Gangnam-Style!

Der Hyundai Kona wird fresh und cool

Sie sind fesch, haben Qualität, bieten viel Auto fürs Geld und fahren bei Ausstattung und Antrieb längst auf Augenhöhe mit den Europäern. Doch beim ständigen Schielen nach Wolfsburg hat Hyundai Lust und Lebensfreude völlig aus den Augen verloren. Aber damit ist jetzt bald Schluss: Wenn die Koreaner im November als kleinen Bruder von Tucson und Santa Fe zu Schätzpreisen ab etwa 17.500 Euro den Kuna in den Großstadtdschungel schicken, dann machen sie plötzlich auf cool, versuchen sich im Lifestyle und zielen mit ihrem dritten SUV eher auf Fahrzeuge wie den Mini Countryman oder den Audi Q2.

Von Thomas Geiger

Dafür setzen sie auf ein SUV von handlichen 4,17 Metern, das für koreanische Verhältnisse so frisch und frech daherkommt wie die Tänzer aus dem trendigen Gangnam-Viertel in der Hauptstadt Seoul: Nicht nur die Farben sind fröhlicher als alles, was Hyundai bislang so angerührt hat. Schließlich gibt es den Kona in Lacken wie Acid Yellow, Tangerine Comet oder Ceramic Blue und gerne mit Kontrastfarben auf dem Dach. Sondern auch bei den Formen beweisen die Designer frischen Mut. So wird der zum neuen Familiy-Face erkorene Kaskaden-Grill flankiert von LED-Tagfahrleuchten, die weit nach oben in die Motorhaube gerückt sind. Und zu den rustikalen Kunststoffplanken auf den mit bis zu 18 Zoll großen Räder gefüllten Kotflügeln gibt es muskulöse Flanken, scharfe Sicken und ein knackiges Heck mit einer ungewöhnlich schnellen D-Säule. Auch innen lüften die Koreaner gründlich durch und blasen so den Staub von den Konsolen. Wo es früher vornehme aber langweilige Kunststofflandschaften gab, bringen jetzt grellbunte Plastikrahmen und Ziernähte bis hin zu knalligen Gurten buchstäblich ein bisschen Farbe ins Spiel.

Aber so verspielt die Designer waren, so seriös haben die Ingenieure an dem Projekt gearbeitet. Schließlich hat der Kona das Zeug zu meistverkauften SUV und vielleicht sogar zum erfolgreichsten Modell im gesamten Portfolio. Deshalb machen die Koreaner für den schönen Schein keine Kompromisse und achten auf die Substanz. Dafür stehen bei 2,60 Meter Radstand solide Platzverhältnisse und ein Kofferraum von 361 Litern genauso wie die üppige Optionsausstattung mit dem ersten Head-Up-Display diesseits des Genesis, mit Sicherheitssystemen wie einer automatischen Notbremse mit Fußgängererkennung, aktiver Spurführungshilfe und Querverkehrswarner sowie einem umfangreichen Infotainment-Paket samt großem Touchscreen, er nun wie bei Audi & Co auf dem Armaturenbrett thront.

Ganz so aufgeweckt wie die Designer waren die Ingenieure allerdings nicht. So macht der Kona zwar einen ziemlich munteren Eindruck, erst recht mit dem 177 PS starken Turbo, der neben einem Dreizylinder mit 120 PS in die Startaufstellung geht. Immerhin beschleunigt er in maximal 265 Nm in 7,9 Sekunden auf Tempo 100 und knackt sogar die 200er Marke. Doch auch wenn er leichter ist als ein Tucson, man näher am Boden sitzt und der Wagen natürlich insgesamt handlicher wirkt, ist er kein Kurvenräuber wie der Mini oder ein Audi Q2. Dafür ist die Lenkung nicht direkt genug und das Fahrwerk mit Rücksicht auf die Langstreckentauglichkeit zu kompromissbereit. Man muss deshalb schon in den Sportmodus wechseln und ihm ordentlich die Sporen geben, wenn man den Puls auf Touren bringen will. Aber munterer als i30 & Co ist der Kona allemal. Und was ihm zu den noblen Konkurrenten an Fahrdynamik fehlt, das macht er gegenüber den bürgerlichen Mittbewerbern mit seiner Glaubwürdigkeit wieder wett. Denn wo Autos wie der Renault Captur oder der Honda HR-V nur nach Geländewagen aussehen, können Abenteurer den Kona tatsächlich auch mit Allradantrieb bestellen.