KTM X-Bow GT, ein Gefährt so hart wie selten eines. Mittlerweile gibt es mehrere Varianten der kernigen „Armbrust“, wobei der 2013er KTM X-Bow GT bei Weitem der komfortabelste zu sein scheint. Doch wer nun eine Klimaanlage und Co. erwartet, der irrt!

Von Leserreporter Hans Irsching, Villach

Als im Jahre 2007 Geschäftsführer Stefan Pierer das Vorhaben, einen vierrädrigen KTM zu bauen, kundtat, gingen die Wogen hoch. Bei den einen machte sich Verzweiflung breit, gilt Kronreif – Trunkenpolz – Mattighofen seit jeher als exzellenter Fabrikant spaßiger Zweiräder. Bei den anderen obsiegte die Hoffnung, endlich einen reinrassigen Sportwagen aus Österreich fahren zu können. Befürworter sowie Gegner wurden schließlich nicht enttäuscht, der X-Bow entpuppte sich als voller Erfolg, wurde gelobt, ja fast schon verehrt und mit den Jahren weiter überarbeitet. KTM baut nach wie vor Motorräder für jeden Zweck und Unzweck, doch die Idee für ein überdimensionales Gokart kam gerade recht. Wahrliche Konkurrenten sitzen in England (Ariel, Caterham) oder Mexiko (Vuhl 05) und schaffen den ungerecht schweren Einstieg auf die Straßen Zentraleuropas nur spärlich. Da kommt uns ein österreichisches Produkt mit Dampf und Klasse gerade recht!

KTM X-Bow GT: Gewichtsersparnis!

Geht ein Kunde zu KTM und bestellt den X-Bow mit Klimaanlage. Der Witz der Saison beim KTM-Dealer, handelt es sich beim KTM X-Bow GT doch um einen reinrassigen Sportler ohne ABS, ASR oder ESP und schon gar ohne Surround-System oder Touchscreen. Ohnehin unnötig, wenn man nichts anderes als fahren will. Wobei der GT ohnehin die bequemste Variante der Baureihe darstellt, verfügt er sogar über eine Windschutzscheibe. Diese lernt man zu schätzen, wenn einem bei 231 km/h Spitzengeschwindigkeit die Insekten das Gesicht verzieren. Unschön sowas. Ziel des X-Bow ist es, ein Freizeitgefährt mit Spaßfaktor darzustellen, keinen Nobel-Hobel mit elektronischer Einparkhilfe, Bluetooth-Schnittstelle oder vierfach variabler Sitzheizung. Ein sportliches Auto ohne Luxusausstattung, also unnötiges Mehrgewicht und ohne elektronische Helferlein, die einem beim sportlichen Betrieb ohnehin im Weg sind. Ziel ist es also, ein Auto darzustellen, wie wir Autoaffinen uns solch eines wünschen. Ohne Kompromisse. Ohne Spaßbremsen! Pur!

Ziel des X-Bow ist es, ein Freizeitgefährt mit Spaßfaktor darzustellen, keinen Nobel-Hobel mit elektronischer Einparkhilfe, Bluetooth-Schnittstelle oder vierfach variabler Sitzheizung.

320 PS pures Vergnügen!

Um den kernigen Burschen überhaupt bewegen zu können, empfiehlt sich als Vorbereitung der Gang ins Fitnessstudio, jahrelange Erfahrung mit reinrassigen Sportwagen oder der tägliche Verdienst als menschliche Hebebühne. Denn wer auf Servolenkung oder Bremskraftverstärker hofft, dem wird die erste Kurve eine Lehre sein. Alleine das Treten der Kupplung ist ungewohnt hart, auf die Dauer aber Gewöhnungssache und somit durchaus meisterbar. Man sollte den Verlust der elektronischen Helferlein allerdings nicht unterschätzen. Je nach Systemeinstellung hat die Armbrust zwischen 285 und 320 PS, was sich, gepaart mit lediglich 847 Kilogramm „Ready to Race“-Gewicht (ohne Tank und Fahrer), als höllische Kombination für unerfahrene Piloten entpuppt. Der KTM X-Bow GT verzeiht keine Fehler! Anstelle den Sportwagen auf den trostlos überfüllten öffentlichen Straßen zu bewegen, empfiehlt sich eine hübsche Bergfahrt. Kurvig. Gut!

Am Berg!

Der Villacher Hausberg mit Namen Dobratsch und seinen sieben Kehren schien durchwegs angemessen für eine Partie „Kommt der X-Bow quer daher?“ Doch Vorsicht: wenn er kommt, kommt er schnell! Die 420 Newtonmeter drücken die Hinterräder nur so in die Bredouille, wenn das Gaspedal zu beherzt gedrückt wird. Schnell reagiert und mit ein bisschen Übung macht die gewollte Unkontrolle richtig Spaß. Doch der KTM X-Bow GT eignet sich besser als Streckenrekordvehikel, welcher flugs aufgestellt war. Der Hinterradantrieb mit mechanischem Sperrdifferential verbeißt sich dank des 2,0-l-Vierzylinder-TFSI-Turbo-Mittelmotor von Audi und des geringen Gewichts auf der Vorderachse nur so in den Asphalt. Die 255er 19-Zöller tragen ihren Teil dazu bei. Wenn man will, sind dank des Grips sogar 90-Grad-Kurven möglich. Hilfreich, wenn einem auf der anderen Seite der Kreuzung die Schwiegermutter entgegenkommt. Der GT wartet nicht nur mit einer Windschutzscheibe auf, er verwöhnt seine Insassen sogar mit einem Dach. Obwohl die Bezeichnung „Dach“ fast übertrieben scheint. Behelfswetterschutz beschreibt das Ding besser. Im spärlichen Raum des Beifahrers untergebracht, muss man sich vor ein paar Wolken keinesfalls fürchten. Kommen wir zum essentiellen Teil: dem Preis. Der von uns getestete KTM X-Bow GT schlägt mit rund 130.000 Euro zu Buche. Eine Menge Schotter, keine Frage. Wer jedoch auf puren Fahrspaß ohne hochtechnologische Helferlein, nahezu ohne Komfort, ohne Schnickschnack und sonstigen Unnötigkeiten steht, einfach nur fahren will und das möglichst schnell und präzise, dem sollte es der KTM X-Bow GT wert sein.

Herzlichen Dank an Peter Leber und sein Team bei Motec Villach!

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