Edelwerk

Die Moto Guzzi V7 III Carbon

Die meistverkaufte Moto Guzzi, die V7, gibt es für das Modelljahr 2018 auch in drei neuen, ab Werk veredelten Varianten. Das auffälligste der drei neuen Sondermodelle ist die V7 III Carbon.

Text: Gregor Josel / Fotos: Michael Alschner

Customizing ist en vogue! Bei den Klassikern wie Harley-Davidson und Co gehört das Individualisieren des eigenen Bikes schon seit jeher zum Standardprozedere nach dem Kauf eines neuen Motorrads. Dank der Etablierung des Themas Motorrad weg vom reinen Sportgerät hin zum echten Lifestyle und der damit in den letzten Jahren in diese Richtung extrem gewachsenen Modellportfolios der Hersteller kann man aktuell auf stylische Bikes in einer noch nie da gewesenen Vielfalt zurückgreifen. Da ist für jeden Geschmack, jeden Stil und jede Lebenslage das richtige Eisen dabei. Dieser Richtung folgend bringen zahlreiche Hersteller auch bereits ab Werk aufgemotzte Motorräder auf den Markt. Eine Marke mit langer Customizing-Historie ist jedenfalls Moto Guzzi, die für das heurige Modelljahr ihren Bestseller, die V7, in drei neuen und ab Werk individualisierten Varianten auf den Markt bringt.

Rough, Milano und Carbon heißen die drei neuen, supercoolen Guzzi-V7-Versionen aus Mandello, die das V7-Portfolio auf insgesamt sechs Varianten vergrößern. Während dieV7 Rough, wie schon der Name sagt, mit Soft-Offroadreifen und zahlreichen geschwärzten Teilen eher den Scrambler mimt, gibt sich die Milano naturgemäß höchst elegant und legt mit feinen Aluteilen, Glanzlack und Chrom-Features Wert auf stilsicheres Understatement. Die auffälligste unter den drei neuen V7-Modellen ist jedenfalls die Carbon, die auf einen sehr gelungenen Mix aus roten Farbtupfern und eben zahlreichen Sichtkarbon-Teilen setzt. Sie wirkt ziemlich nasty, so wie sie dasteht, es macht Spaß, die vielen optischen Highlights mit bloßem Auge zu erkunden. Hängen bleibt man jedenfalls bei den rot lackierten Zylinderkopfdeckeln und dem ebenfalls roten Bremssattel amVorderrad sowie dem roten Guzzi-Logo auf beiden Seiten des 21 Liter fassenden, ansonsten mattschwarzen Tanks. Rote Steppnähte geben der komfortablen, mit Alcantara bezogenen Sitzbank ein exzellentes Finish. Während die wenigen Details in Rot echte Eyecatcher sind, zeigen sich Tankverschluss, Lampenring sowie die Abdeckungen der Einspritzdüsen und der hinteren Bremspumpe eher unauffällig zurückhaltend ebenfalls in mattem Schwarz. Und damit man trotz Customizing ab Werk nicht an jeder zweiten Straßenecke eine andere Carbon sieht, hat Moto Guzzi dieV7 Carbon als einziges der drei neuen Sondermodelle auf exakt 1.921 Stück limitiert. Der Hin- tergrund dieser Zahl ist das erste Produktionsjahr von Moto Guzzi, nämlich 1921, seitdem wurden alle Guzzis in Mandello del Lario von Hand gefertigt. Die Plakette mit der limitierten Produktionsnummer hat Guzzi prominent am Lenker angebracht, sodass man sie immer im Blickfeld hat.

Technisch basiert die neue V7 III Carbon logischerweise auf der Standard-V7 der dritten Generation. Für 11.499 Euro bekommt man die bewährten V7-III-Assets – mattschwarzer Small-Block V2 mit 744 ccm Hubraum und 52PS, 60 Nm Drehmoment, Telegabel vorne und einstellbare Stoßdämpfer hinten – sowie das typische V7-Fahrgefühl, das in jeder Lebenslage viel Spaß bringt. Natürlich ist die V7 Carbon kein Performance-orientiertes Motorrad für den feisten Antritt auf der Bergwertung. Was sie aber mitbringt, ist pure Fahrfreude, dank des potenten Antritts des V2-Motors schon im unteren Drehzahlbereich, und dank des ausgewogenen Fahrwerks, das viel verzeiht und auch viel wegsteckt.

Hinzu kommt eine durchaus entspannte Sitzposition auch für größere Fahrer, die einerseits eine gute Übersicht im Stadtverkehr, andererseits aber auch sportlichere Ambitionen bei der dynamischeren Ausfahrt am Wochenende zulässt.

Mit 213 Kilogramm Gewicht ist die V7 Carbon höchst wendig. Man wuselt bequem durch den Stadtverkehr am Stau vorbei, auch das Rangieren fällt leicht. Die V7 Carbon verfügt natürlich über ABS, aber auch über die Moto Guzzi Traktionskontrolle, die vor allem bei nasser Fahrbahn in der Stadt sehr viel Sinn macht.

Aus der Stadt draußen und auf kurviger Landstraße versprüht die V7 III Carbon pures Dolce Vita. So muss Motorradfahren in seiner reinsten Form eigentlich sein. Mehr als ein fantastisch aussehendes Bike, einen tollen, durchzugsstarken Motor und ein bisschen Sonne braucht man nicht, um glücklich zu sein. Beim zügigen Wedeln über kurvige Landstraßen macht die V7 Carbon nicht nur optisch eine Riesenfreude, sondern auch, was das Fahrgefühl betrifft. Einziger, wenn auch minimaler Kritikpunkt ist die Reaktion der Telegabel an der Front auf kurze, heftigere Stöße, die sie nicht so recht mag und bei denen sie viel Energie an die Handgelenke des Fahrers durchlässt.

Das Preis-Leistungs-Verhältnis mit einem Kaufpreis von 11.499 Euro geht in Anbetracht der Hammeroptik völlig in Ordnung, da gibt es wesentlich Teureres, das wesentlich schlechter aussieht.