Dudenhofen macht den Opel hart

Was so ein Auto alles aushalten muss, bis es zuerst den verwöhnten Motorjournalisten und später als Gebrauchsgegenstand den Kunden angeboten wird – davon durften wir anlässlich des 50. Jubiläums des Opel Testcenters im deutschen Dudenhofen eine Kostprobe nehmen.

von Bernhard Katzinger

So geliebt Automobile sich in unseren Breiten auch fühlen müssen – welche Testprozeduren einer Markteinführung vorangehen, wissen die wenigsten. Macht das nicht eh längst alles ein Simulator?

Klare Antwort: nein! 40.000 Kilometer lang ist der Dauerhaltbarkeitstest für ein neues Modell wie z.B. den Opel Astra. Da die Strecken in Dudenhofen gegenüber normalen Straßen verschärfte Bedingungen bieten, entspricht dies 160.000 km im echten Leben.

Im Video unten durften wir mit einem Opel Aero GT – nur zwei Stück wurden davon gebaut – das Dudenhofener Kopfsteinpflaster in Angriff nehmen:

Von der Marterstrecke auf die „Lange Gerade“

Verschärft heißt zum Beispiel: Marterstrecken, künstlich angelegte und liebevoll gepflegte Superschlaglöcher, Kopfsteinpflaster, Rollsplitstrecken … Natürlich darf auch die Hochgeschwindigkeitsrundstrecke nicht fehlen – eine einzige überhöhte Kurve von 4,8 Kilometern Länge, auf der der Testwagen bei 250 km/h ohne Lenkimpuls die Spur hält. Spaß bietet die 900 Meter lange Handlingstrecke; neu ist die „Lange Gerade“, die ihren Namen angesichts 1,7 km Länge zurecht trägt. Das Auto, das Dudenhofen meistert, braucht sich auch vor gelegentlichen Randstein-Remplern und Feldweg-Ausflügen nicht zu fürchten.

Schichtarbeit Autofahren

Da das Opel-Testcenter in der Nähe Frankfurts das größte europäische Testgelände von General Motors darstellt, werden hier auch entsprechende Kilometerzahlen auf die Straßen gebrannt: Rund 25.000 Kilometer werden täglich gefahren, die Testfahrer arbeiten in drei Schichten und verschleißen so im Monat bis zu 500 Satz Reifen. Aufgetankt wird an einer Großtankstelle, an der 16 verschiedene Kraftstoffe aus 32 Zapfhähnen sprudeln.

Für die Zukunft

Dass nebenbei auch ein liebevoll gehegter Waldbestand mit Hessens ältester Kiefer das Areal vor neugierigen Blicken schützt; dass Opel ein Naturschutzprojekt mit Przewalski-Pferden in der Nähe unterstützt; dass man mit der Zeit geht und die Beleuchtung auf LED umstellt; und dass eines der letzten Fahrzeuge, die in Dudenhofen entwickelt und getestet wurden, der voll elektrische Ampera-e ist – das alles zeigt, dass man beim Hersteller mit dem Blitz durchaus mit der Zeit geht.

Gleichzeitig rechnet man offensichtlich damit, dass auch in Zukunft Autos auf der Straße und nicht ausschließlich im Simulator getestet werden. Die nächsten Umbau- und Ausbaumaßnahmen in Dudenhofen sind bereits beschlossen. So werden zu den bisher dort zurückgelegten 200 Millionen Kilometern noch ein paar dazukommen.