Kommentar: Warum mich brennende Autos stören

Der Hype um brennende Sportwagen – und warum mich das stört.

Ein Kommentar zu Rainer Behouneks Artikel

von Philipp Stalzer

Zwangsläufig mag da wohl mit der Zeit das falsche Gefühl entstehen, was brennende oder nicht brennende Autos betrifft – und wer ist Schuld? Das Internet. Sensationsgeil wie es der Mensch von Natur aus nun mal ist, zieht man sich einfach gerne das rein, worüber man heilfroh ist, dass es einem nicht selbst passiert ist. Den Gesetzen von Nachfrage und Angebot folgend, ist natürlich jede Sensationsmeldung dahingehend ganz weit vorn im Clickranking auf allen Websiten der Welt, die solche Filmchen oder Bilder hosten. Dazu muss es dann aber schon ein brennendes Hypercar sein – ein fackelnder VW Jetta oder ein mit Tomaten und Gurken beladener LKW lockt niemanden „hinter dem Ofen hervor“ (jaja, ich schmeiß das Geld in die Schlechte-Wortwitze-Box). Es ist also ganz einfach nicht so, dass nur Sportwägen gerne mal abfackeln. Auch die sich normalerweise bloß Rückspiegel abfahrenden Alltagsautos brennen mit einer Portion Pech auch mal aus – es interessiert aber halt einfach niemanden. Für Schadenfreude reichts bei einem Schaden von vielleicht 15.000 Euro nicht, der Voyeurismus wird davon auch nicht befriedigt – das Ergebnis: kein Video davon im Internet. Und was man auf Google nicht findet, ist nie passiert oder existiert nicht. Stimmts?

Technisch fragil oder Besitzer debil?

Sicher, die aufwändigen technischen Strukturen eines Sportwagens sind fehleranfälliger als das durchschnittliche Wald-und-Wiesen Auto, aber wirklich sehr oft ist auch Fahrlässigkeit schuld an einem Brand. Vor allem Mittelmotorautos sind in Verruf, sich gern mal spontan zu entzünden. Was Recherchen ergeben haben: vor allem dann, wenn der Fahrer Raucher ist. So ein glimmender Tschick, der lässig beim Fenster rausgeschnippt wurde, macht sich in der seitlichen Luftansaugung hinter der Türe von einem Porsche Boxster oder Renault Clio V6 nämlich garnicht so gut. Auch wäre es ratsam, beim Tanken seines Porsche 918 Spyder Vorsicht walten zu lassen, und den Zapfhahn so zu bedienen, dass der Sprudel beim Tankstutzen in Motornähe nicht im großen Stil vorbeipritschelt. Frischer Sprit auf heißen Oberflächen brennt nämlich sogar an einem VW Käfer spontan und sehr gut. Das ganze ist also nichts mehr als ein Glanzbeispiel von selektiver Wahrnehmung und es ist definitiv nicht so, dass jeder Sportwagen das latente Bedürfnis hat, je nach Laune spontan zur brennenden Todesfalle zu werden und seine Insassen vorsätzlich zu grillen. Bedauerlich ist es, wenn ein exklusiver Wagen in Flammen aufgeht – und die Runde macht so eine Sensationsmeldung halt auch schnell – aber sonst nix.