• Höllisches Vergnügen

    Dodge Challenger Hellcat

Es klingt, als hätten sich die Tore zur Hölle geöffnet und in der Luft liegt der Geruch von verbranntem Gummi. Denn wenn man den Dodge Challenger Hellcat anlässt, dann wackeln die Wände, der Boden vibriert und die Reifen gehen in weißem Rauch auf.

von Thomas Geiger (Los Angeles)

Kein Wunder: Unter der Haube dieser Höllenkatze steckt schließlich ein 6,2 Liter großer V8-Motor, aus dem ein Kompressor irrwitzige 717 PS (707 bhp) quetscht und aus dem Challenger das stärkste Muscle Car macht, das je in Detroit vom Band gelaufen ist: 881 Nm katapultieren den teuflischen Traumwagen in weniger als vier Sekunden auf Tempo 100 und danach schier ungebremst weiter, bis selbst der Mördermaschine bei knapp 330 km/h die Puste ausgeht. Und was den Amerikanern noch wichtiger ist: Die Viertelmeile sprintet der Challenger in 10,8 Sekunden und stiehlt auch in dieser Disziplin jedem Camaro oder Mustang die Schau.

Bis auf die Hutze äußerlich brav: der teuflische Challenger.

Schon in der Theorie erzeugt der Hellcat mit diesen Daten Herzrasen. Doch wenn man dann tatsächlich einmal hinters Steuer kommt, dann werden die Knie weich, die Hände feucht und der Blick ganz glasig. Denn eine Fahrt mit diesem Auto gleicht einem Ritt auf der Kanonenkugel und nirgendwo sonst fühlt sich Beschleunigung so brachial und brutal an wie bei diesem Biest. Ja, auch in einem Porsche oder Ferrari krampft sich beim Kickdown der Magen zusammen, der Blick verengt sich, die breiteste Straße wird ganz schmal und es drückt einen tief in die Sitze. Doch wenn man im Challenger das Pedal auf den Boden nagelt, dann ist es als fahre einem die Faust von Mike Tyson in den Magen und man wird man förmlich in die Sitze gerammt. Kavalierstart? Dass ich nicht lache! Ein Katapultstart auf dem Flugzeugträger von Top Gun könnte nicht heftiger sein.

Für diesen Kraftakt hat die Abteilung Street And Racing Technologies (SRT) mit dem Challenger gründlich trainiert – schließlich stammt die Grundkonstruktion noch aus den Neunziger, als Daimler seinem damaligen Allianzpartner Chrysler die Plattform der E-Klasse überlassen hat. Schon für die normalen Challenger und natürlich für den eng verwandten Chrylser 300 haben die Amis diesen Baukasten tapfer weiter entwickelt. Und für den Hellcat haben sie noch einmal jedes Bauteil angefasst. Achsen, Lenkung, Federn, Getriebe – alles wurde für die brachialen Kräfte dieser Bestie verstärkt. Die Brembo-Bremsen sind die größten, die in der Chrysler-Group in Serie verbaut werden, und am legendären Hemi-Motor ist außer dem Block nichts mehr wie es mal war. Der Kompressor schaufelt 30 000 Liter Luft in der Minute in den auf 6,2 Liter vergrößerten Hubraum, die auf 1,3 Zentimeter erweiterten Spritleitungen saugen den 70 Liter-Tank zur Not wahrscheinlich in einer halben Stunde leer und damit das Kraftwerk nicht in Rauch aufgeht, hat Dodge die Kühlleistung mal eben verdreifacht.

Über 100 Parameter

Ach ja, und ganz nebenbei haben die Ingenieure den Wagen auch noch so abgestimmt, dass man ihn ohne orthopädische Schäden und mit dem Segen des Sherifs halbwegs gelassen und kommod durch den Alltag bewegen kann. Nicht umsonst lassen sich im digitalen Cockpit und auf dem Touchscreen in der Mittelkonsole über 100 Parameter so einstellen, dass selbst eine Höllenkatze zum Kuschelkater wird. Aber wer will das schon, wenn man statt dessen mit einem Gasstoß jeden Lamborghini, Ferrari oder McLaren blamieren kann.

Der Preis ist heiß

Der Aufwand ist enorm und das Ergebnis spektakulär. Aber die vielleicht größte Sensation an diesem Auto ist sein Preis: Weil der Challenger noch auf der alten, längst abgeschriebenen E-Klasse aus der gemeinsamen Zeit mit Daimler fußt und die Dodge-Mannschafft konsequent auf jede Form von High-Tech verzichtet hat, verschleudern die Amerikaner das Höllenteil für nicht einmal 60 000 Dollar oder umgerechnet aktuell kaum mehr als 50 000 Euro. Damit wird das stärkste Muscle-Car aller Zeiten zugleich zum billigsten Supersportwagen der Welt – schön blöd, wer da einen Lamborghini Aventador, einen Ferrari F12 oder gar einen Porsche 918 Spyder kauft. Das gilt übrigens nicht nur in Amerika, sondern auch in Deutschland – selbst wenn die üblichen Verdächtigen unter den Importeuren mal eben 50 Prozent aufschlagen und das Vergnügen erst bei knapp unter 80 000 Euro beginnt. „Mehr PS pro Dollar bietet niemand“, prahlt deshalb Dodge-Chef Tim Kuniskis.

Altbacken, klobig, ziemlich Playmobil. Bloß das Mitteldisplay ist hochmodern.

Benannt nach einem amerikanischen Jagdpanzer aus dem Zweiten Weltkrieg, ist dieses Muscle-Car schließlich die gefährlichste Waffe im Arsenal der Amerikaner und nur etwas für echte Teufelskerle.

Die gefährlichste Waffe

Diese Preispolitik ist allerdings nicht ganz ungefährlich. Denn das erhöht die Gefahr, dass der Hellcat in die falschen Hände gerät – mit fatalen Folgen. Benannt nach einem amerikanischen Jagdpanzer aus dem Zweiten Weltkrieg, ist dieses Muscle-Car schließlich die gefährlichste Waffe im Arsenal der Amerikaner und nur etwas für echte Teufelskerle. Das wissen auch die Ingenieure und liefern das Höllenteil deshalb zum Schutz von Mensch und Maschine mit zwei unterschiedlich gefärbten Schlüsseln aus, von denen nur einer die volle Leistung freischaltet: Schwarz für ängstliche Amateure und Rot für alle, die beim Spiel mit der Hellcat weder Tod noch Teufel scheuen.

Und nun noch ein paar salbungsvolle Worte vom SRT-Chef persönlich.

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.