Frauen in der Ladezone

Rumpelstilzchen

Frauen in der Ladezone. Wer in der Neubaugasse ein Geschäft hat, speziell auf der rechten Seite, hat ein Problem. Nein, kein politisches, wie man es vielleicht fälschlicherweise verstehen könnte, sondern ein Lieferproblem.

Von Felizitas Auersperg.

Rechts ist die Busspur des 13A, es gibt keine Haltemöglichkeit, außer auf dem Gehsteig. So viel zur verkehrstechnischen Realität. Und da geht’s schon los.

Hält ein offiziell beschriftetes Lieferfahrzeug, passiert rein gar nichts. Geschäftige Ausladetätigkeit, der Bote verschwindet mit den Paketen in mehreren Geschäften, der Wagen hält über 20 Minuten auf illegalem Terrain, der Bote kehrt zurück, raucht noch eine Tschick und fährt.

Aber wehe, ein Geschäftsbesitzer liefert sich selbst etwas. Mit seinem Privatfahrzeug. Pfui!
Irgendwo im kosmischen Gefüge kippt ein Schalter (alle Bedingungen erfüllt für ein klassisches Drama) und die Hölle bricht los.

Auftritt Rumpelstilzchen. Das oft erwähnte Klischee des aus dem Nichts erscheinendem Parkaufsichtsorgan in Reinstform. Ein kleiner Mann mit silbernem Zopf. Ich behaupte, dass es nur zwei Arten von kleinen Männern gibt. Entweder sind sie voll leiwand, weil sie genau wissen, wie scheiße es ist, unterschätzt zu werden, oder sie bestrafen die Welt für….ich weiß nicht genau was.

„Sie stehen mit allen vier Reifen auf dem Gehweg. Das ist verbooooten!!!“

Ein wissender Blick zwischen meiner Mitarbeiterin und mir: „Kategorie zwei.“
Wir erklären ihm freundlich, wir hätten lediglich etwas ausgeladen und sind soeben im Begriff, wegzufahren. Abgesehen davon haben wir niemanden behindert, die Busspur ist ja frei und der Gehsteig so breit, das sogar zwei Rollstuhlfahrer nebeneinander ein Hatzerl machen können.

Nuuuuur weil sie Frauen sind, glauben sie, sie können machen, was sie wollen!!!

Unsere Blicke treffen sich, wir können uns nicht wehren. Lachflash. Der Uniformierte wird immer röter vom Schreien, wir warten nur noch, bis es donnert, der Boden sich spaltet und ihn mit einem Feuerball verschluckt. Einfach so. Die Szene schreit danach.

Gleichzeitig rasen Bilder von Grimmschen Märchen, Louis des Fines Filmen und Hitleransprachen am inneren Auge vorbei. Und wir sind immer noch in der Neubaugasse.

Ich habe im Leitbüro der Parkraumüberwachung angerufen. Das es nicht sein kann, dass man für 2 Minuten Lieferzeit so eine Szene serviert bekommt. Der leitende Beamte erklärt mir mit sanfter Stimme, sein Kollege hätte die Situation anders geschildert und will mich gerade darüber aufklären, wieviel mich de Spaß gekostet hat, als eine Stimme von hinten in den Telefonhörer brüllt: „Nuuuur weil sie Frauuuuen siiiind!!!