Die Jagd auf Tesla ist eröffnet

Der Jaguar i-Pace

Audi e-Tron, Mercedes EQC und Porsche Mission E: Ankündigungen für edle Elektroautos mit reichlich Leistung und großer Reichweite gibt es viele. Doch bislang war Elon Musk mit seinen Teslas allein auf weiter Flur. Aber jetzt wird es tatsächlich ernst für den Vorreiter der elektrischen Revolution. Denn ausgerechnet in einer Zeit, in der Tesla ein wenig von seinem Glanz verliert, weil die Amerikaner ihr Model 3 partout nicht in vernünftigen Stückzahlen aus der Fabrik bringen, macht sich jetzt mit Jaguar der erste ernsthafte Verfolger auf den Weg und eröffnet die Jagd auf Model X & Co. Schließlich zeigen die Briten 18 Monate nach ihrer ersten Studie nun endlich die Serienfassung des i-Pace, der im Sommer zu Preisen ab 77.850 Euro in den Handel kommt.

Von Thomas Geiger

„Damit schlagen wir ein neues Kapitel unserer legendären Marke auf“, sagt Designchef Ian Callum, der von den neuen Freiheiten schwärmt, die ihm ein Auto ohne Verbrenner bietet – und die er weidlich genutzt hat. Denn der i-Pace sieht mit seiner ungewohnt weit nach vorn gerückten Kabine, mit dem flachen Dach und dem keiligen Heck nicht nur frischer und futuristischer aus als etwa der Mercedes EQ und sehr viel eleganter als ein Tesla Model X und ist mit einem cw-Wert von 0,29 auch noch so windschnittig, dass die Reichweite nicht über Gebühr geschmälert wird. Sondern er bietet vor allem ein wirklich wegweisendes Package: Weil die 90 kWh große Batterie als flaches Paket im Wagenboden verschwindet und die beiden kompakten Elektromotoren in den Achsen integriert sind, hat der i-Pace einen topfebenen Wagenboden und weil es im Bug keinen Platz mehr für den Verbrenner braucht, rückt die erste Reihe weiter nach vorn. Obwohl außen mit 4,68 Metern etwas kürzer als ein F-Pace, bietet der i-Pace mit 2,99 Metern Radstand fast so viel Innenraum wie ein gestreckter Range Rover und selbst beim Gepäck muss man nicht knausern: 656 Liter Ladevolumen sind deutlich mehr als der Standard in dieser Klasse.

Zwar werden sich Jaguar-Kunden ein wenig umstellen müssen mit dem i-Pace, und statt des Röhren eines Achtzylinders höhren sie das Surren der Stromer, doch bleibt der Fahrspaß nicht auf der Strecke, verspricht Projektleiter Ian Hoban: Nicht umsonst leisten die beiden Motoren jeweils 200 PS und bringen ohne Verzögerung je 350 Nm auf die Straße. Von der Elektronik zu einem sehr schnell reagierenden Allradantrieb gekoppelt und dank der Batterie im Boden mit einem 12 Zentimeter tieferen Schwerpunkt gesegnet, beschleunigt der i-Pace damit in 4,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h und lässt damit zumindest die die Grundversionen des Model X hinter sich. Und dass ihm der P 100 D davonfährt, können die Briten gut verschmerzen. Schließlich ist der ziemlich genau doppelt so teuer.

Ganz ähnlich wie Tesla hat Jaguar die Reichweite ausgelegt: 90 Kilowattstunden reichen nach dem aktuellen Messzyklus für 480 Kilometer, rühmen sich die Briten und versprechen obendrein kurze Ladezeiten: An einer Schnellladesäule mit Gleichstrom zumindest ist der Akku bereits nach 45 Minuten wieder zu 80 Prozent gefüllt.

Zwei Jahre nach der Premiere der ersten Studie auf der Autoshow in Los Angeles hat Jaguar die Entwicklung des i-Pace mittlerweile weitgehend abgeschlossen und beim Auftragsfertiger Magna in Graz beginnt so langsam die Produktion. Doch die Entwickler unternehmen derweil noch den letzten Feinschliff – vor allem, um aus dem Elektroauto die nötigen Emotionen zu kitzeln. Was den Sound angeht, haben sie das schon mal geschafft. Denn es dieses Kätzchen schnurrt nicht, sondern es surrt. Und es wird mit jedem Gasstoß lauter. Wer am Steuer sitzt, der wird das anschwellende Fiepen der Stromer genießen. Aber einem gewissen Herrn Musk könnte das bald gehörig Ohrensausen verursachen.