• angriff des elektronensterns

    Mercedes-Benz gewährt einen Blick auf alternative Antriebe.

Mercedes-Benz hat sich vom Tesla-Elektroschock erholt und präsentiert seine neue Elektro-Strategie. Rechtzeitig zur Fußball-EM, so auf: Jetzt geht’s los…

Die Aktienkurse im Höhenflug, der Firmenchef ein Popstar und die Kunden so begeistert, dass sie sich selbst an monatelanger Vergzögerung und miserabler Verarbeitung nicht stören – der durchschlagende Erfolg von Telsa war für etablierte Autohersteller wie Daimler buchstäblich ein elektrischer Schock.

Doch so langsam haben sich die Schwaben gefangen, sortiert und eine eigene Strategie entwickelt, wie sie die Deutungshoheit über das Automobil behalten und den Newcomern mit einem weit aufgefächerten Gegenstoß Paroli bieten können. „Alle Mercedes-Baureihen werden elektrifiziert“, ist deshalb die Botschaft, mit der Entwicklungsvorstand Thomas Weber den Konzern auf die Road to the Future schickt und ihr als Treibstoff allein für die nächsten zwei Jahre sieben Milliarden Euro mit auf den Weg gibt.

Neue E-Architektur

Das buchstäblich spannendest Projekt aus diesem breiten Portfolio wird das erste designierte Akku-Auto von Mercedes, für das die Schwaben gerade eine komplett neue Architektur entwickeln. Ähnlich wie der Porsche Mission E und der Audi Q6 gilt dieses Auto mit angeblich mehr als 400 Kilometern Reichweite intern als der „Tesla-Fighter“ und soll die Zahl der Überläufer zum Model X in Grenzen halten. Zwar wird es noch zwei, vielleicht sogar drei Jahre dauern, bis Mercedes dieses Modell in Format und Zuschnitt des GLC von der Leine lässt. Doch zumindest einen ersten Ausblick auf den Hoffnungsträger soll es schon auf dem Pariser Salon zu sehen geben.

Smart wird dort deutlich konkreter. Denn die kleine Mercedes-Schwester enthüllt dann die nächste Generation des Smart ed, die noch in diesem Jahr in den USA und Anfang 2017 auch bei uns in den Handel kommen soll. Und weil der E-Motor gleichzeitig im Fordtwo, im Cabrio und im Forfour startet, feiert sich die Zwergentruppe als erste und einzige Marke, die alle ihre Modelle wahlweise mit Verbrenner oder E-Motor anbietet.

Steckdosensauger

Während man dort dann zwischen den Motorvarianten entscheiden muss, wird das Angebot an Fahrzeugen mit beiden Technologien an Bord mit viel Schwung weiter ausgebaut. Schon jetzt rühmt sich Mercedes der größten Flotte an Plug-In-Modellen. Und noch in diesem Jahr kommen mit der E-Klasse und dem GLC Coupé die Varianten sieben und acht dazu. Im nächsten Jahr soll dann das Facelift für die S-Klasse den nächsten großen Schritt einleiten. Denn dann kann man den Akku nicht nur induktiv vom Garagenboden aus laden. Sondern zum ersten Mal werden die Teilzeitstromer von Mercedes mit einer Batterieladung auch mehr als 50 Kilometer zurück legen können.

Neben dem batterieelektrischen Antrieb und dem Plug-In stehen die Schwaben weiter in Treue fest zur Brennstoffzelle und versprechen jetzt – mal wieder – die Serieneinführung. 2017, so die Ansage, soll es tatsächlich so weit sein. Und als wäre das zunächst in einem GLC montierte Kraftwerk, das aus Wasserstoff Strom für einen E-Motor erzeugt und als einziges Abgas Wasserdampf ausstößt, nicht schon komplex genug, spendiert Mercedes dem Paket auch noch eine Pufferbatterie mit Lithium-Ionen-Zelle, die man auch an der Steckdose aufladen kann. So schafft der GLC die ersten 50 von ,ehr als 500 Kilometer zur Not auch ganz ohne Wasserstoff.

Stern unter Strom

Zwar wirken Weber & Co mittlerweile so elektrisiert, als Stände der Stern tatsächlich unter Strom. Doch bei aller neu entdeckten Leidenschaft für diese Zukunftstechnologie werfen sie die bewährten Verbrenner nicht zum alten Eisen. Im Gegenteil: Nach einer neuen Diesel-Familie laufen sich nun auch neue Benziner war, denen Mercedes noch eine lange Karriere prophezeit. Für die künftigen Real-Life-Zyklen konzipiert und erstmals sogar mit einem Rußpartikelfilter bestückt, werden sie je nach Modell und Motorleistung auch mit neuen Startergeneratoren und einem 48 Volt-Netz kombiniert und erreichen so Verbrauchs- und Emissionswerte, die bis vor kurzen noch jedem Hybriden zur Ehre gereicht hätten, so Weber weiter.

Aber bei aller Liebe für Diesel und Benziner glauben sie mittlerweile auch in Stuttgart offenbar an den Beginn einer neuen Ära: „Bis 2020 wird Elektromobilität bei Daimler sechsstellig“, verspricht Weber und ist überzeugt: „Der Markt ist endlich so weit.“ Persönlich muss er für diese Ansagen den Kopf allerdings nicht mehr hinhalten: Zum Jahreswechsel geht er in den Ruhestand.

Text: Thomas Geiger
Fotos: Daimler AG

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