Motorhead des Monats

Ilka Minor

Spätestens wenn Sie in einem Rallye-Auto mit 200 km/h zwischen dicht stehenden Bäumen auf eine Kuppe zurasen, ohne zu wissen, wie die Strecke nach dieser weiter verläuft, merken Sie, wie wichtig der Copilot wirklich ist. Ohne ihre Beifahrer sind die Piloten im Rallye-Sport praktisch blind. Der Copilot kennt die Strecke, die richtigen Gänge und Geschwindigkeiten – und nur anhand seiner Ansagen können die Stars die einzelnen Abschnitte so präzise und schnell wie möglich absolvieren.

Eine der besten Copilotinnen (und Copiloten) der Rallye-Szene kommt aus Österreich: Ilka Minor. Dabei fing die Karriere der 41-jährigen Kärntnerin recht still an, erst mit vier Jahren begann sie zu sprechen. Mit 15 Jahren lernte sie den heute dreifachen Rallye-Staatsmeister Achim Mörtl kennen, dem sie von 1994 bis 1997 sogar zu einem seiner Staatsmeistertitel verhalf. Die Ilka ist gut, das bestätigen all ihre Fahrer, von Evgeny Novikov über Markus Mitterbauer bis zu Österreichs Parade-Piloten Manfred Stohl, mit dem sie 2001 vier WM-Läufe bestritt.

Doch die Rallye-Welt hat Spuren bei ihr hinterlassen. Ein Oberschenkelknochenbruch, bei dem Wochen später im Fitnessstudio die Verschraubung brach. Dann ein Wirbelbruch bei der Admont Rallye. Diese und andere Schicksalsschläge konnten ihr den Rallye-Geist nicht austreiben. Sie erholte sich, trainierte und saß wenig später wieder im Cockpit.

All die Strapazen und Steine, die im Weg lagen, machten sie nur noch stärker. Nach insgesamt 125 Rallye-WM-Läufen fühlte sie sich endlich ausreichend vorbereitet, um eine der härtesten Rallyes in Angriff zu nehmen – die Dakar. Im Jänner 2017 ging sie an der Seite des tschechischen Rallye-Piloten Martin Prokop in einem Ford F-150 Raptor bei der legendären Wüstenrallye an den Start. Die beiden schafften mit einem Rückstand von knapp fünf Stunden den elften Gesamtrang. Wir finden: Diese Leistung darf auch angesichts des sensationellen zweiten Platzes von Matthias Walkner auf seiner KTM medial nicht untergehen.