In seiner vierten Auflage vereint der Ford Mondeo Turnier Aston Martin-Look vornewärts mit Lounge-Atmosphäre im restlichen Auto.

Text: Franz J. Sauer

Das Platznehmen gestaltet sich für den Zweimeter-Mann zunächst enttäuschend. Weil hier das große, feine Panoramadach verbaut ist, stößt man sich als erstes nach dem Einstellen der sportlichen Sitzposition (weit hinten, schön aufrecht, wie wir es von Rallye-As Rauno Aaltonen gelernt haben) den Kopf an. Man hatte zwar schon gehört, dass der neue, fesche Mondeo in den Innenmaßen geschrumpft ist. Dass sich das aber bei einem doch beachtlich ausgewachsenen Fahrzeug wie dem – vielleicht auch durch die weiße Farbe dick auftragenden – Testwagen gleich in Kopfstößen auswirkt, überrascht. Warum müssen elektrische Sitze auch heutzutage derart hoch bauen?

Andererseits sind es dann aber auch gleich die Sitze, die bald versöhnen. Fauteuil ist eine rechte Beschreibung für diese Lounge-Chairs aus feinstem Leder, rundherum gepolstert, diffizil einstellbar und herrlich bequem. Da stört es auch nicht, wenn man von der üblichen Sitzposition abweichen muss, nichtmal nach 1000 Kilometern schmerzt der Rücken. Überhaupt ist es wohnlich im neuen Mondeo. Die Mittelkonsole birgt viele Funktionen artig aufgeräumt, die HiFi-Navi-Telefon-Kombi mit dem großen Sony-Schriftzug erinnert heimelig an die erste Stereoanlage, damals im Jugendzimmer. Und wenn man einmal alle Verstell- und Einstellmöglichkeiten, die der riesige Bildschirm mit den tabletartig angeordneten Funktionen für den zunächst Überforderten bereithält, ausgelotet hat, kann man sich auch schon auf den Weg machen. Welcher in einer Lounge wie dieser durchaus zum Ziel werden kann..

Fauteuil ist eine rechte Beschreibung für diese Lounge-Chairs aus feinstem Leder, rundherum gepolstert, diffizil einstellbar und herrlich bequem.

Der Zweiliter-Dieselmotor mit 180 PS – zweifellos jenes Aggregat im Angebot, auf das sich in Österreich jeder einigen kann – liefert unauffällig brave Arbeit, für echtes Antreten muss man reintreten, aber das geht ok. Die 6-Gang Powershift-Automatik fällt durch Unauffälligkeit auf. Auch der Verbrauch, on the Long Run ohne Autobahn-Zurückhaltung stets unter acht Litern zu halten, ist in Ordnung.

Frontantrieb – leider …

Was sich etwas diamteral zum sonstigen Oberklasse-Flair anfühlt, ist der unartige Frontantrieb. Der nicht nur gerne Antriebseinflüsse weitergibt, sondern auch schnell mal zu durchdrehenden Rädern führt. Was wiederum die schnieke Fuhre mit dem scharfen Briten-Gesicht (Aston Martin lässt grüßen) feelingmäßig schnell zum Kombi der alten Schule vulgo Lastesel werden lässt. Der Kofferraum ist übrigens auch geschrumpft, was aber subjektiv nur am Papier stört, wo es die Ford-Leut zweifellos schmerzt, sich dem Klassen-Primus VW Passat doch deutlich geschlagen geben zu müssen. Ansonsten ist jener Vergleich aber auch nicht der schlechteste, um das Mondeo-Erleben an irgendwas festmachen zu können. Feeling, Anmutung: eine Klasse drüber. Praktikabilität: wenn man sich mal an die Ford-Sprache gewöhnt hat (was bei VW scheints mit der Muttermilch geschah) gleichauf. Platzangebot: Leider merklich enger. Und Performance: vor allem im Fahrwerksbereich deutlich schlechter. Gespannt sind wir nun auf Allradantrieb und Hybrid …

Der Ford Mondeo Turnier mit 2,0 TDCi-Motor kostet ab 32.450 Euro

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