James Bond Spectre – zum 24ten Mal kämpft der Doppelnull-Agent gegen das Böse, die Versuchung und die Neuzeit. Rain-air Behaunski gab sich den Spaß.

Text: Rainer Behounek

Der erste Take dauert lange. Die durchgehende, minutenlange Szene nutzt Sam Mendes voll aus und zeigt darin das jahrzehntelang geschmiedete Wesen des 007-Agenten destilliert gleich zu Beginn auf. James Bond, das bedeutet Sexappeal, eiswürfel-pinkelnde Coolness, Gefahr und das furchtlose Daraufzugehen. Heiße Ladies, wilde Action und alles mit dem Ruhepuls eines Rollators.

Der britisch-humorige, unantastbare und über allen Dingen stehende Bond vereint sich in Spectre mit dem charakterstarken, verletztlichen, zweifelnden, liebenden James, den Daniel Craig so gekonnt herausarbeitet. Der Bond, der stets den Hut auf den Kleiderständerhaken trifft und der Bond, den es vom Kran runterschmeißt – beide stehen der Organisation Spectre und ihrem Oberhaupt, kurz aber brilliant gespielt von Christoph Waltz, gegenüber.

Ich verrate sicher nichts, außer dass – ACHTUNG – Bond überlebt. MI6 steht im Wandel, High-Tech und Surveillance sind angesagt. Niemand braucht mehr einen Mann, der den Abzug betätigt, wenn Satelliten und Bits und Bytes ganze Länder zu Fall bringen können. Bond wird ausrangiert, zumindest steht das im Memo, aber wir wissen doch alle, wie viel Memos James Bond in all den Jahren gelesen hat. Und so macht er sich auf die Suche nach dem gemeinsamen Nenner: Spectre, die Organisation die den Kraken als Symbol gewählt hat, weil sie ihre Finger überall drin hat, steht im Brennpunkt und ist drauf und dran, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Bond, antiquiertes Mobiliar aus einer alten Zeit, muss all sein Know-How reinbringen, um zum Kern vorzustoßen.

Weit davor ist man schon mitten drin im Abenteuer. Und das ist es doch, das uns Burschen und Mädls zu Bond hinzieht. Der alles könnende, gefährlich lebende Doppel-Null-Agent verzaubert uns, befreit uns für einen kurzen Moment von alltäglichen Zwängen und lässt uns Teil von einem Mann werden, der auf eigene Faust agiert, sich unabhängig und doch gebunden durch die Weltgeschichte schießt. Kein Bond vor Daniel Craig lebt den Glamour so stark aus. Der Neue wechselt seine unglaublich feschen Tom Ford-Anzüge öfter als Lady Gaga das Bühnenoutfit während eines Konzerts. Omega rettet ihm das Leben, Belvedere Vodka und Aston Martin führen ihn durch die spannungsgeladene Nacht, Jaguar bietet ihm den passenden Gegenpart. Der Aston Martin DB10 mit seinem 4,7-Liter V8 brüllt aus der Leinwand heraus, während ihm der Jaguar C-X75 dicht auf den Fersen ist. Eine schöne Szene, aufs Wesentliche konzentriert düsen die zwei Herrschaften durchs verlassene Rom und schenken den Karren nichts. Alle zehn für den Film gebauten Astons überlebten den Trubel, einer wird sogar im Zuge einer Auktion für einen guten Zweck versteigert.

Ob es der beste Bond aller Zeiten ist? Kann und darf man nicht fragen – Connery war der Beste für seine Zeit, Moore, Brosnan und Co. für die Ihre (Wobei, wenn Sie mich fragen: Loveboat-Bond Moore hätte maximal einen Bösewicht spielen dürfen aber Geschmäcker sind eben verschieden). Sieht man vom etwas hakeligen Grund ab, weshalb die Organisation und ihr König die ganze Action-Party veranstalten, enttäuscht Spectre nicht und liefert alles, was einen James Bond-Streifen ausmacht. Zwei Highlights gibt es oben drauf: Monica Bellucci und Léa Seydoux.

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