Gehörschaden!

Ferraris in Maranello zu laut für Anrainer

Einwohner und Anrainer plagt vor allem eines an der Hauptstadt der vorwiegend roten Boliden: Zu viele gehörschädigende Ferraris tummeln sich auf den oftmals ungeeigneten Straßen. Und das geht auf die Gesundheit!

Von Florian Thöni

Für Ferraristi gehört Maranello neben Imola und Monza zur Dreifaltigkeit des Motorsports. Kein anderer Ort versprüht so viel rotes Lebensgefühl wie die 17.000 Einwohnerstadt in der Region Modena. Michael Schumacher ist seit 2006 Maranellos Ehrenbürger, nach einem Formel 1-Sieg der Scuderia lässt der Pfarrer die Kirchenglocken läuten, noch Fragen? Nun gibt es jedoch Krach im roten Paradies. Einwohner beklagen sich über zu laute Ferraris auf den heimischen Straßen. Tausende Anhänger, 300.000 um genau zu sein, die jedes Jahr in die überschaubare Kleinstadt pilgern, können sich nämlich für bereits weniger als 100 Euro einen Ferrari ihrer Wahl ausleihen und einmal den Hauch des Supersportwagens einatmen. 37 dieser Ausleih-Super Cars gibt es in Maranello offiziell, rechnet man dies auf 365 Tage hoch, kommt ein gutes Sümmchen an V8-, V10- und V12-Knurren zusammen.

37 supercar a tutto gas

Wenn man auch in Italien gerne dazu tendiert, in erster Linie auf Gottes Beistand zu hoffen und politische Maßnahmen nicht ganz so ernst zu nehmen, hat sich Maranellos Bürgermeister Massimiliano Morini dazu entschlossen, den Lautstärke-Wahnsinn einzudämmen. Zwei Stunden nach dem Mittagessen, also von Zwölf bis Zwei Uhr nachmittags, gibt es nun eine sogenannte fascia orario di silenzio, eine gesetzlich festgelegte Ruhepause, wo keine Ferraris in Maranello verkehren dürfen. Zusätzlich ist es gänzlich untersagt, mit einem dieser 37 Leih-Rennwagen außerhalb der Ferrari-Werke zu fahren. Auch wenn die meisten Einwohner Maranellos Ferrari als eine Art Reliquie ansehen und nicht zuletzt die gesamte Stadt wirtschaftlich davon profitiert, so ist es doch auf irdische Weise verständlich, ein normales Leben führen zu wollen. Ohne Dauer-Dröhnen.