Die Honda CB650F macht einen auf Streetfighter, die Nachfolgerin der Hornet trumpft mit fetziger Optik auf. Mit der Reduktion von 102 auf 87 PS kann man im Gassl- und im Winkelwerk gut leben.

Text: Beatrix Keckeis-Hiller

Fotos: Honda, Eryk Kepski

Ein Herz für Einsteiger beweist die Motorradabteilung von Honda. Die Palette an Anfänger-Eisen für alle Führerscheinstufen ist breit wie nie. Und kein Neuling, der auf Mittelklasse-Naked Bikes steht, muss sich mehr auf etwas ziemlich Zahmes wie eine 500er-CB oder auf etwas doch recht Scharfes wie die 600er-Hornet setzen: Die aktuelle 500er (48 PS) schaut jetzt richtig scharf aus. Und die Hornisse wurde aus dem Honda-Modellprogramm aussortiert. Dafür gibt’s jetzt etwas Neues. Die CB650F, quasi einen Mittelweg zwischen braver, A2-Führerschein-gerechter Mildheit und bissiger Wildheit.

Kesses Minikleid

Denn die Nachfolgerin der Hornet holt aus ihrem – neu gemachten – Reihen-Vierzylinder-Reihenmotor deutlich weniger Leistung: Statt 102 gibt’s 87 PS (bei 11.000 U/min). Dazu kommt ein Alzerl weniger Drehmoment, nämlich 63 statt 63,5 Nm. Die stehen allerdings schon bei 8.000 Umdrehungen an (Hornet: 10.500 U/min). Dafür schaut sie echt modern aus, in ihrem kess geschnittenen Streetfighter-Minikleid, das alleine schon die vier Krümmer-Rohre unverblümt herzeigt. Das macht sie optisch mindestens so g’schwind wie ihre Vorgängerin, auch wenn man die fesche Upside Down-Gabel (die die Hornet ja auch erst in einer späteren Modellphase dazubekommen hat) vermissen könnte.

Die Optik passt also. Die Daten sind papierene Theorie für den Stammtisch. Was zählt ist das Live-Erlebnis. Das offenbart beim Draufsetzen einmal eine sehr moderate Sitzhöhe. Es kommen Kurzhaxerten nicht nur die 805 Millimeter zugute, auch die schmale Taille macht’s für weniger hoch gewachsene sehr kommod. Das Fahrfertig-Gewicht von 208 Kilo und der tief angesetzte, Schwerpunkt-senkende Auspuffendtopf kommen dem rückwärts Rausrangieren aus der Garagenecke sehr entgegen.

Murmeln statt brüllen

Dabei kann man den Murl ruhig schon anwerfen. Das Vierzylinder-Aggregat brüllt nicht, sodass es im engen Geviert wild echot, es murmelt eher vor sich hin. Gas nimmt es spontan an. Die Vortriebswilligkeit passt auf den ersten Metern schon überzeugend. Allerdings darf man sich in Punkto Antritt bei niedrigen Drehzahlen nicht sofort ein Feuerwerk erwarten. Die ruckel- und zuckelfreie Leistungsentfaltung ist gleichmäßig übers gesamte Drehzahlband verteilt. Gegen die 10.000-Touren-Marke entwickelt das Triebwerk dann fühlbaren Punch, wird aber weder brachial oder gar bösartig.

Bösartigkeiten kann man auch dem Fahrwerk nicht nachsagen, Telegabel (mit 41. Millimetern Durchmesser) hin oder her. Das Federbein ist zumindest in der Vorspannung justierbar. Das ergibt ein Gesamtpaket, das nur zu sehr Unter- oder stark Übergewichtigen nicht ganz so gut passt. Bocksprünge leistet sich die CB650F jedoch in keinem Fall, auf ihren 17-Zöllern bleibt sie selbst bei böigen Seitenwinden stoisch auf Spur.

Keep it simple

Dazu passt auch die einfach, dafür effektiv angelegte Bremsanlage – vorne mit 320-mm-Doppel-, hinten mit 240-mm-Monoscheibe -, bei der Honda auf ein integrales System verzichtet hat. ABS muss mittlerweile sowieso immer an Bord sein. Die Reifen-Dimensionen sind innerhalb der Maße des Naked Bike-Standards: vorne ein 120er, hinten ein 180er. Damit ist man in allen Kurvenradien stets auf der agilen, auf flotteren Landstraßen- und Autobahn-Etappen auf der stabilen Seite.

Vielleicht wird nicht jeder ob der Leistungsausbeute und –entfaltung unbedingt lauthals lachen oder herzhaft schreien. Dafür aber lächeln. Ob das damit zu tun hat, dass die CB650F im Land des Lächelns – in Thailand – gebaut wird, das sei dahingestellt. Denn wer entspannt, unkompliziert und schaltfaul durch die Stadt bummeln will, der wird auch dann lächeln, wenn er das nicht weiß. Zumal man mit ihr sehr wohl auch aufdrehen kann, im verschärften Winkelwerk. Und wenn man hernach auf der Promeniermeile vorfährt, wird man mit ziemlicher Sicherheit angelächelt. Denn fesch ausschauen tut sie, ob in den HRC-Farben gehalten oder eher monochrom orientiert und dafür mit knalligen Farbakzenten dekoriert.

Selbst Umbau-süchtigen erscheint das optische Set Up der 650er-CB komplett genug. Ins Auge fiel beim getesteten Modell auch, dass der Rohrlenker passend in mattem Schwarz gehalten ist. Einzig: Das immer noch fast geweihartig geschwungene Standard-Lenkgestänge lässt vermuten, dass noch einige Millionen davon auf Lager liegen. Ein flacheres und eine Spur breiteres Nachbau-Exemplar könnte den doch eher betonten Gemütlichkeits- und Verdaulichkeits-Charakter der CB650F in Richtung schärfere Einlenkeigenschaften verändern.

Die Honda CB650F kostet ab 8.490 Euro.