Immer schön cool bleiben

Der Nissan Qashqai

Kleinwagen brummen frech, Luxuslimousinen schnurren sanft, Sportwagen brüllen wütend, Elektroautos surren leise und der Nissan Qashqai – der hat das alles nicht nötig. Klar, er bewegt sich auch nicht lautlos, aber irgendwie erweckt er den Eindruck, dass er all das Brimbamborium drumherum nicht braucht. Ganz cool gleitet er durch das Großstadtgewusel und genügt sich dabei selbst vollauf.

Text: Jakob Stantejsky

Ich gebe es ja zu. Wenn ich einen Testwagen abhole, informiere ich mich zuerst einmal über seine Leistungsdaten, dann untersuche ich das Ex- und Interieur einmal eingehend und im dritten Schritt steige ich bei der nächstbesten Gelegenheit aus dem Stand mal voll aufs Gas. Denn egal ob Stadtzwergerl oder Rennstreckenbolide – ich will zuallererst ein Gefühl dafür kriegen, was der Motor hergibt. Für manche klingt das vielleicht präpotent, mir ist das aber herzlich wurscht. Denn man lernt schon auch was über die Charakteristik eines Autos bei einem fetzig angelegten Start, das über die nackten Zahlen aus dem Zulassungsschein hinausgeht. Bei unserem 2017er-Facelift-Qashqai steht da beispielsweise: Vier Zylinder, ein Turbolader, 1,2 Liter Hubraum, 115 Pferdestärken, 1860 Kilogramm.

Wir haben also den Basisbenziner getestet und von dem erwartet man sich beim Ampelsprint mal keine Wunder. Doch bei diesem ersten Schnuppern stelle ich fest, dass er schon recht zügig kann, wenn er muss. Aber irgendwie animiert  der Qashqai mich von Anfang an zum Chillen. Ich weiß jetzt zwar, dass ich auch (relativ) auf Zug durchstarten könnte, doch das kommt mir plötzlich überflüssig vor. Die Schaltung ist zwar knackig und die Lenkung spricht ansprechend an, aber der Qashqai macht nicht auf Sportwagen, wo kein Sportwagen ist. Viel wohler fühlen wir (er und ich) uns, wenn wir entspannt, aber rasch unterwegs sind. Denn Schleicher ist er keiner, das würde auch nicht zu seiner gelassenen Coolness passen.

So cruise ich also zwei Wochen lang in meiner coolen blauen Blase durch Wien und Umgebung und erfreue mich am simplen, direkten und effektiven Gemüt des Nissan Qashqai. Das betrifft aber nicht nur seinen Fahrstil, sondern auch die Bedienung. Die Japaner verstehen es mit ihrem intuitiven Infotainment-Konzept, dass der Fahrer sich sofort heimisch fühlt – wie schon im Nissan Micra findet man sich ab dem ersten Einsteigen zurecht und wurschtelt sich gleich gekonnt durch alle Funktionen. Im Cockpit geht es zwar weniger bunt zu als im klitzekleinen Bruder, doch der cleane Simplizismus steht dem Qashqai einfach. Die zweithöchste Ausstattungsstufe „tekna“ bietet außerdem alles, was man braucht, zum die-Konkurrenz-das-Fürchten-lehrenden-Preis von 30.881 Euro. Zusätzlich sogar noch ein Bisschen mehr, so finden sich im Innenraum auch Materialien, die eher der Kosmetik als dem Nutzen dienen, wie auch die 18-Zöller an den Hufen. Egal welchen Aspekt des Kompakt-SUVs man unter die Lupe nimmt, der Japaner befriedigt alle Wünsche, solange man sich nicht nach Power pur und totalem Luxus sehnt.

Also alles easy beim coolen Qashqai? Das ganz sicher. Versessene Lifestyler kriegen natürlich eher bei anderen, knalligeren Kompakt-SUVs einen hoch. Und wer die große Offroadsportlichkeit sucht (falls die nicht nur ein Marketingtrick ist…hmm) oder sich nach Lack und Leder auf Stelzen sehnt, der findet wohl auch passendere Alternativen. Wer aber auf das ganze Brimbamborium drumherum verzichten will, kriegt mit dem Nissan Qashqai einen Partner zur Seite gestellt, der genauso cool ist wie man selbst. Denn cool hat nichts damit zu tun, Eindruck schinden zu wollen – außer man ist geistig in der Pubertät stecken geblieben. Cool ist man einfach. So wie der Qashqai, den diese Qualität einst zum Verkaufsschlager gemacht hat und der auch heute noch perfekt passt.