Hut ab, Chris Evans!

Chris Evans schmeißt bei Top Gear hin, Clarksons Fußstapfen waren offensichtlich zu groß. Sollten sich die Produzenten der Show ein Beispiel nehmen? Oder muss man jede Kuh melken, bis sie keinen Tropfen Milch mehr gibt?

Top Gear Team

von Bernhard Katzinger

Nach nur einer Staffel als neuer Moderator der Kult-Autoshow Top Gear hat Chris Evans also aufgegeben. Wütende Zuschauerproteste haben ihn laut seiner Ankündigung via Twitter zum Schluss kommen lassen, dass sein Bestes in dieser Sache wohl nicht gut genug gewesen ist.

In zu großen Fußstapfen

Nun ist es keine große Überraschung, dass das Trio Clarkson – Hammond – May nicht leicht zu ersetzen sein würde. Allerdings ist das Vorgehen der BBC in Sachen Top Gear nur ein weiteres Beispiel für ein Phänomen, das Serienjunkies schon lange sauer aufstößt.

TV-Produzenten haben scheinbar kein Gespür mehr dafür, wann es Zeit ist, etwas gut sein zu lassen. Oder, anders gesagt: Sie fühlen sich verpflichtet, jeden müden Cent aus einer guten Idee zu pressen.

Auszuzeln

Es scheint, als hätte sich die Maxime „The show must go on“ gewandelt zu: THIS show must go on – und zwar so lange, bis sie wirklich keinen müden Heller mehr abwirft und keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervorlockt.

Beispiele? Dr. House, Mad Men, Grey’s Anatomy, selbst Kultserien wie The Sopranos oder Breaking Bad wurden auf so viele Staffeln ausgewalzt und ausgezuzelt, dass die dramaturgische Qualität und das Interesse der Zuschauer litten.

Im Business gibt’s dafür sogar einen Ausdruck: Jumping the shark, nach jener Folge der US-Serie Happy Days, in der Protagonist Fonzie mit Wasserskiern über einen Hai springt. Allgemein gilt, dass die Erfolgs-Show mit dieser lächerlichen Szene ein für allemal ihren Zenit überschritten hatte.

So werden gute Ideen beschädigt. Top Gear läuft Gefahr, nicht als kultige Show mit drei kauzigen, aber vor guten Ideen sprühenden Querköpfen in Erinnerung zu bleiben. Sondern als hundertmal wieder aufgewärmte Auto-Sendung, die irgendwann unbemerkt in der Versenkung verschwunden ist.

Deshalb sollten sich die Produzenten von Top Gear ein Beispiel an Chris Evans nehmen und sich ein neues Konzept für die immer noch exzellente Marke überlegen. Top Gear im derzeitigen Format hat seinen „Jumping the shark“-Moment definitiv erreicht.