Familienkutsche statt Offroadrowdy

Der Hyundai Santa Fe

“Bing! Bitte berücksichtigen Sie die Geschwindigkeitsregeln“ – wenn man mit dem richtigen Navigationssystem in Seoul aus der Stadt fährt, klingeln einem nach wenigen Minuten die Ohren. Denn nirgendwo gibt es strengere Geschwindigkeitsregeln und nirgendwo werden sie schärfer kontrolliert als in Korea. Fahrspaß jedenfalls kommt da nicht auf. Aber wenn die Entwickler bei Hyundai & Co etwas beherrschen, dann ist es die kultivierte Langsamkeit.

Von Thomas Geiger

Kaum ein Auto beweist das so deutlich wie der neue Santa Fe, der als Flaggschiff der wachsenden SUV-Flotte von Hyundai nach den Sommerferien nach Deutschland kommt. Flüsterleise, mit einer seidensoften Achtgang-Automatik und einem wolkenweichen Fahrwerk bummelt er über die Autobahn und will nur wenig wissen von den 182 PS, die der mittlere der drei Diesel bereitstellen könnte. Wobei man sich davon ohnehin nicht täuschen lassen darf. Denn selbst wenn man den 2,0-Liter aus der Reserve lockt, gönnt er sich stolze zehn Sekunden für den Sprint auf Tempo 100 und kommt bei Vollgas schon bei 201km/ aus der Puste.

Zwar kann man den Softie unter den Mittelklasse-SUV mit dem Wechsel des Fahrprofils durchaus etwas nachschärfen. Denn im Sportmodus ändert sich nicht nur die Farbe der Cockpitbeleuchtung, sondern tatsächlich wird die Lenkung etwas direkter, Gaspedal und Automatik sind hungriger und vor allem nimmt der Allradantrieb auch ohne Schlamm und Schnee zur Kenntnis, dass die Hinterachse vielleicht auch bisschen Kraft vertragen könnte.

Doch im Grunde passt die gemütliche Gangart gut zur neuen Positionierung des Santa Fe. Denn wo der Geländegänger in den ersten drei Generationen ein reines „Männerauto“ war, das vor allem die Freizeitfraktion bedienen und die kleine Flucht aus dem Alltag ermöglichen wollte, wird aus dem Macho-Mobil wird eine Familienkutsche, mit der Hyundai vor allem Eltern ansprechen will.

Das merkt man neben der betont defensiven Auslegung nicht allein am deutlich gemäßigten, sehr viel eleganteren Design und den sichtlich größeren Fensterflächen entlang der Flanken. Sondern das zeigt nicht zuletzt die Ausstattung. Denn zu den üblichen Assistenzsystemen von der automatischen Abstandsregelung bis zur Spurführungshilfe gibt es neuerdings auch ein paar besonders kinderfreundliche Sicherheitstechnologien. So bleiben die Fondtüren beim Aussteigen verriegelt, wenn die Elektronik einen von hinten nahenden Radfahrer oder ein Auto erkennt. Und wer tatsächlich seinen Nachwuchs oder sein Haustier im Wagen einsperrt, dem reden erst die Alarmanlage und dann eine spezielle App ins Gewissen. So vergisst man definitiv niemand mehr auf der Rückbank.

Der Kuschelkurs mit der Familie ist aber nicht der einzige Richtungswechsel, den der Santa Fe mit der vierten Generation hinlegt. Sondern er spielt auch im Modellprogramm eine neue Rolle: In Länge und Radstand um jeweils sieben Zentimeter gestreckt, rangiert er mit 4,77 Metern nun exakt zwischen dem bisherigen Fünfsitzer und dem Grand Santa Fe mit sieben Sitzen und muss damit beide Kundengruppen bedienen. Denn jetzt, wo das Standardmodell in der Grundkonfiguration 625 Liter Kofferraum bietet und der Platz für eine dritte, wenig bequeme und deshalb für Deutschland noch nicht entschiedene Sitzbank reicht, wird das Dickschiff hinfällig. Damit allerdings ändert sich auch die Preispositionierung: Nachdem der kleine Santa Fe bislang etwa 31.500 und der Große mindestens 48.000 Euro kostet, dürfte der Neue wohl irgendwo zwischen 36 und 38.000 Euro landen.

Mehr oder minder alles beim Alten bleibt dagegen beim Antrieb. Denn die Motoren, den Allrad und die Achtgang-Automatik als Alternative zum Schaltgetriebe kennt man bereits aus anderen Hyundai-Modellen und der Feinschliff bringt an der CO2-Front im Mittel nur vier Prozent. Einziger Benziner ist ein 2,4-Liter mit 185 PS und bei den Dieseln kann den 2,0-Liter aus dem Testwagen auch mit 150 PS bestellen oder einen 2,2-Liter mit 197 PS wählen. Und zur Modellpflege gibt es dann womöglich auch einen Plug-In-Hybriden.

Bevor die Koreaner den entwickeln, gehen sie aber mit dem Santa Fe erst noch einmal auf die Nordschleife und auf die einsamen Straßen drum herum. Denn um das Auto auch für Europa fit zu machen, taugen die heimischen Autobahnen denkbar wenig, müssen die Entwickler einräumen. So oft, wie dort geblitzt wird und so gründlich wie die Navis warnen, bekommt man eher einen Tinitus als ein Auto nach europäischem Geschmack.