Dude, ich weiß wie alt dein Auto ist

von Hannes Kropik

Die Iren sind ein geschäftstüchtiges Völkchen. Mit einem simplen Trick heizen sie den Verkauf von Neuwagen an. Damit Apple keine Steuern zahlen muss vermutlich.

Der Neid, sagt man, ist ein Hund. Da, schau Mutti, die Nachbarn haben einen neuen Rasenmäher. Einen neuen Flatscreen. Einen neuen Grill. Wir brauchen auch einen, noch größer, noch besser. Sie kennen das …

In Irland macht sich der Finanzminister diese simple Psycho-Reaktion schon seit Mitte der 1980er zunutze. Und zwar so: Die Nummerntafel beginnt mit einer Ziffernkombination, die auf die Erstanmeldung des Wagens hinweist – und verbleibt (anders als bei uns) bei einer späteren Neuanschaffung nicht beim Besitzer, sondern fix am Auto. Der glückliche Besitzer des Nissan im Bild oben freut sich also erst seit wenigen Monaten über einen Neuwagen, während der Almera unten schon seit 2004 die irischen Straßen unsicher macht.

Und weil der Ire eben nicht nur geschäftstüchtig ist, sondern auch ein wenig abergläubisch, hat er das System vor wenigen Jahren noch einmal verfeinert! Aus Angst vor der Unglückszahl 13 am Taferl, wurde die Kennzahl aufs Halbjahr der Ausstellung erweitert; Autos, die von Jänner bis Juni angemeldet wurden, sind heuer an der Eröffnungssequenz 161 erkenntlich, die allerneuesten Anschaffungen tragen bereits die Nummer 162 – Glück für den Iren, der längstens drei Monate im nagelneuen Toyota Yaris (Bild unten) herumglüht.

Irland hat sich – nicht zuletzt dank einer kreativen Steuerpolitik, die Apple jetzt eine Nachzahlung in Höhe von 13 Milliarden Euro bescheren könnte – als Hotspot für amerikanische IT-Giganten etabliert. Unter anderen haben Apple, Google, Facebook, Twitter und Amazon ihre europäischen Headquarters nach Dublin verlegt. Und das bedeutet für den irischen Autohandel eine mehr als solide sprudelnde Einnahmequelle: Welcher Spitzenmanager will schon in einem zwei Jahre alten Dienstauto gesehen werden?

Die Zahlen zeigen, dass der Schmäh trotz der seit 2008 grassierenden Wirtschaftskrise (wieder) aufgeht: Audi verkaufte laut Statistik der Irish Times 2014 genau 4259 Neuwagen, im Jahr davor waren es 3687 gewesen. Eine ähnliche Kurve gibt es bei BMW (von 3530 auf 4011), Mercedes (von 1459 auf 2050), Land Rover (406 auf 532) und Jaguar (154 auf 190), Porsche konnte seine Zahl sogar verdoppeln – von 24 auf 48.