• Mein Problem mit dem Tesla Model S

    Behaunski über den schnellsten Serienstromer

Ich steh‘ auf Elektromobilität. Ist wahrscheinlich auch die einzige aktuelle Entwicklung, auf die ich steh‘. Mein Smartphone heißt noch Handy, ich kann Trolleys nicht leiden und Tablets versteh ich nicht. Warum will ich einen Bildschirm ohne richtige Bedienelemente? „Aber aber, mit dem kann ich prima arbeiten.“ Nein, kann ich nicht. Ich brauche eine Maus, eine Tastatur und keinen Nerd-Screen, der „so praktisch ist, Mann. Ehrlich, wann legst du dir endlich ein Tablet zu?“

Aber die Elektromobilität hat es mir angetan. Irgendwie. Überhaupt, der schonende Umgang mit einer Ressource, die uns zu verzogenen, ungeduldigen, kompromisslosen Reichweitenfanatikern gemacht hat, wird meiner Meinung nach immer wichtiger. Was hab ich mich über Start-Stop gefreut. Lassen Sie die Musik weiterlaufen, wenn Sie aus dem Haus gehen? Oder den Wasserhahn? Oder den Rasierapparat? Wenn eine Maschine nichts macht, dann soll sie auch nichts verbrauchen. Bei Sportwägen verstehe ich die Abneigung. Spielzeuge sind Spielzeuge, da braucht man jetzt bitte sicher nicht anfangen, sie in irgendein gesellschaftlich akzeptables Muster zu pressen, da gehören sie nämlich nicht hin.

Dass heutzutage die Elektromobilität einen viel höheren Stellenwert hat als noch vor 15 oder so Jahren, liegt auch an Tesla. Ausbau von Ladestationen, Freigabe von Patenten und und und – der sympathische Weg führt zu einer Win-Win-Situation für alle. Je mehr Ladestationen und Elektroautohersteller, desto mehr Menschen, die E-Autos kaufen und fahren.

Der Tesla Model S ist ein absolut normales Auto. Viel Platz im Innenraum, geräumiger Kofferraum, zwar eine bescheuerte, wenngleich auch irre aussehende Tabletbedienung, die während der Fahrt recht umständlich ist, aber sonst ein Auto, wie jedes andere auch.

Mit einem Unterschied: Es ändert das Fahr/Tankverhalten grundlegend. Ich komme mit einem Tesla-Fahrer an der Ladestation zusammen. „Ich wohne in Klagenfurt, der Weg bis nach Wien geht sich locker aus. Dann fahr ich meine Termine ab und lade ihn am Supercharger nochmal auf. Die App sagt mir dann, wann ich weiterfahren kann. Ich muss ihn gar nicht komplett laden. Durchs Navi weiß der Tesla, wann er genügend Saft hat.“ Ein anderer kommt mit seinem Tesla gerade aus Ingolstadt. Alle kennen sie die Superchargermöglichkeiten in Österreich auswendig.

Ich fahre weg und halte an der Ampel, neben mir ein schwarzer Audi A6 Avant. Der Fahrer lacht rüber und schreit: „Steig amoi ins Gas, i will den Spruch hören!“ Ich seh’ am Blick, dass er weiß, dass das ein Tesla ist. Er lacht. Ich lache. Die Ampel wird grün und ich schau ihn fragend an. Er meint: „Nein nein, sicher nicht, null Chance.“

Das hat mich nachdenklich gemacht. Einerseits wird er belächelt, weil er für viele durch den Wegfall von Prestigemerkmalen wie Sound kein richtiges Auto ist. Auf der anderen Seite legt sich niemand mit ihm an, weil jeder weiß, dass er viel zu arg ist. Was aber auch wurscht wäre, weil wenn einen der Tesla herbrennt, dann zählt es nicht.

Das Problem, das ich mit dem Model S habe, liegt an der Leistung von 700 PS. Die gaukelt einem nämlich vor, dass das Auto irre schnell ist. Was es auch ist, keine Frage. Nur: Im Tesla verkommt die Leistung zu einer physikalischen Größe, zu einem Wert, der nötig ist, um eine gewisse Strecke in einer gewissen Zeit zurückzulegen. Der wissenschaftlich nüchterne Zugang ist so steril wie eine Petrischale.

Ein schnelles Auto ist auch deshalb schnell, weil es schreit. Weil es die Gänge reinknallt und es einem dabei den Kopf verreißt. Weil das ganze Auto knistert, wenn man stehen bleibt. Weil jemand aus dem Drang heraus, die Wegzeit zu überlisten, ein Ding gebaut hat, das so nah an der rohen Gewalt ist und auch keinen anderen Zweck erfüllt, als einfach nur schnell zu sein. Der Tesla ist schnell. Aber er schreit nicht und er fetzt nicht rein. Und durch das hohe Gewicht von über zwei Tonnen fällt ihm auch der Haupt-Spaß-Punkt auf dem Weg von A nach B, die Kurve, schwer. Weshalb man ihn einfach als völlig normales, over-the-top E-Auto sehen sollte und nicht als den im-Dragrace-alles-herbrennenden-Youtube-Superstar. Wenn es nämlich um die Leistung geht, dann ist er nur richtig richtig schnell, mehr nicht.

Auf der anderen Seite legt sich niemand mit ihm an, weil jeder weiß, dass er viel zu arg ist. Was aber auch wurscht wäre, weil wenn einen der Tesla herbrennt, dann zählt es nicht.

8 Antworten
  1. 11mousa
    11mousa says:

    Was mir lieber wäre: Weniger Leistung (300 würden auch locker reichen) bei gleicher Batterie. Würde das Auto nochmal Reichweiten-freundlicher und leistbarer machen.

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    • Johannes
      Johannes says:

      Gibt es auch, muss man eines der schwächeren Modelle nehmen, die haben den gleichen Akku (ggf.), aber ‚nur‘ etwa 360 PS, wenn ich mich recht entsinne. Kann man auf der Website von Tesla konfigurieren und auswählen, was es so gibt :)

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    • Andreas
      Andreas says:

      Hallo 11mousa,

      Weniger Leistung bedeutet bei den Elektroautos oft mehr Verbrauch weil die Motoren mehr am Limit betrieben werden. Bestes beispiel ist der Tesla P85D. Zwei Motoren und mehr Leistung als der kleine Bruder und genau deshalb hat er mit der gleichen Batterie eine höhere Reichweite!

      Ciao

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  2. Robert
    Robert says:

    Die Idee mit den 300 PS hatte Tesla auch mit dem 70D. Es ist mit 80000 € der günstigste und sparsamste Tesla sogar mit Allrad!

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