Ford Fiesta ST200 vs. Renault Twingo GT

Kraftzwerg und -zwerger

Darf’s ein bissl weniger sein? Ja, bitte! Wir stellen das Gemeinsame vor das Trennende und spüren in Ford Fiesta ST200 und Renault Twingo GT dem Reiz des Kleinen nach. Zum Glück sind sie vorher in den Zaubertrank gefallen.

Text: Bernhard „Verleihnix“ Katzinger / Fotos: Eryk Kepski

Die Kraftzwerge aller Couleurs haben nach wie vor ihre eingeschworene Fangemeinde unter den Autofreunden – und das nicht nur bei den Jungen. Zugegeben, im fortgeschrittenen Alter lernt der Mobilist Komfort zu schätzen, und so mancher opfert ein der Beschleunigung förderliches Verhältnis aus Gewicht und Kraft vollends einer die Wirbelsäule schonenden Einstiegshöhe. Weil wenn schon zur Feldenkrais-Therapie, dann gewissermaßen ganzheitlich, also riskiert man auch bei der motorisierten Fortbewegung keine unschönen und potenziell gesundheitsgefährdenden Verrenkungen. Blüht jedoch eines Märzens der zweite (oder dritte) Frühling, reizt vielleicht doch die Probefahrt, und mehr spaßhalber zunächst begibt man sich auf die Suche nach einer kleinen Giftspritze für die täglichen Wege, die einem zwar nicht den letzten Cent aus der Tasche ziehen, aber sehr wohl den Oberkörper beim Beschleunigen ordentlich in die Sitzlehne drücken soll.

Kein Vergleich, aber …

Dann stehen sie vor einem. Kraftzwerg und -zwerger. Schon der größere Fiesta ist höchstens als subkompakt zu bezeichnen, mittels 1,6-Liter-Dreizylinder-Benziner hoch passend fortgetrieben. Ecoboost nennt Ford seine kleinen Turbobenziner, mit Betonung auf „Boost“. Denn artgerecht bewegt, fällt der Abschied vom ausgewiesenen Normverbrauch von knapp über 6 Litern kurz und schmerzlos aus.

Der Twingo, unserer Nomenklatur folgend dann superkompakt, läuft ebenfalls serienmäßig auf drei Töpfen. Die Renault-Ingenieure haben das hinten sitzende TCe-90-Aggregat mittels modifizierten Ansaugtrakts und software-seitiger Kraftkur auf 110 PS und 170 Newtonmeter Drehmoment gepimpt. Und als ob das noch nicht Spaß genug verhieße, hat man auch an der Getriebeabstufung getüftelt und das Fahrwerk modifiziert. Das Ergebnis ist entsprechend, nix mit gemütlich mitschwimmen, sondern ausdrehen, schalten, ausdrehen … Noch vehementer fordert der Ford einen aktiven Fahrstil ein, sonst wären ja die feinen Sportsitze ganz umsonst.

Schneller Auftritt

Für optische Dynamik sorgen beim Franzosen die Lackierung in scharfem Pepper-Orange (andere Farben sind erhältlich, aber wozu?) ebenso wie die 17-Zöller, der zusätzliche Lufteinlass und die zwei Röhrln, aus denen neben dem Schlechten (Stichwort: Ende des Ölzeitalters) auch das Gute kommt, nämlich der Sound.

Auch die Ford-Karosse spricht vom ersten Anblick weg Klartext: Vorwärts! Unser Feldenkrais-Patient mag trotz des schicken Spoilers und der dynamischen Keil-Symbolik das Fehlen zweier Türen bemängeln, wegen der dadurch notwendigen Verrenkungen beim Verstauen des Harris-Tweed-Sakkos am Rücksitz, und zum viertürigen Twingo hinüberschielen. Aber die Klientel des ST200 lässt die Daunenjacke sowieso an beim Fahren – weil wenn man so schnell am Ziel ist, tut man sich keinen Garderobenstopp an. (Ist Ihnen das schon einmal aufgefallen, dass die jungen Menschen alle voll angezogen im Auto sitzen? Erst ab 40 wirft man die Jacke auf den Rück- oder Beifahrersitz, ehe man losfährt. Frühestens ab 50 benutzt man den Kleiderhaken am Haltegriff. Mysteriös, das.) Das Platzangebot in den beiden Autos ist verblüffenderweise durchaus vergleichbar – kein Zwicken, auch im Twingo, auch für Normalgroße.

Was hingegen als ein wenig unmodern auffällt: die vielen kleinen Knöpfe im Fiesta-Cockpit mit den vielen kleinen Beschriftungen sowie das kleine Display, das ein bissl an einen alten Gameboy erinnert. Sie sind aber zum Glück das Einzige, was den „Wiedereinsteiger“ mit dem Gleitsichtsehbehelf am dynamischen Ford-Kommen hindern könnte. Das Renault-Interieur ist deutlich aufgeräumter, moderner. Bis auf das etwas altbackene Cockpit ist im Fiesta jedoch alles auf Krawall gebürstet – der (etwas tief sitzende) Schaltknüppel, das griffige Steuerrad, das jederzeit gut Auskunft gibt über Vorhandensein und Beschaffenheit von Bodenhaftung, und die 200 Pferde, die sich kurzfristig noch 15 Artgenossen zu Hilfe rufen, wenn der Gasfuß einen Overboost anfordert und die Elektronik kurzzeitig mehr Ladedruck genehmigt. Das macht alles sehr, sehr viel Spaß – Verjüngungseffekt inklusive!

:Infoporn

Ford Fiesta ST200
Motor: 1,6 l Ecoboost Dreizylinder
Leistung: 200 PS
Beschleunigung von 0-100 in: 6,7 Sek.
Höchstgeschwindigkeit: 230 km/h
Verbrauch: 6,1 l/100 km
Drehmoment: 290 Nm
Gewicht: 1.160 kg
Preis ab: 28.500 Euro

Renault Twingo GT
Motor: TCe 110 Dreizylinder
Leistung: 110 PS
Beschleunigung von 0-100 in: 9,6 Sek.
Höchstgeschwindigkeit: 182 km/h
Verbrauch: 5,2 l/100 km
Drehmoment: 170 Nm
Gewicht: 1.076 kg
Preis ab: 15.990 Euro