Matchbox für Große

Ford Focus RS

Brave Jungs bekommen zur Belohnung ab und an ein kleines Matchbox Auto, zumindest war das bei mir in den Prä-Smartphone Zeiten so. Das Erwachsenen-Äquivalent dazu ist, wenn man sich für ein verlängertes Wochenende den Ford Focus RS in knalligem Blau krallen und damit spielen darf.

Text: Tizian Ballweber

Auf dem Spielteppich im Kinderzimmer waren so ziemlich alle Stunts möglich, die man aus Filmen und Serien aufgesogen hatte. Aber so richtig real war das natürlich nie. Zum Beispiel quietschten die Reifen nur, wenn man als kleiner Stöpsel eben jenes Geräusch mit dem Mund nachahmte. 20 Jahre später macht das nun das Auto ganz von alleine. Auch besser so, denn die Lippen haben genug zu tun, müssen die doch ein Lachen bis über beide Ohren formen. Den Drive Mode Knopf auf Driftmodus gestellt und der Ford Focus RS zieht Kreise, bis einem schlecht wird. Also eigentlich so wie damals auf dem Spielplatzkarussell.

Rückziehmotor findet man im Focus RS natürlich keinen. Dafür aber einen 2,3 Liter 4-Zylinder Ecoboost mit satten 350 PS, die auf alle vier Räder verteilt werden. Diese Kombination, also starker Motor und Allradantrieb, drückt einen ordentlich in die Recaros. Und auch wenn das nicht unbedingt die bequemsten Sitze sein mögen, für Seitenhalt sorgen sie allemal und das ist in diesem Hot-Hatch ohnehin wichtiger, als seinen Allerwertesten bequem zu betten.

Haken wir noch kurz den Innenraum ab, bevor uns dem wirklich wichtigen Thema zuwenden: Platz ist vorhanden, ausreichend sogar. Übersichtlich ist es auch, alle Knöpfe und Schalter sind da, wo sie sein sollten. Nur nicht der für die Launch Control. Die muss man nämlich mit den Knöpfen am Lenkrad ewig lang in Untermenüs suchen. Den zweiten Minuspunkt gibt’s für die Materialien und die Verarbeitung, da darf man sich nämlich bei Preisen um die 50.000 Euro schon mehr erwarten.

Wahrscheinlich fließt der größte Teil des Kaufpreises in die Leistung, womit wir beim wichtigen Thema wären. In 4,7 Sekunden beschleunigt der blaue Blitz auf 100 km/h und hört dann erst bei 268 Stundenkilometern auf. Wobei das nicht ganz stimmt. Denn ein Eigenversuch auf der deutschen Autobahn zeigte, dass der Focus 279 km/h läuft. Naja, wenn es leicht bergab geht.

Geschaltet wird, wie es sich in so einem Renner gehört, manuell. Die Schaltwege zwischen den sechs Gängen sind kurz und knackig. Beim beschleunigen reißt man umso lieber am Hebel, während sich die Reifen in den Asphalt krallen. Auf kurvigen Strecken spürt man dann auch so richtig, was man am Allrad eigentlich hat. Das verbaute Torque Vectoring System steuert die Drehmomentverlagerung an den Rädern. So können Kurven noch enger und schneller genommen werden.

Ein Auto für lange Autobahnfahrten ist der RS freilich nicht. Dafür sind die sportliche Federung und die Sportsitze dann doch zu sportlich. Aber wir gehen jetzt mal davon aus, dass sich kein Familienvater so ein Ding anlacht, um den nächsten großen Urlaubstrip damit zu machen. Denn dafür wär der Ford Focus RS zu schade.

Mein persönliches Fazit: Würde ich mir selber einen Ford Focus RS kaufen? Also ein geiles Gefährt ist er ja schon, Spaß macht er auch und dazu ist er noch relativ praktisch. Aber ich habe mir meine Matchbox-Autos früher auch nicht selber gekauft und so würde ich es auch mit diesem Spielzeug für Große handhaben. Aber vielleicht erbarmt sich ja die Oma.

:Infoporn
Hubraum: 2.261 ccm
Leistung: 350 PS
Verbrauch: 10,9 l / 100 km
Drehmoment: 440 Nm
Beschleunigung von 0-100 in: 4,7 Sek.
Spitze: 266 km/h
Leergewicht: 1.560 kg
Preis: ab 47.350 Euro