„Make it so“

Nissan Leaf_seite links

Motorblock.at hatte mich eingeladen, das derzeit weltweit meistverkaufte, rein elektrisch betriebene Auto Probe zu fahren und LEAF damit bei mir offene Türen ein.

Text: René Billiani

Ich war die letzten 9 Jahre bereits im Hybrid-Modus (Toyota Prius) unterwegs, nachdem ich zuvor über einen langen Zeitraum die CO² Bilanz des Planeten mit großvolumigen Verbrennungsmotoren gehörig belastet hatte. Es war aber weniger schlechtes Gewissen, das mich nach Alternativen suchen ließ, sondern technisches Interesse und – ich muss es zugeben – Captain Jean-Luc Picard: „Make it so!“

Heute ist also der Termin, ich stehe vor dem Haus und warte auf eines der fortschrittlichsten, rein elektrisch angetriebenen Automobile der Jetztzeit. Und leise surrend nähert es sich, blitzblau und metallisch glänzend lächelt es mich an!

Erster Eindruck: Die Karosserie wurde ohne Zweifel im Windkanal gezeugt, aber über die kantig aus der Fahrzeugsilhouette herausragenden Scheinwerfer muss man trefflich streiten. Ansonsten fallen mir viele kleine, liebevolle Details auf, wie in der Autofarbe gehaltene Nabenabdeckungen und Reflektorstreifen.

Da ich den Funkschlüssel in der Hosentasche trage erkennt mich der LEAF gleich als Freund und lässt mich die Türen öffnen. Am Fahrersitz Platz genommen überzeugt mich angenehmer Sitzkomfort und ich fühle mich gleich zuhause. Vor mir ein übersichtliches Instrumentenpaneel, das über Restreichweite, Fahrökonomie, Batterietemperatur und vieles andere informiert. Ich entschließe mich, trotz sommerlicher Außentemperaturen, auf die Klimaanlage zu verzichten, was die Reichweitenanzeige dankend zur Kenntnis nimmt.

Den Startknopf betätigen, „all systems online“, Fahrmodus D am Wählhebel und los geht’s. Angenehm geräuschlos setzen sich die nahezu 1,5 t in Bewegung. Der Elektromotor sorgt mit seinen 80kW und einem Drehmoment von 254N für eine angenehm kontinuierliche Leistungsabgabe und wird dabei unterstützt von einem elektronisch gesteuerten Untersetzungsgetriebe.

Steigt man zu heftig aufs Gaspedal (eigentlich ein Anachronismus, der durch Beschleunigungspedal ersetzt werden sollte) wird das sofort mit einer Reduzierung der Restreichweite abgestraft. Also ist vorausschauendes Fahren gefragt. Wie hieß das früher: „Gleiten statt Hetzen!“

Während der Fahrt fällt mir auf, dass der LEAF auch auf Kopfsteinpflaster angenehm satt auf der Straße liegt, kein nervöses Rumpeln oder Klappern stört den Stereogenuss, den das serienmäßig an Bord befindliche BOSE Soundsystem liefert.

Einzig negativ fällt das Touchscreen-Multi-Display in der Mittelsäule auf: Viel zu kleine Menuebalken, die sich nur mit Fingerspitzen und nach mehrmaligem Tippen betätigen lassen, trüben die Bedienbarkeit und das durchaus positive Gesamtkonzept des LEAF.

Nach einer Stunde Probefahrt steht also folgendes Fazit an: Der NISSAN LEAF ist ein innovatives, zukunftsorientiertes Auto für die Stadt. Voll aufgeladen beträgt die Reichweite ca. 140 km. Die Ladezeiten betragen bei einem normalen Haushaltsanschluss (also typischerweise über Nacht) ca. 8 Stunden, an Schnelladetankstellen erreicht man während einer Kaffeepause 80% der Batteriekapazität in ca. 30 Minuten zurück.

Dieses Auto macht eindeutig Spaß, schützt den Fahrer aber nicht davor, Fahrtstrecken und Pausen genauestens zu kalkulieren. Sollten in Zukunft Batteriekapazitäten gesteigert werden und erhöhte Stückzahlen die Preise sinken lassen, führt an der Elektromobilität kein Weg mehr vorbei. China zeigt derzeit schon vor, was möglich ist!

Captain to Bridge: „Make it so“

Rene_Billiani im NissanLeaf