Mazda MX-5 RF

Lord Helmchen

Zwar gilt der Mazda MX-5 mit seinem leicht verstaubaren Stoffverdeck als Inbegriff des puristischen Roadsters. Doch weil auch die Japaner auf Stückzahlen schielen und um die Bequemlichkeit des gemeinen Autofahrers wissen, legen sie ihre Ikone ein Jahr nach dem Start der neuen Generation jetzt wieder mit versenkbarem Hardtop auf.

Von Thomas Geiger

Allerdings haben sie sich dafür diesmal ein bisschen mehr einfallen lassen. Denn wo der Vorgänger nur eine unförmigen Plastikhaube im Stil eines Baustellenhelms getragen hat, die gefährlich nach Bastellösung aussah, bekommt die vierte MX-5-Generation einen komplett neuen Aufbau und damit einen ganz eigenen Charakter. „Retractable Fastback“ nennt Projektleiter Nobuhiro Yamamoto die jetzt auf der Motorshow in New York enthüllte Konstruktion, die ein bisschen nach 911 Targa aussieht und zwei wunderbare Höcker über dem Heck trägt: „Damit möchten wir versteckte Emotionen und schlummernde Wünsche unserer Kunden wecken und die Freude, einen offenen Sportwagen zu fahren, einem noch größeren Publikum nahebringen,“ sagt Yamamoto über den gezähmten Radikalen unter den Roadstern.

Wenn der MX-5 RF bei uns im Sommer zu Schätzpreisen ab knapp 30.000 Euro an den Start geht, gibt es deshalb anstelle der knapp geschnittenen Stoffmütze ein kompliziertes Hardtop über markanten C-Säulen, die diesmal auch bei offenem Verdeck stehen bleiben und dem MX-5 deshalb einen neuen Look geben. Das gesamte Dach bewegt sich elektrisch und klappt zumindest bei Schrittgeschwindigkeit auch während der Fahrt zusammen. Und obwohl die Mechanik aufwändig ist das System viel Platz braucht,  geht es im Kofferraum eng zusammen: Das Ladevolumen jedenfalls ist mit 130 Litern exakt so groß wie beim konventionellen Roadster.

Anders als bei der Version mit Softtop kann man im MX-5 RF den Grad der Freiheit individuell dosieren. So schützt die Insassen beim Offen-Fahren ein Windschott aus Acryl vor Zugluft, während sich im Gegenzug beim geschlossenen MX-5 sogar die Heckscheibe öffnen lässt, so dass der Sound den Innenraum flutet und man sich näher bei der Musik fühlt.

Die kommt bei der RF-Version ausschließlich von der stärkeren der beiden Motorvarianten: Weil der 1,5 Liter mit seinen 131 PS vielleicht doch ein bisschen schmächtig wäre für den sicher ein, zwei Zentner schwereren Komfort-Roadster, belassen es die Japaner für ihren neuen Ableger beim 2,0-Liter mit 160 PS, den sie wahlweise als Handschalter oder als Gipfel der Anbiederung an den Alltag sogar mit Automatik ausliefern.

Natürlich ist auch das Retractable Fastback im Grunde nichts anders als eine alternative Dachkonstruktion. Doch weil sie nicht nur die Silhouette verändert, sondern den Charakter des Autos, könnte sie die Zielgruppe für den MX-5 tatsächlich erweitern und ganz nach dem Vorbild des Porsche 911 Targa eine eigenständige Position im Portfolio beziehen. Das dient nicht zuletzt dem Bestandsschutz für den legendären Sportwagen, sagt Projektleiter Yamamoto. „Denn wer etwas bewahren möchte, der muss es immer wieder neu erfinden.“