum, mehr Variabilität und vor allem mehr Ablagen bietet auf der Verkehrsfläche eines gewöhnlichen Geländewagens kein anderes Auto. Erst recht nicht, wenn man die vielen tausend Euro Preisvorteil zu einem konventionellen SUV berücksichtigt.

Angeboten als Berlingo M von 4,40 Metern mit fünf Sitzen oder als 4,75 Meter langer XL mit sieben Sitzen, wächst der Laderaum hinter der großen Klappe mit der separat zu öffnenden Scheibe um 100 auf bis zu 775 Liter im Berlingo M und auf 1.050 Liter in der XL-Variante. Es gibt bis zu 28 Ablagen mit noch einmal 186 Litern Stauraum. Und man kann die drei Einzelsitze im Fond nicht nur umlegen und in der XL-Version auch verschieben, sondern mit einem Handgriff auch ausbauen. Der Ladeboden ist dann bis vorne hin topfeben und wenn man auch den Beifahrersitz umklappt, wächst die Ladelänge auf bis zu 2,70 beziehungsweise. 3,05 Meter.

Auch das Fahrverhalten des Berlingo ist typisch für eine echte Familienkutsche – im besten Sinne unauffällig: Der Wagen rollt überraschend komfortabel dahin, der Motor ist gut gedämmt und hat zumindest beim 130 HDI mit 130 PS und 300 Nm ausreichend Reserven für eine entspannte Fahrt und die Lenkung ist so leichtgängig, dass man auch beim Rangieren nicht ins Schwitzen kommt. Dass sie für die Kurvenhatz vielleicht ein bisschen zu unbestimmt ist, stört dabei nicht. Denn erstens möchte man das dem Nachwuchs ganz sicher nicht zumuten und zweitens ist das bei einem Sprintwert von 11,6 Sekunden und einem Spitzentempo von 185 km/h auch keine sonderliche Verlockung. Dann lieber gleich die Achtgang-Automatik dazu bestellt und lässig dahin cruisen.

Den Diesel mit 1,5 Litern gibt es nicht nur in der Version mit 130 PS, sondern auch abgespeckt mit 102 PS. Und natürlich haben die Franzosen auch einen Benziner im Programm. Der hat drei Zylinder mit 1,2 Litern Hubraum und kommt auf 110 PS. Damit erreicht der Berlingo Geschwindigkeiten zwischen 174 und 185 km/h und verbraucht von 4,7 Litern Diesel bis 5,7 Liter Benzin auf dem Papier.

Zwar rühmt Citroen den Berlingo als Wegbereiter des Segments und freut sich über Spitzenplätze in der europäischen Zulassungsstatistik. Doch machen die Franzosen der dritten Auflage das Leben schwerer denn je. Denn nahezu zeitglich mit dem Berlingo kommt diesmal nicht nur Peugeot Rifter als Nachfolger des Partners, sondern erstmals wird es den Meister der Möglichkeiten als Combo auch mit Opel-Logo geben. Selbst bei der Produktion erweist sich der Citroen also flexibler als andere.