Ein Edel Porsche aus Kalifornien. Früher war Rob Dickinson Musiker.  Seit 2009 veredelt er hauptberuflich Porsche 911 und mauserte seine kalifornische Werkstatt Singer Vehicle Design zur ersten Anlaufstelle für Freunde des wirklich besonderen Automobils. Vor allem jenes aus Zuffenhausen

von Franz J. Sauer

Ein 964er als Basis, bei der kein Karrosserie-Teil auf dem anderen blieb. Modifiziert bis ins kleinste Detail macht Singer Vehicle Design aus einem „normalen“ Porsche 911 ein hochindividualisiertes Einzelstück.

„Die guten alten Zeiten“, ein Satz, der in gegenwärtigen Stammtischdiskussionen so aktuell ist, wie noch nie. Die Welt ist komplex und hoch technologisch geworden. Denkt man an die weltweiten Krisen und die totale Überwachung der Bevölkerung, so wünscht man sich oft in die harmonischeren, ruhigeren und sonnigeren Tagen des Lebens zurück. Als man auf der Parkbank sitzend, dem in der Ferne grollenden luftgekühlten Boxermotor lauschte. Oder die frisch polierten Kotflügel in der Sonne beim Glänzen bewunderte. Früher eben, als die Welt noch in Ordnung war.

Faszination Porsche 911

So ähnlich müssen Rob Dickinson und seine Freunde geschwelgt haben, als sie sich entschlossen die „guten alten Zeiten“ zumindest in automobiler Hinsicht wieder aufleben zu lassen. Als Unternehmen, spezialisiert auf das endgültige Veredeln von Sportauts der Marke Porsche, wohlgemerkt ausschließlich von den luftgekühlten soll hier die Rede sein. Aber wer ist eigentlich dieser Rob Dickinson? Ursprünglich Musiker, aus Großbritannien, immer schon im Business tätig, immerhin fünf Studioalben mit der Rock-Band „Catherine Wheel“ schwer und schließlich auch nicht mehr und nicht weniger als der Cousin von Iron Maiden-Frontman Bruce Dickinson. Paralell zur Mucke lief immer auch schon die Bewunderung für Auto, speziell der Type Porsche 911 in den Augen des Meisters „das wichtigste Sportauto auf dem Planeten. Der Brite wusste wohl, dass das ständig feuchte Wetter in der Heimat nicht gut für seine Schätze sein würde, als es manifest wurde, zumindest teilweise die Branche zu wechseln, übersiedelte er kurzerhand ins sonnige L.A. um dort fürderhin auf professioneller Basis Autoträume zu verwirklichen. Als Hommage an seine andere Karriere sei der Name verstanden, „Singer Vehicle Design“ startete 2009.

Ein Luftgekühlter 964er als Basis.

Als Basis all ihrer Modifikationsarbeiten haben sich die Singer-Jungs bald auf den Porsche Typ 964 (1988–1994) geeinigt. Nicht nur weil dieser dem Konzern den sicheren Ruin ersparte (Porsche hatte sich in jenen Tagen wirtschaftlich vertrabt, auf falsche Konzepte gesetzt, den 928 als Elfer-Nachfolger in Stellung gebracht, was die Fans in Scharen verjagte. Erst die gründliche Runderneuerung des in die Jahre gekommenen Dauerläufers 911 zur Version 964 griff wieder in der Publikumsgunst und sicherte der Firma die Zukunft), entschied man sich für diesen Porsche als Urmeter des Firmengegenstandes. Er ist in den Augen von Dickinson und seinen Mannen die ideale Schnittstelle unter den Luftgekühlten. Zwischen Neuzeit und Vintage, Retro-Look und neuer Technologie. So materialisieren die Singer 911er als wilder Mix der Epochen. Mit einer Optik, die weitgehend die frühe Elfer-Ära der Sechziger zitiert (Front), heckwärts zwar den Bürzel des frühen RS bringt, aber dann doch mit der Flügeltechnik des 964 vermengt. Die Motoren schließlich werden bei Cosworth überarbeitet. Zum 3,8 Liter Motor mit 360PS aufgebohrt, mit detaillierten Überarbeitungen fast aller Einzelteile, nach feinster Rennsporterfahrung und stets nach Wünschen der Kunden angefertigt.

Slideshow: Feinstes Leder, edelster Stoff, sogar im Kofferraum. Und auch unterm Heckdeckel wurde verfeinert.

Slideshow: Viel Liebe zum Detail zeichnet die Singer-911er aus. Nicht bloß wer genau schaut, erkennt die Unterschiede zur normalen Serie aus Stuttgart.

Der Kunde ist König.

Überhaupt wird Individualität in den Werkstätten der Kalifornier groß geschrieben. Den Kundenwünschen wird stets freier Lauf gelassen, solange die Basis ein Typ 964 sein kann. Bei der Komponentenauswahl kommt dann wieder die Phantasie derer von Singer zum Tragen. Von Bi-Xenon Scheinwerfern über Polykarbonat Linsen bis hin zur ultraleichten Karbonfasertechnik finden sich die leichtesten und zugleich belastbarsten Komponenten in dem Wundervehikel. Die Palette der Veränderungen reicht vom Motor über den Auspuff bis hin zur Übersetzung. Das Interieur sowie die Farbe des jeweiligen Einzelstücks sind verständlicherweise ebenso individuell anpassbar. So kann nahezu flächendeckend ausgeschlossen werden, dass man irgendwann mal an der Kreuzung neben einem zweiten Singer, der dem eigenen all zu sehr ähnelt, zum stehen kommt.

Sportlich frisch

1,1 Tonnen Fahrzeuggewicht sind für ein derartiges Kraftpaket leicht zu bewegen. Nicht einmal 4 Sekunden braucht der ehemalige Stuttgarter, um die 100 Km/h zu knacken. Je nachdem, ob man sich nun für den alltagstauglichen 270PS starken 3,6 Liter Motor, oder die 3,8er Rennstreckenvariante mit 360PS entscheidet. Je nach dem, ob man nun das G50 5-Gang Getriebe wählt, oder die schärfere Variante mit 6 Gängen und einer Übersetzung wie man sie oft im Motorsport findet, ordert, bestimmt sich das Fahrgefühl angenehmer, oder männlicher. Und um derlei zu veranschaulichen, bitten wir schnell mal Talkmaster und Autosammler Jay Leno darum, Mr. Dickinson ein bisschen zu seiner Passion zu befragen:

Die monetäre Frage.

Und bekommt man gerade richtig Lust auf ein derartiges Erlebnis, denkt über Stellplätze in der eigenen Garage nach, erscheint plötzlich wie aus dem Nichts die monetäre Frage. Die aufgezählten Individualisierungsmöglichkeiten, die Qualität und die investierte Zeit sind alles andere als billig. Die Preise für einen echten Singer gehen meist über 300.000 US-Dollar hinaus. Dafür bekommt man ein schickes Haus in guter Lage, ein vernünftiges Boot, oder rund 26 Dacia Logans. Gebrauchtwagenmarkt? Fehlanzeige. Preisverfälle sind bei den Singer-Elfern wohl nur durch Kaltverformungen zu erreichen. Über die Bezeichnung „Singer 911“ freuen sich übrigens weder Rob Dickinson, noch die Herrschaften aus Zuffenhausen. Insofern hat man bei Singer für die eigenen Exponate die sperrige, wie wohlklingende Bezeichnung „Porsche 911 reimagined by Singer“ gewählt. Na dann …

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