Aufgepasst, AMG GT?

Der BMW 8er: Sport im Anzug

Sie predigen zwar die Freude am Fahren und bauen die vielleicht dynamischsten Limousinen in der Oberklasse, doch wenn es in der High Society wirklich sportlich wird, muss ausgerechnet BMW passen. Bis jetzt, denn der 8er kommt.

Von Thomas Geiger

Wer ein schnittiges Coupé mit reichlich Luxus und hoher Leistung sucht, der wird bei Mercedes und dem S-Klasse Coupé fündig. Und wer es in der Luxusliga ernst meint mit dem Sport, der kommt um den Porsche 911 nicht herum. Das haben sie jetzt offenbar auch in München erkannt und ihr Oberstübchen entsprechend neu möbliert: Wenn im November zu Preisen weit über 100.000 Euro der 8er den 6er beerbt, trägt er nicht nur eine neue Nummer. Der 4,84 Meter lange Zweitürer mit aggressiver Front, der hoch in die Haube gezogenen Niere, den breiten Hüften, den zwei Dellen im Dach und dem knackigen Heck, sieht deutlich schnittiger aus. Und was die ersten Runden im seriennahen Prototypen erahnen lassen, fährt er dank Hinterradlenkung, Wankstabilisierung und Sperrdifferential auch so.

Für Herzklopfen sorgen dabei zunächst zwei Motoren, die beide mit Allradantrieb und Achtgang-Automatik kombiniert sind: Wer halbwegs vernünftig bleiben will, dem empfehlen die Bayern den 840d, den ein drei Liter großer Sechszylinder-Diesel mit 320 PS und 620 Nm in 4,9 Sekunden auf Tempo 100 und danach mühelos auf 250 Sachen beschleunigt. Und wer es tatsächlich mit S-Klasse-Coupé und Elfer aufnehmen will, dem machen sie den M850i schmackhaft: Als M Performance-Modell ist der nicht nur noch ein bisschen stärker überzeichnet und wirkt so provokant wie ein ausgetreckter Mittelfinger im Samthandschuh. Sondern er bekommt eine weitere Evolutionsstufe des bekannten V8-Motors, mit der die Leistung des 4,4 Liter Triebwerks auf 530 PS und das maximale Drehmoment auf 750 Nm klettert. Das reicht für einen Sprintwert von 3,7 Sekunden und macht die 250 km/h Spitze zu einer reinen Formalität.

Während Aussehen und Antrieb den 8er ganz klar zum Sportwagen stempeln, gibt sich das Coupé innen luxuriös und komfortabel: Es gibt deshalb reichlich Lack und Leder, ein paar neue Designdetails wie Zierelemente aus Glas auf dem Schaltknauf, bequem und trotzdem stark konturierte Sitze und ein stark auf den Fahrer fokussiertes Cockpit, in dem neu gestaltete Digitalinstrumente flimmern.

Allerdings beschränkt sich der Luxus auf die erste Reihe. In der Zweiten geht es so knapp zu, dass sich BMW sogar die Kopfstützen gespart hat und man die Ledercouch besser als Ergänzung zum 420 Liter großen Kofferraum sieht. Macht aber nichts, sagen die Bayern. Denn wenn im Frühjahr 2019 das Cabrio kommt, haben Hinterbänkler zumindest ein bisschen mehr Kopffreiheit und spätestens mit dem für Ende 2019 avisierten Gran Coupé wird der 8er dann wohl tatsächlich zu einem 2+2-Sitzer.

Zwar positioniert BMW den 8er mehr denn je als Fahrerauto, mit dem endlich wieder der Weg zum Ziel wird. Doch zugleich gibt hier ein Assistenzsystem seinen Einstand, dass den nächsten Schritt zum autonomen fahren macht. Denn der Achter wird der erste BMW mit erweitertem Rückfahrassistenten und merkt sich die letzten 80 Meter in einem Parkhaus oder auf einem Parkplatz so genau, dass er die Strecke auf Knopfdruck automatisch rückwärts abfährt. Aber das hat mit Fahrspaß schließlich auch nicht viel zu tun.

Der Baureihenleiter von „The 8“ ist übrigens ein Österreicher. Wir trafen Markus Flasch in Le Mans und stellten ihm ein paar gewitzte Fragen zu seinem neuesten Baby.