Pony mit Giftzähnen

Rodeo im Mustang GT350R

Drück auf den Startknopf und die Hölle bricht los. Die acht Zylinder grollen und schreien dich an, als ob du mitten im Kettensägenmassaker stehen würdest. 526 Pferdestärken bäumen sich auf und lechzen nur danach, dich mit brutaler Urgewalt durch die Gegend zu katapultieren. Um den Mustang GT350R zu verstehen, stelle man sich vor man stünde mitten im infernalischsten Kreuzfeuer aus Explosionen und Metall – und man empfindet dabei nichts als Begeisterung, Glücksseligkeit und Gier nach mehr davon.

Text: Jakob Stantejsky

Ich verspüre tiefsten Respekt, sobald ich den ersten Blick auf das knallgelbe Ungetüm aus Amerika werfe. Allein die Form dieses Fahrzeugs strahlt schon so viel Aggressivität, Selbstsicherheit und Kraft aus. Zu wissen, dass ich hier vor einem der heftigsten aller Serienmustangs überhaupt stehe, gibt mir außerdem noch einen zusätzlichen Kick, der nicht zu ersetzen ist. Und auch wenn das galloppierende Pferd, das sich normalerweise auf Fords Kraftponys befindet, eine wahre Ikone ist – die aufgebäumte Cobra wird dem Ford Mustang Shelby GT350R doch eher gerecht. Denn dieses Auto ist nicht nur schnell, sondern auch gefährlich.

Diese Maschine ist absolut nichts für Sonntagsfahrer, die mal eben die Sau rauslassen wollen. Dazu ist der Punch, den die Cobra im Gepäck hat, viel zu brutal. Außerdem wird der GT350R per Hand geschalten, da ist nichts mit bloßem Bleifuß, auf die Bremse springen und daneben gemütlich lenken. Der 5,2 Liter-Motor des Mustangs schießt einen derart rasch von Kurvenausgang zu Kurveneingang, dass man mit Schalthebel und Kupplungsfuß schon fast ein Virtuose sein muss, um mit allem rechtzeitig fertig zu werden. Die Alternative wäre natürlich, es gemütlicher angehen zu lassen – ganz sicher nicht. Schließlich wächst man mit seinen Aufgaben. Ach ja, und den GT350R auf Sparflamme zu fahren, gleicht Blasphemie. So geht es auch mir, Runde für Runde spüre ich, wie ich mich mehr und mehr mit dem Fahrzeug verbrüdere und sich die vergleichsweise lahmen Automatismen aus Alltagsfahrzeugen an dieses Monster anpassen.

Die 1655 Kilogramm, die der Mustang auf die Waage bringt, machen sich übrigens bemerkbar. Ich spüre bei jedem Einlenken deutlich, dass ich hier nicht in einem filigranen Supersportwagen à la McLaren o.ä. sitze, aber das soll keine Kritik sein. Denn ein Muscle Car soll ein Muscle Car sein. Und das bedeutet nunmal, dass alles ein wenig roher ist. Wenn ich die Kurve voll ausreizen will, bringt aber genau dieser Umstand besonders viel Spaß ins Spiel. Denn das Heck des GT350R lauert nur darauf, dass sein Reiter sich einen Moment der Unachtsamkeit erlaubt und ZACK – schon kreischen die Reifen und ich kämpfe mit aller Macht um die Kontrolle bei diesem Rodeo. Und ich sag’s euch jetzt ganz ehrlich: Das ist einfach nur geil!

Egal ob in der amerikanischen Lieblingsdisziplin des stur-geradeaus-Preschens, oder beim gepflegten Kurvenzirkeln: Der Mustang GT350R ist eine Höllenmaschine, die verdammt viel Ekstase versprüht. Das gilt auch für alle Unbeteiligten, denn der Sound dieses Ponys dröhnt auch noch aus weiter Entfernung wie ein entfesselter Wirbelsturm. Ich habe von diesem Fahrzeug auf jeden Fall viel gelernt und habe mich als Fahrer definitiv den ein oder anderen Schritt weiterentwickelt. Schade nur, dass hierzulande kaum jemand in diesen Genuss kommen wird. Denn diesen Mustang gibt es nur in den USA zu kaufen. Zwar ist es schon möglich, ihn mit der gnädigen Hilfe eines willigen Händlers und großer Papierkrambereitschaft nach Österreich zu holen, dann steigt der Preis von 62.000 Dollar aber höchstwahrscheinlich in den sechsstelligen Euro-Bereich. Wobei..im Vergleich zu hiesigen Sportskanonen mutet selbst das noch relativ zivil an. Hmmm. Ich muss kurz weg, mein Sparschwein, mein Hammer und ich haben einen Termin.