• Dampfhammer!

    Mercedes-Benz C63 AMG S

    Mercedes-Benz C63 AMG S

Der Mercedes-Benz C63 AMG S ist nicht nur designtechnisch einer der gelungensten Sportkombis des Erdballs, auch fahrtechnisch kennt der forsche Bursche nur wenige Gegner im Segment. Wir sind zum Zwecke des Tests auf der südsteirischen Weinstraße unterwegs.

Von Karl Jereb

Die südsteirischen Weinberge bieten frühmorgendlich ein wunderbares Ambiente für Naturfetischisten. Zu dieser Jahreszeit befinden sich anstelle der Weintrauben bereits Tautropfen auf den Reben, die still und leise über die geerntete Verästelung tropfen. Ruhe. Ich gehe in mich und suche meine innere Mitte. Sitzend. Diese Unternehmung fällt allerdings äußerst schwer, wenn sich der gering beheizte, mit feinstem Leder bestückte Sitz im Mercedes-Benz C63 AMG S befindet. Die Verlockung, dem gesamten Gebiet mit dem kraftvollen Grollen des 4,0-Liter-V8-Biturbomotors ein Lächeln beim Aufwachen zu spendieren, ist einfach zu groß. Mit einer Entzückung, wie sie bei Motorjournalisten rar geworden ist, drücke ich den Start-Knopf. Flugs wird die zuvor auf der A2 eingelegte und zu Recht als Komfort-Modus betitelte Einstellung in den Sport-Modus gewechselt, um das Klappensystem des Vierrohrauspuffes in Richtung „Angriff“ zu stellen.

Mercedes-Benz C63 AMG S

Weinstraße

Man will den Motor schonend garen und überlässt der bereits umfangreich erprobten Siebengang-Automatik die Schaltarbeit. Schon die ersten Kurven zeigen, dass unter dem feschen T-Modell (wie auch beim AMG Coupé) ein überarbeitetes Fahrwerk, welches mit breiterer Spur, neuen Radträgern und härterer Abstimmung aufwartet, werkelt. Bei forscherem Vortrieb spürt man zusätzlich den schlichten Einsatz des neuen mechanischen Sperrdifferenzials, welches in Spitzkehren durchaus von Vorteil ist. Während die ersten Weinbauern vorüberziehen, erreicht die Anzeige die gewünschte Temperatur. Erlaubnis zur vollständigen Nutzung der wahnwitzigen 510 PS erteilt! Glücklicherweise haben die Behörden die Weinstraße noch nicht herunterreguliert und damit wieder einen wunderbar befahrbaren Teil österreichischer Straßen ruiniert. Wobei, die Breite der Straße misst sich ungefähr mit der Wagenbreite und reguliert die Fahrgeschwindigkeit somit selbstständig. Gegenverkehr? Fehlanzeige im Dezember!

Dampfhammer

Bei ambitioniertem Betrieb des Mercedes-Benz C63 AMG S ist das Ende der Weinstraße alsbald erreicht, ebenso wie der Endorphinhaushalt. Es ist faszinierend wie der heckgetriebene Kombi mit seinen 4,7 Metern um die engsten Kurven spurtet und erst bei extremer Belastung instabil wird. Erst wenn die komplette Kraft der 700 Nm auf die Hinterachse eindreschen, kann man den Sportkombi driftend um die Kurve bewegen, was weder Sinn noch Zweck des Wagens ist. Darum bemühen wir uns, eine gesittetere Behandlungsweise zu generieren und die 1.800 Kilogramm wieder stabil ans Ende der Weinstraße zu chauffieren. Wieder genießen wir eine wunderbare Aussicht und bewegen uns nahe an der Grenze zu Slowenien. Das frühmorgendliche Gefühl der Unbeschwertheit und der Ruhe durchströmt wieder langsam meinen Körper und der Gusto auf einen Sauvignon blanc überkommt mich. Beim Stelzl am Schlossberg 119 lässt sich dies problemlos verwirklichen, nicht nur flüssig, sondern ebenso fest, also jausentechnisch. Die Heimfahrt über die Autobahn erfolgt dank Distronic Plus und Spurhalteassistent möglichst entspannt. Der Blick auf die Preisliste erregt schlussendlich doch wieder ein wenig, denn mit 95.303 Euro Grundpreis ist es nicht getan. Unser Modell kostet 133.978 Euro oder ebenso viel wie 17,65 Dacia Sanderos. Wahre Liebe ist eben unbezahlbar.

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