Der Mini, von BMW längst vom knorrigen Kleinstwagen zum drolligen Fashion-Accessoire umgebaut, möchte für gewöhnlich nur spielen. Außer das „Mini John Cooper Works“-Badge adelt ihn zum sportlichen Topmodell.

„Mit vollem Ernst zu noch mehr Spaß“ – so beschreibt der Presse-Infotext von BMW die Grundcharakteristik des Mini John Cooper Works. Selten aber doch kann man was von der ausgedruckten „Dauerwerbesendung“ direkt übernehmen. Denn gleich vorweg: nein, der John Cooper Works ist keine schale Marketingblase, er macht auch scharf gefahren wirklich Spaß und ist einem Ausflug auf eine Rennstrecke nicht abgeneigt – wenngleich für einen echten Hardcore-Sportler noch ein wenig Luft nach oben wäre. Der John Cooper Works orientiert sich somit perfekt an seiner Kundschaft, die neben dem Premium-Flair auch besondere Agilität und Dynamik schätzt, aber selten auf letzter Rille unterwegs ist. Eine Kundschaft die 32.350 Euro für einen Rabauken im Nadelstreif über hat und auch ganz gerne das 6-Gang Automatikgetriebe (1.021 Euro) dazu bestellt. Weils eh auch Spaß macht, sich mit Paddles hinterm Lenkrad recht flink selber schalten lässt und im Alltag einfach praktischer ist. Da, wo der John Cooper Works zu 99% zu Hause ist.

Der Mini John Cooper Works ist ein ausgewiesener Sportler

Es muss designtechnisch eine schwierige Grätsche sein, das treu dreinschauende Kullergesicht des Basis-Mini mit möglichst vielen Gleichteilen zu einem grimmig dreinschauenden Sportler zu wandeln. Das ist dem Team um den „JCW“ gut gelungen, auch in anderen Details als der Front. Am Heck wartet traditionell die mittig in einem Diffusor positionierte Doppelrohrauspuffanlage auf, die den Bariton des Grantes grandios zu spielen vermag. Von Turborauschen über rauchigen 4-Zylinderton bis hin zu Maschinengewehrartigen Knallsalven im Schubbetrieb ist alles dabei, das den spritaffinen Minilenker zufrieden schmunzeln lässt – und zum rotzigen Gesamtpaket, das das elitäre Elternhaus auch immer im Hinterkopf behält, gut passt. Eher „very british“ geht es dann innen zu. Ebenfalls mit exakt dosierten Sport-Insignien, aber ohne optisch übertrieben nervig auf und ab zu hüpfen und „jetzt-spiel-sofort-mit-mir“ zu brüllen. 1A: die Sportsitze mit serienmäßig feinem Alcantara-Leder-Stoffmix, wieder die feine Nuance zwischen Sport und Style gut getroffen. Über den guten Seitenhalt ist man erfreut, wenns mal knackig ums Eck gehen soll. Und dazu verführt der Mini nach wie vor subtil aber unnachgiebig.

Von Turborauschen über rauchigen 4-Zylinderton bis hin zu Maschinengewehrartigen Knallsalven im Schubbetrieb ist alles da, was den spritaffinen Minilenker zufrieden schmunzeln lässt – und zum rotzigen Gesamtpaket, das das elitäre Elternhaus auch immer im Hinterkopf behält, gut passt.

Mini John Cooper Works: Zackig, knackig, gschmackig

Das viel zitierte „Go-Kart Feeling“ ist dem Mini in der aktuellen Generation ein wenig abhanden gekommen, so erwachsen und „Premium-Kompakt“ kommt er rüber. Dass die Fahrerei aber trotzdem spaßig geblieben ist steht außer Zweifel. Mit der im Sport-Modus ultradirekten elektrische Servolenkung lässt sich der Mini John Cooper Works hastig und trotzdem exakt durch die Landschaft pilotieren. Die Motorleistung von 231 PS aus dem nun 2 Liter großen Turboaggregat fügt sich harmonisch in die zackig-knackige Gesamtatmosphäre. Weitere Daten: 320 Newtonmeter, 6.3 sec auf 100 (6.1s mit Automatik), 1280 Kilogramm Leergewicht. Der Motor spricht schnell an, surft aber lieber auf der Drehmomentwelle als die Gänge bis zum bitteren (Drehzahl-)Ende durch zu jodeln. Ein kleiner Zupfer am Lenkradpaddle legt dann die nächste Drehmomentcharge nach, wenn das Automatikgetriebe an Bord ist. Emotionaler und fahraktiver ist aber das Schaltgetriebe, das als Feature beim zurückschalten das Vorgas von alleine gibt, um einen perfekten Ganganschluss zu realisieren. Auf einigen flott gefahrenen Runden am „Circuito Mallorca“ hat sich der Mini John Cooper Works neben der Auskundschaftung dieser Eigenschaft als Spaßkanone bewiesen, wenngleich in manchen Kehren die nur durchs Stabilitätsprogramm realisierte Vorderachssperre der Traktion Grenzen gesetzt hat. Die fetten Brembo-Stopper hätten da aber noch eine Zeit lang mitgemacht, das Bremsgefühl bleibt auch unter Belastung spitzenmäßig. Ein wenig mehr Track-Focused ist aber durchaus noch möglich – aber dafür ist dann ja der auch schon traditionell aufgelegte „John Cooper Works GP“ zuständig. Beim nächsten Mal aber bitte mit einer mechanischen Vorderachssperre und eine Nordschleifenzeit, die dem frontgetriebenen Mitbewerb die Sorgenrunzeln auf die Stirn treibt, ja BMW?

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