Die großen Motorradhersteller haben auf der Intermot Köln ordentlich etwas hergezeigt, darunter das eine und andere wirklich neue Eisen. Für die EICMA in Mailand (November) haben sie sich aber noch Etliches aufgehoben.

Herbstzeit ist Motorrad-Messezeit. Vielleicht nur ein schwacher Trost für die nahende Motorrad-Auszeit. Doch immerhin eine schöne Gelegenheit, beim Anschauen der neuen Eisen zu überlegen, mit welchem Bock – oder auch Böcken – man 2017 ausreiten könnte. Das bietet die Intermot Köln, alle zwei Jahre, dieses Mal von 5. bis 9. 10. Unter den Novitäten ist heuer viel Nacktes, pardon Unverkleidetes. Stark besetzt ist die klassische Schiene. Der Trend zur Mittelklasse setzt sich fort. Dennoch wurde dem Leistungsgedanken nicht abgeschworen, und auch aus der Supersportlerinnen-Ecke kommen anregende Lebenszeichen, die sich mit gar nicht unschuldigem Outfit maskieren, mit echt bösem G’schau daherkommen.

BMW, als Quasi-Hausherr in Deutschland, eröffnete den Präsentationsreigen mit einer Reihe frischer Derivate und Überarbeitungen. Neue Geschwister dazubekommen hat die Klassikerinnen-Baureihe R nineT, mit Luft-/Öl-gekühltem 1170-ccm-Zweiyzlinder-Boxer und unverändert 110 PS: die Café Racer und die Pure, Erstere in echt klassisch ausgelegter Langstreck-Sitzposition, Zweitere mit Stahltank und Druckgussfelgen. Schärfer gemacht haben die Münchner ihre Naked Bike-Variante der Supersportlerin S 1000 RR: Der S 1000 R wurde das Kleidchen knapper geschnitten. Dabei hat sie zwei Kilo Gewicht verloren. Dafür wurde ihre Leistung von 160 auf 165 PS gesteigert. Eine Aktualisierung gönnte die Zweirad-Abteilung der Propellermarke ihrer Sechszylinder-Tourerin K 1600 GT, mit neuer LED-Lichtsignatur, Schaltassistent und Notrufsystem sowie weiteren Technik-Features.

Kawasaki lieferte einen gewohnt schwarz glänzenden Auftritt mit neongrünen Untertönen in Köln. Auf den Podesten stand unter anderem die zweizylindrige Ninja 650. Sie bringt’s auf 90 PS, was auch auf A2-Schein-gerechte 48 PS reduziert werden kann. Auf der Hochleistungsseite firmiert die Dritte im Bunde der HP-Hypersportlerinnen: die auf 120 Stück limitierte Carbon-Version, allerdings die ohne R, also mit „nur“ 200 PS (statt 310). Ebenfalls in der 200-PS-Klasse firmiert die ZX-10R. Sie kommt für 2017 in einer RR-Variante, mit technischen Goodies wie geschmiedeten Alu-Rädern, bearbeiteten Federelementen, einem Schaltassistenten und vielem mehr. Upgedatet ist die sportliche Tourerin Z1000SX, mit neuen LED-Scheinwerfern, optimiertem Windschutz und Assistenz-Elektronik.

Suzuki hat sich fest ins Zeug gelegt. Zeugen davon sind die frisch aufgelegten Adventure-Eisen der V-Strom-Familie. Auf neue Räder gestellt sind sowohl die 1000er als auch die 650er. Zweitere gleich in zweifacher Ausführung, als Straßen-bereifte Allrounderin und als gröber beschuhte und damit auf schottrige Wege ausgelegte XT. Ebenfalls – endlich – da ist die im Vorjahr besprochene GSX-R 1000. In diesem Segment gibt’s auch etwas für die Youngsters, mit der GSX-R 125. Und in der Naked-Abteilung macht sich die neue GSX-S 750 stark.

Yamaha legt mit der SCR950 einer weitere moderne Klassikerin auf, mit 942 ccm-V2 (60°) und luftgekühlt. Es gibt noch keine offizielle genaue Leistungsangabe, es dürften knapp mehr als 50 PS sein. Der in der heurigen Saison debutierten MT-10 (160 PS) – der Super-Nackten mit dem herzhaft böse-grimmigen Gesicht – haben die Stimmgabel-Japaner eine SP-Version zur Seite gestellt, mit Technologie-Details aus dem Race-Bike YZF-R1M, zum Beispiel einer elektronisch gesteuerten Federung und Dämpfung. Aktualisiert und upgedatet wurde die dreizylindrige MT-09 (115 PS).

Triumph baute die Klasse der Modern Classics weiter aus, und zwar die 900 ccm-Baureihe. Neueste Derivate der kleineren Bonneville sind die T100 sowie die T100 Black (jeweils 55 PS) und die, unter „Urban Sports“ firmierende Street Cup (ebenfalls 55 PS).

Der Award für den am dichtesten belagerten Stand gebührte wieder einmal KTM. Im Zentrum stand jenes Eisen, mit dem die Mattighofener in die MotoGP einsteigen: die RC16, die in der Königsklasse des Straßen-Rennsports nicht nur mitmischen soll. Sie thronte über ihren upgedateten und fürs Modelljahr 2017 nochmals verfeinerten Reiseenduro-Schwestern: 1290 Super Adventure R, S und T (160 PS) sowie der 1050 Adventure und der 1050 Adventure R (125 PS) – die einen wie die anderen entweder auf den ernsthaften Enduro- oder auf den Allwege-tauglichen Alltagseinsatz abgestimmt.

Honda feierte die CBR1000RR Fireblade anlässlich ihres 25. Geburtstages. Die rundum überarbeitete und frisch interpretierte Supersport-Ikone ist Gewichts-reduziert – auf 195 Kilo fahrfertig – und Leistungs-gesteigert – auf 192 PS. Zur scharf gemachten SP kommt die noch schärfere Schwester SP2, die ist für den Racing-Einsatz ausgelegt, für sie wird auch ein extra Racing-Kit offeriert. Und wer befürchtet hatte, dass die fetten Vierzylinder-Klassikerinnen verschwinden würden, der kann beruhigt sein. Zumindest die CB1100 (90 PS) ist nach wie vor sehr lebendig, sowohl in der EX- als auch in der Caféracer-inspirierten RS-Version.

Bei Aprilia hat man dafür gesorgt, dass die Referenzmodelle technisch up to date bleiben, soll heißen die RSV4 (201 PS) und die Tuono V4 (175 PS). Beide haben noch etwas mehr Elektronik dazubekommen, die Fahrwerke sind überarbeitet, es gibt eine neues TFT-Display, beide sind Emissions-technisch auf die Euro 4-Norm gebracht. Dabei wurde nicht auf die Einsteiger vergessen: Der Donnervogel hat eine kleine Schwester bekommen. Die Tuono 125 offeriert supersportliches Naked Bike-Feeling in der Achtelliterklasse.

Ducati stellte die komplette aktuelle Palette auf den Intermot-Stand. Technisch aktualisiert sind die Panigale 1299 und 1299 S, mit einer neuen Farbe kommen Multistrada und Monster 821, und zwar in topmodernem Grau. Als Premieren-Highlight aber hatten die Italiener die brandneue SuperSport mitgebracht: ein rundum sportliches, in Leistung, Dimensionen und Umgang jedoch alltagstaugliches Eisen, wie die Bologneser betonen. So oder so führt die Neue eine lange gepflegte Tradition eines ikonischen Modells fort: der legendären Supersport, in den vorigen Generationen noch mit SS abgekürzt. Die Neue holt aus dem 937 ccm-Testastretta V2 solide 113 PS, sowohl die Standard-Version als auch die fein ausgestattete – auch an der Farbe weiß erkennbare – S-Variante.

Stichwort Herbszeit ist Messezeit: Was in Köln noch nicht zu sehen war wird in Mailand, auf der EICMA, die von 8. bis 13. November wie gewohnt auf dem Messegelände in Rho-Pero über die Bühne gehen wird, hergezeigt. Denn Ducati-Boss Claudio Domenicali hat bei der Präsentation der neuen SuperSport unmissverständlich klargestellt, dass das erst der Anfang sei. BMW verspricht ein neues Wiederbelebungs-Modell. Kawasaki ging einen Schritt weiter, und nennt das, was in der lombardischen Metropole auf der Bühne stehen wird beim – klassischen – Namen: Z 650 und Z 900. Aus der Piaggio-Gruppe – Vespa, Moto Guzzi & Co. -, die in Köln zwar anwesend, aber nicht mit Neuheiten vertreten waren, sollte auch noch etwas zu erwarten sein. Und KTM hat sich mit Sicherheit etwas für Mailand aufgehoben. Man darf gespannt sein.