So will der Hyundai i30 den Golf schlagen

Kultivierte Fadesse aus Korea

Text: Thomas Geiger

Er ist der kleinste gemeinsame Nenner und deshalb der größte Erfolg: Weil es der VW Golf allen recht machen will, hat er zwar keinen sonderlich ausgeprägten Charakter, dafür aber umso mehr Kunden – und steht deshalb seit Jahrzehnten in der Zulassungsstatistik ganz oben. Und weil Koreaner schlaue Leute sind und schneller lernen als der Rest der Welt, hat sich Hyundai den Besteller aus Wolfsburg zum Vorbild genommen.

Wenn die Streber aus dem fernen Osten Ende Januar mit günstigen Preisen gegen Golf & Co die dritte Generation des i30 an den Start bringen, dann punkten sie deshalb vor allem mit kultivierter Langeweile und ziehen gegen den Branchen-Primus mit seinen eigenen Waffen ins Feld.

Stimmiges Design ohne Ecken und Kanten

Das Design zum Beispiel ist zwar komplett neu. Der i30 trägt als erster Hyundai den Kaskaden-Grill. Und aus welcher Perspektive man den Fünftürer auch anschaut, sieht er stimmig und solide aus. Doch es gibt nichts, woran der Blick haften bleibt und nichts, woran er sich reiben könnte. Sondern genau wie beim Golf ist die Form schon vergessen, noch bevor der i30 um die nächste Kurve verschwunden ist.

Innen sieht es nicht viel anders aus. Die Oberflächen fühlen sich gut an, die Displays sind gestochen scharf, die Schalter wirken wertig und alles ist fein säuberlich sortiert – aber auch im Cockpit gibt es kein Augenzwinkern und keine Aha-Effekt, sondern die nüchterne Perfektion einer deutschen Amtsstube.

Statt auf- oder zumindest anzuregen, will der i30 lieber besänftigen, entspannen und beruhigen. Die dritte Auflage des Kompakten, wieder weitgehend in Rüsselsheim entwickelt und in Tschechien gebaut, ist deshalb ein buchstäblich grundsolides Auto, das sich von nichts und niemandem aus der Ruhe bringen lässt. Nicht umsonst hat Hyundai die Karosseriesteifigkeit mit mehr als 50 Prozent hochfesten Stählen und 120 Metern Klebenaht erhöht, den Wind wirkungsvoll ausgesperrt und den ganzen Wagen so gut gekapselt, dass man sich wie sonst nur in deutlich teureren Modellen der Welt noch entrückter fühlt.

Nur beim Fahren selbst begnügt sich Hyundai nicht mehr mit der Rolle als Langeweiler. Wo die Koreaner bislang eher nüchterne und deshalb relativ kühle Autos gebaut haben, kommt jetzt tatsächlich ein wenig Fahrspaß auf. Ein echter Pulsbeschleuniger ist der nächste i30 zwar nicht. Diese Rolle soll schließlich bald der GTI-Gegner des neuen Sportablegers N-Brand spielen, dem deutlich mehr als 200 PS nachgesagt werden. Doch statt teilnahmslos im Verkehr mit zu schwimmen, greift man jetzt viel beherzter ins Lenkrad, hat ein besseres Gefühl für die Fahrbahn und immer mal wieder ein Grinsen im Gesicht: Der i30 reagiert schneller, fährt vorhersehbarer, federt ohne Komforteinbußen straffer und macht einen rundherum engagierteren Eindruck.

Motoren zurückhaltend

Bei den Motoren allerdings üben die Koreaner vorerst noch Zurückhaltung: Es gibt zunächst nur drei Diesel und drei Benziner im schmalen Band zwischen 95 und 140 PS. Der ganze Stolz der Ingenieure ist ein neuer 1,4-Liter-Turbo. Der Motor ist zwar flüsterleise, hat einen soliden Antritt und passt vor allem mit der Doppelkupplung gut zum strebsamen, unaufgeregten Wesen des i30, fährt mit 140 PS und 242 Nm aber leistungsmäßig nicht in der ersten Liga. Für den Sprint von 0 auf 100 muss man sich deshalb 9,2 Sekunden Zeit lassen und mehr als 205 km/h sind nicht drin. Aber dafür stehen im Datenblatt auch nur 5,5 Liter und für notorische Raser gibt’s ja bald Nachschlag im Zeigen des N.

Die solide Karosserie und das piekfeine Innenleben erinnern nicht von ungefähr an VW und bei 4,34 Metern Länge, 2,65 Metern Radstand und 395 bis 1301 Litern Kofferraum sind auch die Platzverhältnisse vergleichbar. Doch bei der Ausstattung fahren die Rivalen einen konträren Kurs. Während VW für Geld und gute Worte fast alles einbaut, was gut und teuer ist, bietet Hyundai Technik um der Tecgnik willen erst gar nicht an. Matrix-Licht oder ein digitales Cockpit sucht man deshalb vergebens. Dafür schüren die Koreaner schon für das Basismodell ein stolzes Paket mit Tempomat, Spurhalte- und Fernlicht-Assistent, Müdigkeitswarner und City-Notbremsfunktion und haben auf der Optionsliste nur Extras, die wirklich einen Kundennutzen versprechen und trotzdem reichen, um die Asien-Konkurrenz zu düpieren. Denn LED-Scheinwerfer, Apple CarPlay oder Android Auto, Abstandsregelung und schlüsselloses Zugangssystem  haben Honda, Toyota & Co in dieser Klasse noch nicht durchgängig zu bieten.

Zwar ist es für Hyundai wahrscheinlich sogar ein Lob, wenn man im i30 einen kultivierten Langweiler vom Schlage des Golf erkennt. Doch wie jeder Streber träumt auch der Aufsteiger aus Korea von der Rolle als Verführer und will deshalb auch die Herzen gewinnen und nicht nur das Hirn. Deshalb haben die Koreaner bereits eine große Familienplanung gemacht und neben dem Kombi für Genf zur IAA eine weitere Karosserievariante angekündigt. Als Mischung aus Coupé und Steilheck soll den Kunden dann tatsächlich den Kopf verdrehen und alles sein, nur nicht langweilig.