• Das Experiment

    Behaunski vs. Katzinger: Zweimal Senfgelb zum Öko-Mustang mit 2,3 EcoBoost-Motor.

Ford globalisiert den amerikanischen Traum: Erstmals fährt der Ford Mustang nicht nur in den USA, sondern offiziell auf allen Straßen der Welt. Manche freut’s, andere nicht – die sechste Generation des legendären Pony Cars aus Motorblock-Sicht.

Prowackeln im Global Player

von Rainer Behaunski

Ein Wort um den Ford Mustang zu beschreiben? Cruiser. Easy das Fenster runter, und durch den 2,3 Liter Vierzylinder nicht brabblend sondern motorisch leise, dafür farblich schreiend durch die City schleichen – wer sich das Pony-Car in schwarz kauft, ist selbst schuld. Der gehört gelb! Oder rot! Nur so kommt das slicke Design zur Geltung.

Die letzten Versionen waren designtechnisch nicht die Bringer, der Neue macht seine Sache dagegen ausgesprochen gut. Glatte Linien mit bösem Blick und rot-weißen Heckleuchten, ja der fällt auf und nur darum geht es ja beim Muscle Car.

So fährt man Mustang heute: Ellbogen draußen, Country-Musik drinnen, vier Zylinder drunter. Mich persönlich stören die 2,3 Liter nicht wirklich, wo mein Pro wackelt (hehe), ist beim Kunststoff-Anteil im Innenraum. Da will Ford einen auf Global Player machen und dann sitzt man erst recht in einem Plastik-Ami.

Wer glaubt, mit dem Mustang schnell sein zu können, der irrt übrigens. 317 PS und 421 Nm warten zwar auf den rechten Fuß, nicht aber auf die notwendige Traktion der Hinterräder, weshalb es ihm geradeaus am liebsten gefällt, a echter Ami halt. Dort glänzt er mit 5,8 Sekunden auf 100 und 234 km/h Spitze.

Und weil er ein echter Ami ist, verzeiht man ihm auch die behäbige Automatik, die gelegentlich ein Überraschungs-Gang-Menü präsentiert. Verbrauch? Fast zwölf Liter, vom Vierzylinder hätte man sich genügsamere Werte erwartet, von 317 PS auf die hinteren Räder nicht.

Besser als Fahrradfahren

von Bernhard Katzinger

Ausgangssituation: Unser blauer Planet schwebt in Todesgefahr. Fauna und Flora sind allerorten am Aussterben. Nur Fahrradfahren kann uns jetzt noch retten. Oder Vierzylindermotoren in amerikanische Sportschlitten einbauen.

Unter den zahlreichen Fans der Gattung „muscle car“ gibt es doch sicher solche, denen das Look&Feel und nicht zuletzt das Image des fahrbaren Untersatzes wichtiger sind als ein adäquat dimensionierter V8-Motor. Dieser hoffentlich existenten Zielgruppe mixt Ford im Reagenzglas den „Mustang EcoBoost“ zusammen und serviert ab 44.700 Euro: Ein „Pony Car“ mit Biosiegel.

Guter Gedanke, Ford! Das Resultat des Experiments lässt uns in einem quietschgelben, elendslangen und ebenso -breiten Ami-Schlitten Platz nehmen, der von einem effizienten Vierzylinderbenziner beheizt wird.

Was ein Problemchen oder zwei verursacht. Zum Beispiel: Bei einem Benzinverbrauch, der nur mit buddhistischer Langmut unter 10 Liter zu halten ist, geht der EcoBoost-Mustang beim WWF sicher nicht als Auto für eine grünere Zukunft durch. Außerdem vermitteln weder Geräusch noch Leistung das Gefühl, in einem Muscle Car zu fahren.

Trotzdem wird man – nicht zuletzt wegen der brüllend gelben Lackierung des Wagens – an der Kreuzung beäugt wie ein freier Unternehmer aus der Branche „Personenschutz für exotische Tänzerinnen“. Und das ohne die dazu passende volle V8-Fünfliterpower – nein danke!

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